ein gemeinsamer, von einem zum andern über-nommener ist. Es hat nur bisher niemand An-laß gehabt, der Frage mit gründlicher Rritikscharf zu Leibe zu gehen. Alle diese Angabenstammen aus dem Anfang des 18. Jahrhundertsund lassen erkennen, daß sie von einander ab-geschrieben sind. Sie stehen aber im Widerspruchmit vielen urkundlichen Daten. Zufällig läßtsich noch die Spur der Entstehung der her-gebrachten Angaben verfolgen. In den um172(1 entstandenen Sammlungen des PastorsMöllern zu Rrossen heißt es einmal: ich habediese Angabe von Herrn Melchior FridrichStosch-Mondschütz, der in der Gegend 1712herumgereist ist, um aus allerlei Nachrichtenetwas über die vorfahren in Erfahrung zubringen. In Neu-Tschau bei Neusalz hatStosch erfahren, daß zur gleichen Zeit, als deraus dem Goldberger lveichbilde dorthin unddann weiter nach Birnbaum gezogene Ehristof U.dort saß, der Ehristof U. aus Lawalde genanntwar. Auf den Gedanken, daß dies 2 gleich-namige Träger des von altersher bei den U.sgebräuchlichen Namens gewesen, konnte er kaumkommen. Er wußte nicht, daß es erst von 1597ab einen Ehristof U. „auf Birnbaum" gebenkonnte, merkte also seinen Irrtum auch nicht,als er niederschrieb, Daniel Preuß habe 1593Anna, Tochter Ehristofs „auf Birnb." geheiratetuud Ehristof „aus Birnb." habe 1594 in seinesMündels Urs. Zedlitz Heirat mit Hans Ralkreut-Rlemzig gewilligt. So stand es dann für ihn,nicht minder für den Ehronisten Ehrs. Sgmd. undfür alle, die seine Behauptung zu bezweifeln keinenAnlaß hatten, unbedenklich fest, daß die Birn-baumer U's. ans Lawalde stammen. Sie find,so wenig sonst auf kleine lvappennnterschiedein jener Zeit zu geben ist, schon durch den ge-krönten Löwen gezeichnet und ursprünglich mitden lvendstadtern eines Stammes. BeideEhristofs in Neu Tschau hatten eine TochterZinna. Die des Lawalder heiratete den SachsenPreuß, die des Birnbaumer den Polen Braun-Broniewski. Aber nur der spätere BirnbaumerEhristof hatte eine Tochter Sidonie, die auch inder Ehrontk als Tochter Ehristofs, Gattin desHans Braun-Steinberg genannt ist. Meistenswird „Steinbrück" geschrieben, weil in den altenSchriften, aus schlesische Art der Aussprache,Steinberck steht. Steinberg und Lobendau, woEhristof damals wohnte, sind Nachbargüter imAr. Goldberg Haynau.—Damals war Großpolen,das heutige Posen, das aussichtsvollste Land füralle Herren, die ans Tätigkeits- oder Freiheits-drang der deutschen Beimat entsagen wollten.Auch volle Glaubensfreiheit herrschte dort, bisdie Jesuiten und die Gegenreformation die(Überhand gewannen, vor allem gab es keineLehnsobcrhoheit, jeder Grundherr war ein StückRönig auf seiner Scholle. Deshalb waren jaschon im 15. und 16. Jahrhundert so viele U's,namentlich aus der Ncnmark über die östlicheGrenze gezogen. Wir sahen Niczko U. schon14(19 bei Rosten, dann Valentin auf Pode-morkell und Tirschtiegcl und viele andre auf
ungenannten Sitzen. So scheint es auch glaub-haft, daß Tbrtttok, da ihm seine Frau AnnaPromnitz eine „Tonne Goldes" mitgebrachthaben soll, schon 1587 und 91H die Gegend vonBirnbaum gesehen, dort vielleicht Gelder ausge-liehen hat, wodurch der Ankauf von Birnbaumsich vorbereitet haben mag.
Fast hat es den Anschein, daß die schon vor1592 verheiratete Sidonie eine Tochter ersterEhe, und Anna Promnitz Ehristofs zweite Frauwar. Zu dieser Annahme führen zwei Urkunden,wonach Ehrf. schon vor 1576 geheiratet unddarauf Pürschen, Rr. Glogau erworben zu habenscheint: 18. 3. 76 legt Albr. Schreibersdorf Be-schlag aus das von Ehristof zu zahlende zuJoh. fällige Raufgeld, weil die Verkäuferin, s.Schwiegermutter, ihn benachteiligt habe"), 27. 8.76 ebenso Hans Ralkreut auf das Mich. 76fällige Rausgeld für einen zugekauften Gartenund Bauernacker^). Da Ehrf. 1629 st, wird eretwa 1559 geboren sein. Was aus Pürschengeworden, ist unklar. Jedenfalls waren dieEltern schon bejahrt, als sie 1597 Birnbaumzu eigen erwarben und dort endgiltig einzogenDas frühere Heimgut Lobendau scheint Sidonieihrem Manne Hans Braun mitgebracht zuhaben, den nur kleinen Anteil Neu Tschau, aufdem Ehristoph mit seiner Familie von 1592 bis97 gesessen hatte, übernahm Daniel Preuß, derSchwiegersohn des Lawalder Ehristof; von seinemSohne Max Pr. erwarben später Ehristofs Söhnedas ganze Neu-Tschau.
Die Braun's waren eine auf Steinberg,Seisersdorf und Tscheplau angesessne Familie.Hans B., der die junge Sidonie — die einzigeihres Namens — geheiratet, war ein Witwermit 3 fast erwachsenen Söhnen, vielleicht älterals die neue Stiefmutter. Mit den Folgen solchenMißverhältnisses wird schon im Sachsenspiegelgerechnet. Es wird den jungen Braun's nichtschwer gewesen sein, die Stiefmutter aus scheel-süchtigem Erbneid bei dem Vater zu verdächtigen,so daß er sie schlecht behandelte. Ehristof ver-klagt daher Hans Braun beim Amt Glogau5. 5. 1592, daß er Sidonie nicht genügendalimentiert). Nun scheinen die Stiefsöhnefrecher vorgegangen und der schwache Vaterganz auf ihre Seite getreten zu sein. 19.19. 92schreibt das Vberamt Breslau b) an ihn: Waßsich kein unß . . . Ehristof Unruhe beschweret»,daß ihr seine tochter Sidoniam, enhr Eheweibin beschwerliche vordacht einer vnzucht zue ziehenvormainett" . . . und an Ehristof: „Wir habeneuhr schreiben dar innen ihr mit . . . Hanss vonBraun wegen beschwerlichen vordachttß, darmitehr sein Eheweib, euhre tochtter Sidoniam zuebezüchtigen vormainett, mnb vorhör gebeten,empfangen . . . haben wir den 9 tagk Februariinegstfolgenden 1593. Jahreß gegen der Neißangeßetzett, auch obberurten Haussen v. B . . .
9 Bibl. Wallcnrodt-Sgsbg.-i A. Brsl. Glog. III 17. 10.9 Ebenda b?.
N A. BrSl, Glog. III IS -- Mo.9 lAcnda Rp. 4? Person. V.U.