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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
Seite
109-110
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Die Neumärker Dnrugher.

Als so das Unheil über den kaum gerettetenBesitz Kay hereinbrach, wandte sich FridrichLeopold, flehentlich um Ausschub bittend, an denGroßen Friedrichs), ihm 23. 10. 1749 klarlegend,daß der Untergang einer unschuldigen Familie be-siegelt sei, wenn er die künftigen Anteilsrechtesofort bar auszahlen müsse.Zahlen"!! Sowar er gezwungen, den letzten Kredit zu über-spannen, scheinbar war es nun also nicht derKönig, der die Familie von Haus und Hof jagte (!!),sondern die Gläubiger waren es! Aber als nunMißernten kamen und Fridrich Leopold nurum das damals öfter von den Behörden bewilligteMoratorium bat, war die Antwort: Subhasta!So zog der letzte dieses Hauses, seine Familiezurücklassend, als Bettler in die Welt, zuerst nachObcrschlesien und Böhmen. Schließlich gelang esihm, in Mähren eine Stelle als Vize-Amtshaupt-mann zu erhalten. Durch Venvandte der Frauwurde der Johanniter-Orden bewogen, ihr, derarmen zertretenen Generalsschwester, das GütchenHildesheim bei Rcppen zur Nutzung^) zu über-lassen, der Form nach für 3000 Thlr. Von dortrichtet sie II. 12. 1759 die Bitte an den König,den Verkauf des Gutes, das schon früher in bürger-lichen Händen gewesen selb), an einen bürgerlichenKäufer zu gestatten. Es gäbe für sie keinen andernAusweg, denn die 153 Thlr., die sie dem Ordenfür förmliche Versckreibung des Gutes zahlenmüsse, seien für sie völlig unerschwinglich und nunhätten die Russen das Gut zun: 4. mal leer ge-brannt und geplündert. Sie habe nichts als dasnackte Leben, mit ihren 3 unschuldigen Kindernflehe sie fußfällig zu ihrem erhabenen König, nurum die Genehmigung.

27 Jahre später i) schreibt die Unglückliche ausSonnenburg, wo sie wohl ein Armenstübchen ineinem Hause des Ordens bewohnt, am 18. 7. 1786an den König: ihren Töchtern sei von dem inUngarn gestorbenen Vaterbruder Alexander einErbe von 1200 Thlr. zugefallen, das aber demösterr. Fiskus verfalle, wenn sie nicht den Toten-schein ihres Mannes beibringe. Nur gerüchtweisehabe sie gehört, daß ihr Mann, der vor 2 Jahrenals ein Greis von 72 Jahren wieder von ihrgegangen sei, um irgendwo sein Brot zu suchen,in Käscmark in Ungarn gestorben sei. In denVasallenlistcn werde er gnadenhalber noch fort-geführt, um vielleicht einmal seines Onkels ErnstAdolf Lehnsfolger zu werden. Der sei nun(dies ist der in Züllichau als geistesschwach bisdahin lebende, den vielleicht das Entsetzen überalles Unglück der Familie um den Verstandgebracht, oder man sagte das auch nur, umAeußerungen zornigen Grolles straffrei lassen zu

sogleich gewährt wurde, doch ohne einen Pfennig Pensionund ohne ein Wort der Anerkennung für die vielen treuenDienste, wofür er den Orden l^ourls rnörlts trug. Ganzohne Vermögen und zu ult, einen andern Dienst zu suchen,geriet er in die bitterste Not. Trotz seiner Bitten und derFürsprache seiner Gönner beim Monarchen erhielt er einvolles Jahr nichts und später nur eine jährliche Pensionvon 500 Talern.

2) St- A. Berlin. R. 22. 343.

Ebenda.

2) St. A- Berlin. N. 2?. 348.

<) Ebenda.

können) mit Hinterlassung von 4125 Thlr. imvorigen Jahre gestorben und nun bäte sie, ihrenKindern zum Erbe zu verhelfen. Heutzutage würdeman auch der ärmsten Witwe nicht versagen, durch denauswärtigen Vertreter des Staates die nötigen Nach-richten und Papiere zu verschaffen und ihr nach Mög-lichkeit zu helfen. Damals lautete die herzlos kühle, inihrer Unerfiillbarkeit beinah höhnische Antwort, siemöge zuvörderst die Einwilligung aller etwa mit-berechtigten Lehnsverwandten beibringen. Mitwelchen Gedanken und Gefühlen mag dieses Dulder-paar wohl den letzten Seufzer getan haben?!?

Wir lenken nun unsere Blicke zum Sp. 83, 84erwähnten Heinrichsohne Conrad zurück, der 1560geboren, neben Anto n und Melchior auf demLehen Klemzig saß und mehrfach in Listen übergezahlte Lehnswähr und Pferdegelder vorkommt.Als er 1619 starb, hinterließ er von seiner FrauBarbaras geb. U.-Klemzig 5 Kinder, nämlich:Heinrich, gb. 1602, Melchior, gb. 21. 10. 1604,Georg, gb. 1607, Conrad, gb. 1603, f 1639,endlich Ursula Elisabeth, gb. 1611. Diese Datensind den Klemziger Kirchbüchern entnommen.Aber der Lehnbrief vom 28. 3. 1620 zählt Georgals den ersten, dann Melchior, und Conradauf und die^) infolge Tronwechsels ausgestellteLehnsurkunde vom 18. 10.1644 sür dessConrad,Herrn zu Klemzig Söhne so auf: 1. Georg,2. Melchior, 3.seit langen Jahren abwesend"Heinrich, keinen weiter, denn Conrad war nunschon tot. In einer Urkunde vom 20. 8. 1653verpflichten sich Georg und Melchior^), dervon ihrem f Bruder Conrad hinterlassencnTochter, der lt. Kirchenbuch 1636 geb. Mag-dale n e , 2900 Thlr. Ausstattung bar oder inHypothek auf Klemzig zu geben. Heinrich hatdabei nicht mitgewirkt, vielleicht war er nur mit-belehnter oder schon abgefundener Besitzer, derinfolge Heirat sich anderweil seßhaft gemacht hatte.Dagegen hatte er 1635 zusammen mit Georg undMelchior in Krossen Termine mit Hans FridrichK n o b e l s d'o r f wegen der Abstattung vondessen Frau, Schwester der 4 Brüder. Die lückigenNachrichtens sagen nur, daß er mit UrsulaNostitz S Kinder hatte: Conrad geb. 1626,Fridrich geb. 1627, Margarethe geb. 1623,die wir 21. 2. 74 als Gattin eines Nostitz beiSeb. Troschke-Klemzig Patenstehend finden, UrsulaMarjanne gb. 1629 und Melchior gb. 1630, dereine 1670 gestorb. Tochter Helene gehabt haben soll.

Der obengedachte Conrad, dessen Brüderihrer Nichte Ausstattung verbriefen, hatte aber2 Töchter: Magdalene geb. 1636 und Ursulageb. 1637. Er selbst starb 1639. seine obenmit den 4 Brüdern erwähnte Schwester UrsulaElisabeth heiratete 1634Fridrich Knobels-dorf auf Guhren, dem nach den LehnsaktenGeorg 2S. 8. 164S ein Kapital (Zahl nichtmehr lesbar^) verschreibt.

Von den obigen 4 Brüdern bleiben noch

y Slg. Möllern, Fllrstcnstein.-) St. A. Berlin N. 4. Bd. 28 Bl. 2S9.-I Ebenda Bd. S4 Bl. SS und so II. 574.9 Samlg. Möllern Fürstenstein.0 Kammergcricht Berlin.