Abschnitt IX.
Die ostpreußischen Unrußs.
In der Wallenrodtschen Bibliothek zu Königs-berg findet sich ein formloser Entwurf einer„Genealogischen Stammtafel derer Herren vonU." ohne Datum und Unterschrift, schon durchLücken, Fehler und den Hinweis: „Wappen vicksSchles. Eurios. Tom. 7 pag. 1616" als bloßerversuch eines Unbeteiligten gekennzeichnet. Diebeiliegende Skizze einer Ahnentasel des 1745Reichsgraf gewordenen Tonstantin in Danzigund das anschließende „Projekt zum Attestats"erweisen, daß das Gelüst, Graf zu werden,und der Wahn, die Dresdener Reichsgrafen-verleihung erstrecke sich allseits bis ins vierteGlied, auch die Brüder Heinrich Rudolf-Otten, Wolff T h r i st o f - Wodnnkeim undThristian Gottlieb-Bregden bei völliger Un-kenntnis ihrer eignen Herkunft ergriffen hatte.Glücklicherweise ohne Erfolg, denn ohne großenfür alle Zeit gefestigten Grundbesitz würde ihnender bloße Grafentitel nur eine glänzende Hohl-heit und lähmende Fessel geworden sein. Kluggaben sie daher den versuch auf, durch Nachweisihrer Abkunft von der Familie der neuen Grafenes auch zu werden.
Die Abkunft des ersten in Ostpreußen seßhaftgewordnen U. — Mulkk Ibetnricb — ergibtsich aus dem vorigen Abschnitt, aber nicht wieer die neue Heimat fand; dazu führten uralteBeziehungen mit den Niederlausitzer Parcks.Heinrich p. war 1536 von Ulgf. Johann vonBrandenburg zum Amtshauptmann von Kottbnsund peitz bestellt, 1538 war ihm die HerrschaftJeßnitz verschrieben, die er 5. 11. 38 seiner FrauEmerentia zum Leibgedinge setzte. 1543 war ermit Dorf Rudow, bald darauf mit der StadtSommerfeld samt allem Zubehör belehnt. Dasdazu geerbte Langmeil in der Neumark überließer den Neffen seiner Frau, Asmus und WolffTroschke. Die Mutter des ersten ostpreußischenU. war Kunigunde Troschke und dieser,Wulff Heinrich selbst, dessen Vater HansHeinrich erst 1662 nach Buckow auf dasVorwerk Jörßleben gezogen war, trat kaum 15Jahr alt geworden unter Major von Parck alsJunker bei den durch die Neumark ziehendenDerfflinger Dragonern ein, die damals aus derOstpreußischen Garnison in den franzöfisch-
Die UnrulMr.
niederländischen Krieg zogen. Da aber durchden Thorner Frieden von 1466 ganz Ostpreußenunter polnische Oberhoheit gekommen, West-preußen polnisch geworden war und Polen erst1657 im vertrage von Wehlau des GroßenKurfürsten Souveränität über Ostpreußen aner-kannt hatte, was der Friede von Oliva erst1666 endgültig bestätigte, hieß es im Mundeder Leute: Wulff Heinrich ist 1674 „nach Polen"gekommen. Damals noch weniger als heuteging solche Reiterlaufbahn eines Sohnes ohneOpfer für die Eltern ab.
Mittlerweile hatte Wulff-Heinrich manchesTreffen und auch die Schlacht bei Fehrbellinmitgemacht, schließlich es unter Major v. parcknicht nur zum jungen Stabskapitän bei denDragonern, sondern auch bei dessen SchwesterMilabetb Dorothea zuherzlichstenBeziehungengebracht. Die Parcks waren damals in OstpreußenBesitzer der Güter Pottlitten, Freudenthal undWarnickam geworden. Reisestrapazen schlug mandamals geringer an, als heute; so wurde danndas Paar im Vaterhause des Bräutigams zuBuckow am 13. 7. 1685 getraut. Leider ist derLhevertrag nicht unter den vielen uns ausdamaliger Zeit erhaltenen, daher auch nicht zuersehen, weshalb die Braut im Kirchenbuch als„Frauen auf Warnikam" eingetragen wurde.Dies ostpreußische Gut kann sie nur als Witwebesessen haben. Damals berücksichtigten aber dieamtlichen Eintragungen nur den Gcburts- undMädchennamen bei der Wiederverheicatung einerWitwe, alles sonstige wurde nur durch solcheZusätze angedeutet.
Es war damals noch zwingende Sitte, daßder Bräutigam dem vermögen, das die Brautin die Ehe brachte, mindestens den gleichen Wertals „Gegengabe" und daneben noch die etwaigeWitwenzukuuft der Braut sicher stellte, abgesehenvon der sogenannten Morgengabe und den sorg-fältig geklärten Eigentumsansprüchen an dieAussteuer, Paraphernalien,Niftelgerade, Kleinode,Mußteil u. s. w. Hier konnte also nur VaterHanns Heinrich eintreten und da er schon1678 auf Buckow hatte für seine Familie Geldaufnehmen müssen, blieb ihm nichts übrig, alszu verkaufen. WulffHeinrich aber hatte schon
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