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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
Entstehung
Seite
107-108
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zwei Söhne können wir genauer verfolgen:Fridrich Leopold und Alexander.

Fridrich Leopold, 17. 4. 1731 bei derUniversität Frankfurts immatrikuliert, trat in dasNeumarkische Dragoner-Regiment Schulenburg, woer 18. 3. 1733 Fähnrich wurde. Aus den obengeschilderten Gründen viel zu früh, aber nur demNamen nachRittergutsbesitzer" geworden, warsein Augenmaß für die Geldverhältnisse völligunentwickelt geblieben. Es dauerte damals Jahre,ehe aus dem Junker ein Fähnrich, und noch viellänger, bis aus diesem ein Leutnant wurde mitzunehmenden Jahren ein immer grelleres Miß-verhältnis zwischen natürlichen Lebensansprüchenund dem schmalen Einkommen gab es dochverheiratete Fähnriche! Fridrich Leopold warnoch Fähnrich, als er am 10. 2. 1733 Schuldenhalber^)dimittirt" wurde, ohne daß diese Ent-lassung als Makel galt, denn wir finden ihn balddarauf als Leutnant im Infanterie-RegimentSchulenburg^) wieder. Bis 1754 ist er dort inden Listen geführt. 27. 11. 1743 heiratete er dieSchwester des berühmten Reiter-Generals Seydlitz,Floriane Tugendrcich. Dann überließ ihm derVater das Gut Kap, wo ihm 3 Kinder geborenwurden: Fridrike Luise am 30. 3.1744, CarlFridrich 22. 5. 174S, der Janr. 60 als Fahnen-junker bei den Lossows5.)-Husaren in Goldapp ein-trat, dort 27.1.1762 Cornet, 14. 7. 1773 Stabs-Rittmeister und im sogenannten Kartoffelkriege11. 9. 1778 im Gefecht auf dem Forstberge inBöhmen von Kroaten niedergestochen wurde; endlichAmalie Charlotte Tugcndreich 26. 2. 17524).Nachdem der Vater 1750 gestorben war, dauertedie Auseinandersetzung zwischen den Geschwisternso lange, daß Fridrich Leopold erst 1753förmlicher Besitzer von Kay wurde, während seinStiefbruder Alexander Oblat erhielt. DessenVernichtung durch eine mitleidslos unerbittlicheStrafe für kopflose Torheit riß auch FridrichLeopold und die ganze Familie ins Verderben.

lind was war das Verbrechen Alexanders?

15 Jahr alt war er 1740 ins Berliner Kadetten-korpZb) gekommen, 2 Jahr später ins RegimentEinsiedel (I. Garde) in Potsdam eingestellt, am6. 12. 1745 Fähnrich im Bat. Garde Nr. 6geworden und das war er noch 1749. Zulagevom Vater hatte er wohl kaum, dagegen sind seineSchuldelch) uns genau bekannt. Sie bestehen nuraus sogenannten Läpperschulden, 2 Thlr. beimHandschuhmacher, etwa 20 Thlr. beim Backer,

16 beim Fleischer, bei Kameraden 10, 15 und 20,vielleicht sogar 60 Thlr. usw., alles in allem731 Thlr. 22 Gr., aber nach Abzug von 223 Thlr.4 Gr. Guthaben beim Regiment nur 558 Thlr.15 Gr.! Kann ihn das von Sinnen gebrachthaben? da er doch sah, wie sein Schulden halberentlassener Bruder in einem andern RegimentWeiler kam? In unheilvoller Verwirrung floh er,

9 Fricdld. Univ. Matrikeln."> Regimcntsgcschichte.2> Gey. KriegS-Kzl. Berlin.0 Kirchbuch Züllichan, Kay usw.Gel). Kriegs:Kzl. Berlin.St. A. Berlin N. 22, sis.

