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Die Unrugher : Versuch eines Anfanges zur Stoffsammlung für die Unruh'sche Familiengeschichte
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Ursprung und Verbreitung, Namen und Wappen der Unrugher.

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grassieren, sogar in Stein gehauen auf Grab-schriften und gemaltauf Denkschildern, Tafeln usw. meistens Blech.

Alle die Formen, die in der obigen sprachlichenAnführung durch gesperrten Druck hervorgehobensind, kommen in den mittelalterlichen Schreib-weisen des U.-Namens vor. Darin zeigt sichsowohl der abschleifende Einfluß von Dialekten,als die Unsicherheit der Deutung. So nimmt derName allerlei erdenkliche, in solcher Menge kaumgeahnte Schreibweisen an. Zwischen rnv, nves,norvs und urv taucht der alte Endkehllaut, wennauch vorwiegend in der weicheren Form rugswieder auf. Dabei entspricht der g-Laut nichtunserm heutigen Anfangslaut g wie in gehen,grade, geben usw., sondern dem, wie Grimmsagt, spirantischen, also dem g am Ende vonKrug, genug und gibt so denselben Laut wieder,den das K am Schlüsse kehllautend gesprochen,wie bei Schweizern und Slawen darstellt. Soentspricht der Klang wieder dein, der in derSt. Gallener Urkunde von 778 den Schluß desNamens IIirroK bildet, also NnrcxM. Guidowird in derselben Urkunde Huito geschrieben.Noch bis in die Neuzeit hinein findet man Hohbergfür Hochberg, Parh für Park geschrieben. DieHochmeister des deutschen Vrdens sind Homeisterund Hoemeister geschrieben. Stcinbah ist Stein-bach zu sprechen, aber die rauhen Pelzwaren nennenwir noch heute Rauchwaren. Schlich statt Schuhkommt noch immer als Dialekt vor. Das czechischeAlphabet kennt vollends kein Zz sondern sprichtund schreibt dafür das kehllautcnde h. DerBuchstabe ch siebt in czechischen alphab. Registernstets unter h, nicht bei c. Daher bedeuten dieverschiedensten Schreibformen des Namens dochimmer wieder den alten Klang mit dem Kehllautam Ende, der in den märkischenH Lehnbriefen5-59? usw. dann mit gh Unrugh und in derMehrzahl: die Unrughen, Wnrugber aus-gedrückt wird. Noch bis ans Ende des. Jahr-hunderts bricht die alte Schreibweise immer wiederdurch und Unruch wechselt mit Unrug undUn ru h. Die Taufeintragungen zu Freiburg i. B.der Kinder des Gcneral-Feldwachtmeisters Freih.Hans Wilhelm U. lauten aber noch 5709^55Unruoh, d. i. Unruoch. In dem ProzeßKoschembahr^) wider U.Kay und Gblat bist?qo heißt dieser fast immer Unruch. Den ausLyckaminBstprenßengesessnenGberstwachtmeisterLarl Bernhard U. nennt die KönigsbergerRegierung^) in einem Schreiben vom 56. 5. 579-5Unruch, daneben gleichzeitig Unruh und auchwieder Unruhe. Als in Schlesien die Schreib-weise Unruh sich eingebürgert hatte, nahmder Stifter des Birnbaumer Stammesin die Kaufurknnde 5597 diese Forin hinüber,die alsbald verschwindet, um der den gesprochenenKlang des Namens besser wiedergebenden:Unrug" Platz zu machen. Sein nach Jahns-selde bei Landsberg a. ZV. hinübergezogenerSohn zeichnet aber Unruch und wird amtlich so

Riedel t?. äipl. Brandbg-

2) St. A- Berlin. Rp. 22. 343. 437. 348 a.

') A. KgSbg. 114 d. L.

geschrieben. Daß in Böhmen der Name mitKehllaut am Schlüsse gesprochen wurde, beweisendie dort zu findenden Schreibformen, meistensUnruhr, also nicht so hart, als wenn ein bloßesdas ch vertretende h den Schluß bildete, ebenso-wenig ein reines r, mithin durchschnittlich auchwieder der Klang, den wir am zutreffendstenin der Schreibweise der märkischen Lehnsbricfefinden: Unrugh, die Unrugher.

Da Slawen wie Romanen treffend daran fest-halten, Namen als Ligenschaftsworte zu be-handeln und zu beugen, finden wir im Polnischendie Formen: Nnrugovis, NnrnAovn, Bnru-2snl!g., Nnrn^yrm, im czechischen Nnrnlircova,Nrnmra, in beiden Fällen Z wie r nur als Zeicheneines abgeschwächten Kehllauts. Die heutigepolnische Schreibweise NnruZ ist also eigentlichdie einzig zutreffende und berechtigte und dieheute herrschend gewordene Form Unruh, obwohlder Name mit Unruhe durchaus nichts zu tunhat, nur ein Denkmal schulmeisternden Halb-wissens.

Da sich die fränkisch-böhmischen U's meistensUnruhr unterschreiben, ist angesichts der oft nurmit der Lupe zu unterscheidenden krausen kleinenBuchstaben, sogar manchem Fachmann der Irrtumuntergelaufen, Unruhe zu lesen. Ließ sich dochsogar einem gewiegten Fachmanne aus einer Ur-schrift nachweisen, daß der Name, den er in seinen,Druckwerke Hans Bernhard U. wiedergegeben,richtig Georg Bernhard zu lesen war. DieFormen der Buchstaben haben ja auch ihre Ent-wicklungsgeschichte und geben, namentlich ineiligen handschriftlichen Aufzeichnungen, häufigunlösbare Rätsel aus.

Aus der bunten Mannigfaltigkeit der Namens-formcn seien hier nur noch einige herausgegriffen,un, den Rechtschreibungsfanatikern zu beweisen,daß nicht wohl jede andere Schreibweise zurAnnahme einer andern Familie zwingt: Vnruali,Vnrurvs, Vurv, Vnrlrrv, Vrinrns, Nnrutir,NnruZv, Vnruzti, Vnsruli, ViMrus, Vnrlirv,Vnrovs, Vni'uo, die VniuiLir, Nrnrilrkn,Vnrnlisr usw. usw. Es dürfte wenig Namengeben, bei denen sich die Schreibenden so vielhätten denken können, aber so wenig gedachthaben. Das aber dürfte nun klar sein, daß derName weder Unruh noch Unruhe, sondern Unrugoder Unruch oder Unrugh lautet und richtig sozu schreiben sein würde. Nur der VollständigkeitHaider sei noch angeführt, daß Klecmann,Familiennamen von (Quedlinburg und Umgegend,einen 56Z8 in Neinstedt vorkommenden U.namenunter Berufung auf Dieffcnbachs Glossar sodeutelt:Betrüger" und daß Mauke, Familien-namen von Anclam, den Namen alsUmdcutungdes slavischen Vrtsnamens Unrow" erklärt. (!!!)

Mappen:

Ahnliche Mannigfaltigkeit herrscht nachgradeauch in der Zvappensührung. von keinerder bisher bekannt gewordenen 5-5 lvaxpen-formen von Varianten ganz abzusehen