Abschnitt III.
Die mitteldeutschen Anruche der Akerganzezeit.
Wäre in den z Jahrhunderten von sooo—söooauch nur ein Träger des Namens annähernd zurBedeutung des Heinrich oder Eberhard auf-gestiegen, so würden uns die Annale», Thronikenund Urkunden jener Zeit gewiß ausreichendeAngaben aufbewahrt haben, so daß wir manchemEinzel- und Familienschicksal genauer nachspürenkönnten. Freilich nicht an der Hand von Kirchen-und Standes-Registern, aber doch mit so hohenWahrscheinlichkeitsgründen, daß bei keinem andernuralten Geschlecht bessere zu finden wären. Aberes ist menschlich, daß der erstaunliche Blüthenund Früchte tragende Baum achtloser Vergessenheitverfällt, wenn Generationen lang nichts mehrdie Blicke der Masse aus ihn zieht, lvir könnenmit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß dieNachkommen Albgars und des KaisersBerengar im damaligen äußersten Gsten, alsoin Siebenbürgen, Mähren, Ungarn und Polen,sich fortgepflanzt haben, womit das vorkommeneines U. ssoy als Gesandter des PolcnkönigsBoleslaus an Kaiser Heinrich vielleicht zusammen-hängtH. Doch bleibt nur ein großes Fragezeichenfür die Nachkommen der U's, die wir im vorigenAbschnitt mit den Namen Einhard, Vtger, Luitfredund Walther und als Prnnsteiner auftauchensehen. Aber wir dürfen nicht außer Acht lassen,daß neben den aus neubenannte Geschlechter inSchwaben und Baden hinleitendcn Spuren auchBeziehungen zum mitteldeutschen Berglande sichgezeigt haben, abgesehen von dem im FuldaerBonifazkloster S02 gestorbenen David Unroch,auch in dem Wirken des Graf Hunrog 82?beim Bischof in Würzburg(vergl. Sp. 26). verlegtdoch die sog. Sage vom Müller Hans Turt Unruchden Schauplatz der Entstehung eines Geschlechtsum y-so in diese obcrfränkischcn Gegenden.Hesekiel hat diese Sage, wie es scheint unterwörtlicher Benutzung der von Barbara Marwitz-Unruhe ausgezeichneten Legende, poetisch ver-arbeitet. An sich haben ja Legenden außer einemHauch von Poesie keinerlei Bedeutung, doch wirdman sie niemals für ganz frei erfunden erklärendürfen, weil das wunderbar treue Gedächtnisfrüher Zeiten, unbeschwert mit heutigem Wissens-
r) Sinapius, schles. Curiositäten S. Ulli.
ballast, viele Geschlechtsfolgen hindurch um einenwinzigen Kern von Wahrheit und Tatsächlichkeittausend Fäden ausschmückender Deutung gewobenhat. Ein Jahrhundert im Seelenleben desVolkes ist wie ein Monat im Kindcrlcben. Abernur Dichter und Frauen dürfen solche altenUberlieferungen niederschreiben, der gelehrte Ernstnimmt dem Schmetterling die natürliche Gaukel-schönhcit und was er in seinem Sammclkastendavon aufspießt, ist ein zu Tode beschädigtesGerippe. Geistlos unschön klingt es, wennThristos Sigmund U. s?2g in seiner Thronik ausder Familienlegende wiedergibt, ein „gewisserresoluter Mensch" habe im 3. Saeenlo, seinesZeichens ein Müller, sich hervorgetan, dann imKerker einen Löwen bezwungen usw. In einerspäteren schlesischen Niederschrift wird das Bildnoch nüchterner, der Kern noch verschwommener,denn beiden gilt als Hauptsache nur der schüchternnaive versuch, das Wappenbild zu erklären, dieStraußfedern mit dem Grient, den Mühlsteinmit der Abkunft des ersten Unruh und den Löwenmit seinem kraftvollen Mut, alles aber poesielosund an beengte Jdeenkreise gebannt. Dagegenerhebt sich die Hcincrsdorscr Aufzeichnung zueiner höheren Form und Klarheit, wenngleichauch darin das Zeitkolorit sich mehr nach derSchreiberin als der Begebenheit richtet. Hierder Wortlaut:
„In einem unzugänglichen Felsenthale des Franken-landes hauste u m d a s I a h r g -t 0 der Müller HansCurt: fast riesenhaft war sein Wuchs und seine Körper-Iraft, sein Charakter fest und ohne Furcht. HerzogEberhard hatte aus der Jagd seiner Mutter Schimpfangethan und diese sich darauf ins Wasser gestürzt.Seitdem lochte nur Rache in des Sohnes Brust? erzog sich in das obenbezcichncte Thal zurück, befestigtedie Eingänge, nahm diele Knechte, bewaffnete sie undunternahm nun Raubzüge, anfangs im Kleinen, späterim Grossen, so datz Herzog Eberhard seine Rache oftschwer empfinden muhte. Alle Versuche, ihn zu fangen,scheiterten an seiner Wachsamkeit und der Unzugäng-lichreit seines Schlupfwinkels. Curts Geist wardimmer wilder und seine Räubereien immer kühner.Nicht die sausten Mahnungen seines Weibes Elsbeth,eines Grafen Gole Tochter, die er geraubt und diespäter in sanfter Neigung sich zu ihm gewandt, konntenseine Rachegesühlc dämpfen. Sobald nur HerzogEberhards Name in sein Ohr schallte, erwachten siemit neuer Wuth. Da klagte Herzog Eberhard beiseiner Aussöhnung mit dem Könige Otto ihm die Roth