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Bruder Christof Georg vor Jahren i) bei derMutter des damaligen Ncgierungs - Sekretärsspäteren Kriegs- und Domänenrat Marcus Rhodezu Minden gemacht hatte.
Am meisten Unheil brachte ihm die stille gefähr-liche Feindschaft eines Mannes, den er vielleichtbei der Erbteilung nach dem Tode der Witwe desObersten Alexander durch unterschätzende Nicht-achtung in seiner Eitelkeit verletzt hatte. Die Sacheist so lehrreich, daß wir dabei etwas länger ver-weilen müssen. Nach dem Tode der Brüder hatteCarl für Übernahme der Güter jeder Schwester1060 Thlr. herauszuzahlen2) und dazu den Besitzüberlastet, indem er vom Berliner Leihhause „delonskttstutls" 6 000 Thlr. aufnahm. Als AlexandersWitwe gestorben war, sollte Carl den AnteilRadcwisch übernehmen, Schmölln dem Sohn derSchwester Ursula Katharina, LeutnantSchenkendorf für 23000 Thlr. angerechnet werden,jeder Gutserbe aber den Schwester-Erben gewisseBeträge herauszahlen. Die an den Oberst Leltowverheiratet gewesene Barbara Johanne hatteaus zweiter Ehe mit einem Löben eine Tochter,die den mütterlichen Anteil von 3883 Thlr. zufordern halte. Sie war Gattin des fürstlichenWiirtlembergisch Öls-Bernstädt'schen HofmarschallChristian Ulrich Koschcmbahr geworden, deshalbnahm dieser an der Verhandlung Teil und hatteGelegenheit, in alle innersten Einzelheiten derFamilie einzudringen. Daraus erwuchs ein ver-hängnisvoller Gegensatz zwischen ihm und Carl.Die Frau Oberst hatte dem jungen Schenkendorfin Anrechnung auf Schmölln 10006 Thlr. vermacht.Dagegen protestierte zwar der Oberst Marwitz alsMann der Scharr-Lotte, aber man einigte sich.Da trat Koschembahr mit der Forderung aus, dieLehngüter neu zu teilen, aber ohne Berück-sichtigung der Schulden"), da diese persönlicherNatur und von Carl allein zu tragen seien. Eswürde zu weit führen, die schlauen Machinationenund Scheingründe hier vorzuführen, mit denen eres tatsächlich dahin zu bringen wußte, daß alleMiterbcn gegen Carl Partei nahmen. Dem warCarl nicht gewachsen. Er versuchte, die GüterRadewisch und Oblat rasch seinem Sohne CarlAdolf, damals Fähnrich im Regiment Schulenburgabzutreten. Drei Jahr dauerte der Streit schon,als der nun Leutnant gewordene Carl Adolfinfolge dcrAdvokatenkniffc exmittiertuud Koschembahrtu den Besitz eingewiesen wurde. Das steigerteseine Kühnheit, er zielte nun auch auf Schmöllnund sogar auf Kah, Carls letzten Sitz und Unterhalt.Er vermochte die Gersdorff'tchcn Erben, deren Vater1717 den Rest von Kay an Carls Vater verkaufthatte, Restforderungen gegen Carl geltend zu machen;er rührte eine alte Geschichte auf, daß der Kreis-einnehmer von Züllichau unter Landrat ChristofKassenminus hinterlassen habe, wosür als HaupterbeCarl aufzukommen habeÜ usw. Wirklich mußteCarl weichen, denn auch die Berliner Leihkassewurde zur Kündigung der Hypothek veranlaßt.
y St. A. Berlin Akt Koschembahr.
- Ebenda Akt Koschembahr.y Prozeßakten Koschcmbahr, St. A. Berlin R. 22 Zt8 l>.0 Ebenda 24S.
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Carl wurde nahezu am Bettelstab ausgetriebenund Koschembahr war am Ziele-. Herr auf Schmölln,Oblat, Nadewisch und Kay. Er hatte so gute„Connectiouen", daß sogar der Regiments-Kom-mandcur des Carl Adolf vergeblich bei Majestätgegeni) so schreienden Raub vorstellig wurde. Aberdas Verhängnis nahte doch endlich! Der inzwischen.Königlich Preußische Geheimrat gewordene TodfeindCarls hatte den Bogen zu straff gespannt, auchnicht bedacht, daß man zur Bewirtschaftung vonGütern doch Geld, mindestens aber Kredit habenmuß. Beides fehlte ihm aber. Sein eigenerBruder, Besitzers von Postelwitz in Schlesien, ging1740 mit harter Beschuldigung und Klage gegenihn vor, im März 1740 klagt der altmärkischeLand- und Obergerichtsrat Lattorf namens seinerf Frau, geb. v. d. Marwitz 2000 Thlr. von ihmein"), sodaß ihm Nadewisch abgenommen und ver-steigert wird.
Carl war zuerst nach Züllichau, dann nachBerlin gezogen, um die Prozesse zu führen, die seinletztes zu verschlingen drohten. 22. 6. 1739 schrieb^)eran den König und schilderte genau, wie er vondem Geh. Rat K. .,auf eine sast nicht erhörte Weisewider Wissen und Gewissen um seine väterlichenGüter und mehr denn 20090 Thlr. gebracht" fei.Das allein hätte kaum geholfen, aber es wehteoben nicht mehr der früher für K. so günstigeWind. Als einige Generationen früher Hans Ü.im Streit mit seinem Vetter Valentin gegen eineEntscheidung Appell einlegte"), hatte der Kurfürstin der „guten alten Zeit" besohlen, keinen Appellzuzulassen. Diesmal erließ der König den Befehl,Koschembahrs Appell zu") verwerfen. Carl wirdnun wenigstens in Oblat wieder eingesetzt. Stattdes anscheinend verstorbenen Carl Adolf tritt dernächste Sohn Fridrich Leopold mit einerLehnsklage um Kay gegen K. auf. Die ganzeEpisode muß s. Zt. ein allgemeines Interesse erregthaben. Der Amtshanptmanu Winning in Küstrintritt nun auf Fridrich Leopolds Seite und belangt,den Spieß umdrehend, 3.10. 1740 K. auf Heraus-gabe der Güter?), aber ohne die von ihmdarauf gemachten Schulden! So wurden dieRechtsverhältnisse einigermaßen wieder hergestellt,aber Nadewisch und Schmölln waren und bliebendahin und zu den früheren Schulden waren diejahrelangen Prozeßkostcn hinzugekommen. Dervom Landrat Christof so krastvoll genommene An-lauf, der Familie eine breite feste Besitzzrundlagezu geben, war spurlos verronnen, die große Nach-kommenschast Carls so gut wie verarmt. Carlstarb 1750, also 68 Jahr alt.
Die Schicksale seiner Söhne sind noch großen-teils ungeklärt. Wahrscheinlich sind einige unterdenen, die in militärischen Listen ohne Vornamenaufgeführt und daher schwer festzustellen sind. Nur
i) Prozeßakten Koschembahr, St. A. Berlin N. 22 B I.
S48 ff.
-1 Prozeßakten Koschcmbahr.
Ebenda.
0 Ebenda.
°> Lehnsakt. Kammcrgcr. Berlin.
°) St. A. Berlin R. 22. S48 ».y Prozeßakten.
Die Neumärker Unrugher.