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trat heimlich aus" und flüchtete zu seinem OnkelKupperwolff auf Pissek in Böhmen. Vergeblichredete der ihm zu, sich schleunigst wieder in Pots-dam auf Gnade zu stellen. 13. 10. 1749 wirdEinziehung^) seines gesamten Ver-mögens, Versteigerung der Güter usw.angeordnet. Unter Mitwirkung des Amtes Krossenwird das Inventar seines Vermögens aufgestelltund ergibt:

An außenstehenden Forderungen einschließlichder ihm unlängst zugefallenen brüderlichen Erbschaft5885 Thlr. 22 Gr. 4 Ps.

Kapitalforderung an seinen Bruder als Anteils-Mitbesitzer von Kay 4776 Thlr. 24 Gr. 2 Pf.,

beim Großvater Adam Sigmund Kupperwolffauf Zabelwitz in Schlesien 708 Thlr. 23 Gr. 3 Pf.,

bei Rothkirch-Wicrsebene 60 Thlr. Ferner ausdem Nachlaß des kürzlich gestorbenen BrudersCarl Sigmund zusammen 1305 Thlr., von dervor 12 Jahr ohne Kinder st Tante, Witwe desHauptmanns M arwitz - Gleißen rund 350 Thlr.Zum Schluß heißt es:auch von seines Vatersund seines Bruders Kleidern wird er noch einigesgewinnen!" Das ergab also für Alexander einGesamtvermögen von 13035 Thlr. 20 Gr. 3 Pf.und die Kleider!!!

Nach heutigen Begriffen von menschlicherGerechtigkeit würde man annehmen, daß die Anteils-rechte bei den Verwandten überhauvt keine ein-ziehbaren Werte, weil noch nicht fällig und nurideelle Acguivalcnte für zukünftige Rechte seinkonnten. Aber ohne Gnade hieß es: zahlen! Alsder bei Glogau angeseßne Großvater Kupperwolffum Ausschub bittet zahlen! bei Rothkirchzahlen! Beinah wie Gier auf den fetten Fangerscheint die Hast, mit der die Behörden die Bei-treibung auch des letzten Pfennigs erledigen. Füreine Jugend-Ucbereilung Alexanders werdenganze Familien zu Grunde gerichtet!!!")

0 St. A. Berlin R. 22, S4S.

*1 ImBerliner Lokal-Anzeiger" Nr. 427 vom 7.10. 05findet sich folgende Charakteristik:

Baurat L. in W!. Gewiß haben Sic recht, daß trotzder vielen schönen Züge, in denen sich Friedrichs II. Ge-rechtigkeit offenbart, der große König auch zuweilen ungerechtsein konnte. Ein Beweis dafür ist auch sein Verhaltengegen den General von Vasold. Bei einem Manöver hattedie Kavallerie über einen Graben zu setzen. Die Kürassierekonnten ihn aber schwerer als die leichten Husaren nehmen.Das hatte der König bemerkt, und wie ein Blitz war erzur Stelle. Das Unglück wollte, daß ein Regiment zugegenwar, daß im Siebenjährigen Kriege bei den, FinkschenKorps stand und bei Maxen gefangen war. Seit dieserZeit war der König diesem Ncgimentc gram. Generalvon Vasold hatte damals das Regiment geführt, und derkönigliche Zorn ergoß sich nun über das Haupt des altenMannes, der sich sonst im Siebenjährigen Kriege einenehrenvollen Namen gemacht. Nun war es Brauch, daß auiersten Tage der größeren Manöver sämtliche Generäle andes Königs Tafel speisten. Eine besondere Einladungerhielten sie nicht dazu. Der tief gekränkte General hattezwar nicht den geringsten Appetit und hätte die Tafel gerngemieden, glaubte aber, sich ihr nicht entziehen zu dürfen.Deshalb ging er hin. Alle hatten bereits Platz genommen,als der König den Blick erhob und Vasold unter denGästen bemerkte. Sosort rief er ihm zornig zu:Herr,was will Er hier? Für ihn ist kein Platz an meinemTische!" Das war etwas viel; der alte General und dieübrigen waren im ersten Momente starr. Vasold hattekaum die Kraft, sich von seinem Sitz zu erheben: er wanktezum Saale hinaus. Nach diesem Vorfall blieb ihm nurübrig, den König um seine Entlassung zu bitten, die ihm

Die Neumärkcr Nurugher.