Einleitung.
IX
wähnt. Diese unbehaglichen Fehdeaussichten bewirkten, daß zunächst diesen Dingengar nicht weiter nachgegangen, sondern zur Fortsetzung der Archivstudien noch Prag,Eger, Einbogen, Amberg, Nürnberg usw. aufgesucht wurde. Erst nach Rückkehrwandte ich mich an den dem Kgl. Hausarchiv vorstehenden Herrn Geh. R. ProfessorDr. Berner um Rat und Hilfe. Er teilte zunächst meine der zünftigen Lehre ent-sprechende Ansicht, daß die Identität des zur Karolinger Zeit auftretenden Namensmit dem heutigen Familiennamen nicht ohne zwingenden Beweis angenommenwerden können, „weil damals noch gar keine Familiennamen bestanden". Aber seinInteresse wuchs, als gewisse später zu erwähnende Einzelheiten bewiesen, daß hierdie gewohnten Lehrsätze nicht paßten, denn z. B. in den Gastlisten des KlostersSt. Gallen fand sich um 858 eingetragen: „Eberhart Nnroch" mit der „comitissaLyssia« (seine Gattin Gisela, Tochter Ludwig des Frommen) ebenso in denen desKlosters pfäfers um 360: „Heberardus Dux" zusammen mit „Thisela Nnrohc";außerdem noch eine ganze Reihe von Eintragungen (vgl. Abschn. II), die es demUnbefangnen außer Zweifel stellen, daß hier gar wichtige Abweichungen von sonstmaßgebenden Lehrsätzen sich bekunden. Dadurch veranlaßt, hat Herr Geh. R. Dr.Berner mich auf eine große Zahl von Quellen zum weiteren Studium hingewiesen,die mir sonst unbekannt geblieben wären. Durch ihn ermutigt und auf ihn gestützt,muß ich also die Mißlichkeit in den Kauf nehmen, Dinge zu behaupten, die nachdem genealogischen Todex nicht erlaubt sind. Ich lasse alles ruhig über mich er-gehen und tröste mich damit, daß, wer seinen Namen bis zurück ins vierzehnteJahrhundert verfolgen kann, hergebrachtermaßen der genealogische Feind dessen ist,der den seinen schon aus dem (Z. vorführt usf. Aber ich betone, daß nichts mirferner liegt, als meine im Lauf des Forschens gewonnene Ansicht irgend jemandaufzudrängen, vielmehr halte ich es einfach für Pflicht, die gemachten Funde derobjektiven wissenschaftlichen Erörterung zur Verfügung zu stellen.
An, allerwenigsten kann ich mir die neugeformten meines Erachtens willkürlichenKlassifitationsschablonen zu eigen machen, um daraus etwa einen Anspruch aufZurechnung der N's zun, hohen Adel herzuleiten. Andrerseits mag dies denenunbenommen bleiben, die dazu Grund und Neigung haben und noch die Beweiseherbeischaffen, daß durch vielhundertjährige Zugehörigkeit zum Dienstadel solcherAnspruch sich nicht von selbst erledigt hätte. Mir scheint auch, daß die U's allezeitkeinen höhern Ehrgeiz geltend gemacht haben, als den, mit ganzer Kraft den Postenauszufüllen, auf den das Leben sie gestellt. Von starkem geistigen Bedürfnis beseelthaben von frühesten Zeiten an viele von ihnen dem rein kriegerischen Beruf entsagtund sich dem wissenschaftlichen, auch geistlichen und Erwerbsleben gewidmet, damitfrei von Beschränktheit und Engherzigkeit beweisend, daß ihnen derselbe echt ger-manische Sinn eigen, der den englischen Adel wurzelfest, kraftvoll und gewichtiggemacht hat. Treffend sagt Willib. Leo Frhr. Lütgendorff-Leinburg H: „Der Städterdes Mittelalters hatte eine höhere Meinung von seinem Stande und führte seineKlinge so gut, wie der Ritter und Edelmann. Auch auf den Turnieren trat derBürger mit dem Ritter in die Schranken und brach seine Lanzen . . . wie z. B. (Hl6zu Augsburg . . . Sein Mappen unterschied sich oft in nichts von den, eines Adelingen,und gar mancher würde höhnisch darüber lachen, wenn er sähe, wie seine heutigenNachkommen blos deshalb keine Veranlassung zu haben glauben, auf ihr Geschlechtstolz zu sein, weil sie dem Namen, den ihre Väter mit so viel Selbstbewußtseintrugen, das nichtssagende Mörtchen „von" nicht vorsetzen können" . . . S. (5 f:„In den älteren ZAten wurde sehr darauf gesehen, daß der zu Adelnde wirklichadelige Tugenoen besaß und kein unadcliges Gewerbe ausübte . . . IVelche Gewerbeals adelig galten, läßt sich kurz nicht angeben, aber alle Arten Bergbau und Groß-
Familiengeschichte, Stammbaum, Abncuprobc. Frankfurt a. M. Rommel isyo. vorm. IV.