Einleitung.
VII
Ausfüllung klaffender Lücken gehört. Denn weder auf Vollständigkeit noch Unfehlbarkeitwill und kann diese Arbeit Anspruch inachen. Das können wohl Aufzeichnungenvon Familien geringeren Umfangs, die in eng begrenzter Gegend seßhaft gebliebensind und höchstens einige hundert Träger des Namens zählen, aber nicht die einesGeschlechts, dessen Glieder in die Tausende gehen und deren Spuren fast über ganzEuropa verstreut sind, wie es sich im Laufe der Forschung herausgestellt hat. DieGeschichte solcher Familien ist wie eine Mosaik aus viel hunderttausend Steinen undSteiuchen. Sind die erst über die Länder und Meere zerstreut, viele davon ganzvernichtet, dann heißt es nicht nur suchen und finden, sondern auch zusammensetzen.Nie wird dennoch das Bild lücken- und fehlerlos werden.
Hier zeugt die Unvollständigkeit von den Schwierigkeiten, die nicht ganz zuüberwinden waren. In Airchenbüchern werden noch jahrelang unvermutete Fundezu machen sein, in den großen Bibliotheken werden sich noch unzählbare Bücherfinden, worin ungeahnte wichtige Daten beiläufig eingestreut find. Briefliche Rück-fragen bei Namensvettern können noch manches klären, wenn — — sie nicht ganzoder teilweis unbeantwortet bleiben. Am meisten wird sich noch in Archiven ergeben,wenn die von ungeeigneten Forschern heraufbeschwornc Abneigung gegen Privat-genealogen erst überwunden sein wird. Man hat sie die „Pest der Archive" genannt,weil so viele durch belästigende Fragen das Sprichwort bewahrheiten, daß einervon ihnen mehr fragen kann, als zehn Archivräte zu beantworten vermögen. AeinWunder, daß der erste Empfang oft nach Mißtrauen und Mitleid schmeckt. Erstin Jahrzehnten und nach starker Vermehrung der beamteten Aräfte wird es an-nähernd feststehen, was die großen Archive in ihren Hunderttausenden von Akten-bündeln, packen, Fächern usw. zufällig auch von einzelnen Familien enthalten.Bisher ist es trotz bereitwilligster Leitung Tlücksache, ob dem Suchenden dort vieloder wenig entgeht; denn die Archive haben der sachlichen Geschichtsforschung, nichtder persönlichen zu dienen. Mit Erfolg und Sicherheit in Archiven zu forschen ver-mag auch nur, wer seine Geschichts- und Sprachkenntnisse noch nicht zu sehr einrostenließ, noch fähig ist, sich in Anschauungs- und Ausdrucksweise früherer Jahrhunderteeinzuleben und von neuem lesen zu lernen. Denn wer zum erstenmal eine Hand-schrift des sS. oder Jahrhunderts vor sich hat, wird kaum sagen können, inwelcher Sprache sie geschrieben ist. Von noch mancherlei andern unangenehmen Forschcr-erlebnissen garnicht zu reden, denn menschliche Fehlbarkeit läßt überall Spuren zurück.
Die schlimmsten Ersahrungen bringt das, was unwissenschaftlich von Liebhabernoder zu bestimmten außerwissenschaftlichen Zwecken gesammelt und zusammengestelltist, namentlich wenn eigne Vermutungen mit oder ohne Absicht ungekennzeichnetuntergelaufen sind. Das vorsichtigste Mißtrauen ist gegenüber solchen irreleitendenAngaben nötig. Nicht jeder alte Zettel darf, trotz des heute damit getriebnen Aultus,als „Quelle" gläubig hingenommen, sogar vieles von urkundlichen Angaben mußerst kritisch geprüft werden. Ich habe deshalb, soweit möglich, aus ungefärbtenQuellen und an Drt und Stelle geforscht, nehme auch willig den Vorwurf entgegen,an mancher zugänglichen Quelle scheinbar achtlos vorübergegangen zu sein. Dazuzwang mich entweder Nnbekanntschaft oder die Besorgnis, in die Netze unsachlicherZweckforschung zu geraten.
Das sind einige der Ursachen für die Lücken- und Mangelhaftigkeit meinerArbeit, die am schärfsten da hervortreten, wo es nachkommenden Forschern amleichtesten werden wird, das Fehlende zu bessern und nachzuholen, nämlich etwa vonder Mitte des s3. Jahrhunderts ab bis zur Gegenwart. Dabei darf es aber anMühe nicht fehlen, noch weniger an Vorsicht. Schrieb doch schon vor bald 200 Iahrender Genealoge Möllern in Arossen: „. . . Da sich ein merklicher Unterschied hervortut,daß ich davor halte, es sei garnicht accurat verfahren, wenn man die Ahnen ausder Airche holet, da etwan der Aüster oder soust Jemand die Wappen der Eltern