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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
Seite
161-162
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Die ostpreußischen Unruhs.

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bei seiner Hochzeit 1834 in Frankfurt a. V, dochnicht zu fehlen, antworten muß, das wäre ja dasgrößte Glück seines Lebensabends, aber dasPostgeld nach Frankfurt könne er nicht erübrigen;die Schwester, die ihm erst vor 3 Iahren 20 Thlr,geschenkt, niöge er nicht darum angehen, abervielleicht fände sich eine Frachtgelegenheit, wo erbillig mitfahren könne. Diese Verhältnisse mußman innerlich nachleben, wenn man die darauserwachsenden Anschauungen der folgenden Gene-rationen gerecht beurteilen und in ihrer Not-wendigkeit verstehen will. Am 27. 2. 1833schloß der alte, darbende, edle General in Berlindie Augen, er liegt auf dem alten Garnison-kirchhof an der Linienstraße begraben. SeineWitwe folgte ihm erst 22 Jahr später in Gera.

Ihr Sohn Dans Victor hatte von frühesterJugend andiedarbenden Schrecken derKncchtungs-zcit Preußens mitertragen müssen. Halb in Notaufwachsend, war er schwächlichen Körpers ge-blieben, so daß sein Vater es leicht hatte, ihnvor der damaligen Gffizierslaufbahn zu warnen;er war ja körperlich dazu untauglich. Aber aufder Schule hatte er sich ausgezeichnet. In dieservon allen scholastischen Rückfälligkeitcn freien Zeitbestand sein Abgangs- sheute heißt es Abiturienten!)Zeugnis in einem kleinen randverzierten Blättchen,worin Direktor und Lehrerschaft gemeinsam denIS jährigen für reif erklären, in das Leben ein-zutreten; sonst kein steckbrieflicher Schandfleck wieungenügend in Religion", nur ziemlich in dem,genügend in dem Fach und andre pfäffische Sinn-widrigkeiten mehr. In Berlin wurde er SchinkelsSchüler, hörte auf der Universität philosophischeund andre Kollegien, fühlte sich auch von Besselsgenialer Mathematik und Astronomielchre gefesselt.Zu solchen Studien fehlten aber auf die Dauerdie Mittel, denn es hieß, willst du leben, arbeiteund schaffe dir selbst die Möglichkeit zum Leben.Das sagte seinem von den Vätern ererbten stolzenDrang nach Unabhängigkeit, niemand als sichselbst alles zu verdanken, ohnehin am meisten zu.Damals hatte die großgedachte Agrargesetzgebungzu wirken begonnen, es fehlte dazu an Land-und Feldmessern,Kondukteur" hießen sie damals.Sobald Hans Victor seine technische Aus-bildung so weit gefördert, ließ er sich, wenig über18 Jahr alt, als Kondukteur verwenden, kamdadurch weit herum, z. B. auch nach Gberschlesien,wo er mit Graf Pleß in nahe Berührung kam,der an dem jungenaus der Art geschlagenen"Edelmann besondern Gejallen hatte. Dadurchlernte er schlesische, namentlich oberschlesische,Verhältnisse kennen. Indes verlor er weder Zeitnoch sein Ziel aus den Augen. Kaum hatte ersoviel erspart und erarbeitet, um sein Studiumohne Inanspruchnahme des Vaters oder derTante beenden zu können, so überstieg er alleHindernisse glücklich und 1827 wurde er nachBreslan gesandt, bald darauf, 21 Jahr alt, alsKöniglicher Wasserbauinspektor angestellt, dennim Baufach kannte man damals noch keinehierarchische Beamten-Stnfcnleiter. Das ihm zu-gewiesene Amtsgebiet umfaßte 7 Kreise, erfordertealso um so größere rastlose Tätigkeit, als seit

Die Unrugher.

Jahrzehnten alles stagniert hatte und nun alleLauten nachgeholt werden sollten. Das Näheredieser individuellen Laufbahn möge man in seinen(unter dem Namen H. v. Poschingers) bei derdeutschen Verlagsanstalt Stuttgart 1895 heraus-gegebenenErinnerungen aus deinLeben von Hans Victor von Unruh18961886" nachlesen, die zur Richtigstellungso mancher schiefen und verständnislosen Be-urteilung dieses bedeutenden Mannes ausreichendsein werden.

Hier interessieren uns zunächst die Familien-angelegenheiten. Der junge Bauinspektor, dessenempfängliches Gemüt von Kindheit aus schwerunter dem zwischen seinen Eltern herrschendenGegensatz gelitten, verfiel zunächst den Künsteneiner verführerischen jungen Witwe, an derenSeite er das im Llternhause vermißte Herzens-glück zu finden dachte. IHrneltine v. Knoblochverw. v. Risselmann wurde 1828 seine Gattin.Ein Töchterchen Anna Gottliebe Carolinewurde 5. 6. 1829 geboren. Der lebenslustigenjungen Frau war es jedoch unmöglich, sich indie häufigen langen Abwesenheiten des Mannesauf Dienstreisen zu finden. Als das Töchterchenam 3. 8. 183O starb, erfolgte bald die Scheidung.

Drei Jahr später führte eine Dienstreise den27jährigen Witwer nach Peiskerwitz im Gderwaldzum Gbersörster Krause, der eine Tochter desIustizrats Element aus Frankfurt a. B. zurFrau und deren Schwester /Barle LulleTherese als Besuch im Hause hatte. Die Be-gegnung Hans Victors mit ihr entschied sofortüber das Leben Beider. Sie war 2P. 6. 1816 inFrankfurt geboren, also 18 Jahr alt, als im Herbst1834 die Hochzeit in Frankfurt stattfand, zu derdem alten väterlichen General schließlich derSohn das Erscheinen ermöglicht hatte. Nur15 Jahre dauerte diele überaus glückliche Ehe,daun raffte das 6. Kindbett die Gattin 8. 1p. 1849zu Magdeburg hinweg.

Der hervorragenden Tätigkeit des jungenBreslauer Wasserbauinspektors konnte dieBeachtung nicht fehlen, weitausschauende Plänebewegten ihn. Er erkannte sofort, daß das ausDeutschland stammende, aber erst in England zurAnwendbarkeit entwickelte Problem eisernerMaschinenfahrbahnen von weltgestaltenderTragweite sei. Auch in Deutschland hatte manden ersten versuch zwischen Nürnberg und Fürthgemacht, von Magdeburg nach Leipzig, von Berlinnach Potsdam, zwischen Dresden und Leipzigsollte eine Eisenbahn gebaut werden. Das mußteHans Victor sehen. Alle Ersparnisse zusammen-raffend, nahm er kurzen Urlaub und studierte imFluge die neuen Bahnbautcn, wobei er mit fastallen danials führenden Technikern und Architektenin persönliche Beziehungen kam. Dabei blieb esaber nicht. Einmal in Nürnberg, eilte er zumRhein und nach Belgien, wo, wie er erfahren,ebenfalls Bahnbauten geplant oder schon begonnenwaren. Es war ihm sofort klar, daß diesestechnische Gebiet seine Zukunft sei. Nach Breslauzurückgekehrt, ließ aber zunächst die Fülle derlaufenden Dienstgeschäfte keine rasche Verfolgung

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