Die Halle-Torgauer Unruhs.
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Professor, bald auch Hofgerichtsassessor, 1613 und1621 wurde er Rektor — die Grabschrist sagt:3mal —und noch öfter Dekan. Zahlreich sind dieStammbücher damaliger Studenten, denen ermeistens eintrugt „Ssmxsr cksus Irre dos vnlirsrat,Huos a<1 xsrpstuanr salutsrir prasxarat.ülrasinus Vnrnd. II. ch. v. ?rok. IVittsirdörZ."So starke Geisteskräfte er entfaltete, scheint er dochkörperlich zart geblieben zu sein. Die Ehe bliebkinderlos. Auf einer Reise nach Berlin erkrankteer schwer, ein halb Jahr später auch in Dresden.Im Frühjahr 1628 gedachte er sich in Torgau,seiner Heimat, vielleicht bei Verwandten zu erholen,aber am 8. März lähmte ihn ein Schlaganfall undam 10. 3. 1628 starb er, noch nicht 52 Jahr alt,in den Armen seiner zu Hilfe gecilten Gattin.Die allgemeine Verehrung zeigte sich bei seinerÜberführung nach Wittenberg. Erbmarschall HansLöser, dem er ein väterlicher Freund gewesen, ließden Trauerzug in allen seinen Dörfern mit Glocken-geläut empfangen, auf seinem Schlosse Pretzschan der Elbe blieb der Sarg über Nacht aufgebahrt,dann brachte der folgende Tag den Toten heimnach Wittenberg, wo er mit großer Feierlichkeit inder Schloßkirche beigesetzt wurde. Sein Andenkenlebt noch heute durch die von seiner Witwe fürdie Universität — jetzt Halle — errichtete Unruh-Stiftung fort, die ihre Stipendien nicht nur fürdie Studienzeit, sondern bis zur Erlangung einergesicherten Stellung gewährt. Das Gut Rabensteingehörte damals in sächsischer Zeit zum WittenbergerKreise, es bildet heute einen Teil der Watzdors'schenoder Brandt'schen Besitzungen im Kreise Zauch-Belzig. Der Kirche „zum Raaben" hat Erasmusein schönes Portal gegeben. Cäcilieü j 17. 4. 1666.
Von den andern Kindein des 1591 zu Hallegestorbenen Stadtrichters Johann von Torgauscheint Georg der älteste gewesen zu sein. Leidersteht sein Geburtsjahr nicht fest. Da er aber um1555 nach Schlesien — vielleicht infolge von vetter-licher Beziehungen mit dortigen U's — ging und' in Liegnitz Syndikus wurde, wird er um 1525geboren sein. Ein Jahr jünger war dannAntons zweiter Sohn Jacob, der als Leibmedikusder beiden Hohenzollern'schen Markgrasen undErzbischöse von Magdeburg, Sigismund undJoachim Friedrich eine große Rolle spielte und sichmit mehreren Thal- und Pfanncngütern (Grund-stücken mit dem Salzsiedeprivilegium) zu Halle undGiebichenstein belehnen ließ. Das geschah ganzin den Formen wie jede andere Belehnnng mitGrundbesitz und Landgütern, das Lehn mußte beijedem Herischcrwechsel gegen Gebühr „gewahrt"und „Lehnssolge gethan" werden. Zweifelloswaren diese Pfannenlehen, mit denen ja auch nichtunerheblicher Grundbesitz verbunden war, mindestensebenso wertvoll, ja ertragreicher als manches sog.Rittergut, wenn auch unser» heutigen, immer ein-seiliger werdenden Begriffen die Benennung desBelehnten als „Pfänner" etwas fremd gewordenist. Die „zur gesammten Hand" Mitbelehnten undverwandte Lehnsanwärter hießen Beipfänner. Alledie U's, die Pfänner wurden, hatten vorher studiert,
y Leichenpred. v. Calovius, Btbl. Fürstenstein.
einige waren Offiziere, es ergibt sich also einVerhältnis, wie heutzutage bei dem Besitzer einer(chemischen) Fabrik oder ähnlicher gewerblicherAnlage, über deren Besitz und Betrieb die Nasezu rümpfen, die Engländer mit Recht als ein Zeichenlächerlicher Beschränktheit betrachten. Wenn es demvornehmen Manne wohlansteht, Geld zu besitzen,so muß es ihm auch ziemen, solches wohlanständigzu erwerben. Damals und noch später waren vielehochadelige und darauf mehr als die U's stolzenFamilien gute Pfänner und ihre Wappen warenin Halle noch bis vor wenig Jahren an den altenPsäunerhäusern zu sehen.
Unser vr. irrsü. Jakob stieg auch zum „Ober-bornmeister" auf. Er heiratete 15S5 die TochterBarbara des Dr. pUil. Michael Noveniani,von der ihm, so scheint es nach den spätercn DatenDreyhaupts, eine Tochter Anna, die 1690 denPfarrer Philipp Goßmann zu Halle heiratete,und zwei Söhne Georg und Philipp geborenwurden. Dann starb Barbara und Jakob hei-ratete 1567 die Patriziertochter Agnes U n tz c r.Als diese am 7. 9. 1535 starb, überlebte Jacobsie nur um 6 Tage, er starb also noch nicht 50Jahre alt. Der zweiten Ehe waren ein SohnJacob und in einem Jahre zwei Töchter Agnesund Elisabeth entsprossen. Agnes geb. 20.I. 1583 heiratete 1606 Johann Ludwig Trau-ter buhl und als dieser bald starb, 160S Mi-chael Kr au dt; aber 1611 starb sie selbst.
Elisabeth geb. 6. 12. 1583 wurde mit20 Jahren Galtin des Salzgrafen Caspcr vonNvrthausen. Die drei Söhne Georg,Philipp und Jacob teilten sich in die Pfannen-lehen des Vaters und erwarben neue hinzu.Philipp aber starb schon am 18. 4. 1618 inder Brüdergasse zu Halle. —
Dreyhanpt stellt es nun so dar, als sei einAltersgenosse dieser drei, Namens Michael derSohn des noch nicht erwähnten Bruders desLeibmedikus, Johann mit Namen; nach denMagdeburger Lehnsregistern, hatte der Leibmedikusaber 5 Söhne: Philipp, Andreas, George,Michael und Jacob, deren verordnete Vormünderl)r. Bvttichcr und Wilhelm Untzer den Lehen „ge-bührliche Folge getan." Von Andreas ge-schieht aber sonst nirgends mehr Erwähnung, erist also entweder bald gestorben oder abgefundenund sortgezogen. Einer von den vielen, derenVerbleib nicht mehr aufzuklären sein wird, bisder Zufall irgend eine neue Spur eröffnet. Jacobwird als Student in Wittenberg 1633 erwähnt.
Der 18. 4. 1618 f Philipp hatte 1599 die-rochier Magdaleile des Sladtkämmercrs Bert-hold oder Bartholom. Goß mann geheiratet,dessen andere Tochter Maria 1612 den andernBruder, ihren Schwager Jacob U. nahm, wäh-rend Magdnlenes Bruder, der Pfarrer Phil. Gvß-mnnn ihre Schwägerin A n n a U. zur Frau hatte.Philipps drei Kinder Jacob gb. 1600. AnnaMartha gb. 1602 und Agnes gb. 1604 habennur die eine Spur hinterlassen, daß diese Agnes1641 nnvermählt starb und nach dem Kirchbnch„ein Kind" 15. 5. 1620 begraben tvard. DiesesHaus scheint von einer der damals ost auftretenden