Druckschrift 
2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

14(5

Bingen und Bonn wohnend, equestris disciplinae arte praecellunt, wohlnicht nur vortreffliche Reiter waren, sondern sich auch in der Pferdezuchtauszeichneten wie die Treverer. Dazu gehört aber neben Acker- auchausgedehntes Weideland, und beides haben die Hänge des Westerwaldeszur Genüge. Noch heute steht in vielen Teilen des Westerwaldes diePferdezucht in Blüte wie im Hunsrück. Hie Chatten legten nach Tacitusweniger Gewicht auf die Reiterei, als auf das Fußvolk (omne robur inpedite), werden also der Pferdezucht mindere Aufmerksamkeit geschenkthaben, umso größere der übrigen Viehzucht, für die sich ihr Land beibeschränkterem Ackerbau vorzüglich eignete. Den besten Teil desselbenhatten allerdings die Mattiaker inne, die offenbar auch mehr dem Acker-bau huldigten. Die Sueben, bei Cäsar in übertriebener Weise noch alsHalbnomaden bezeichnet, hatten auf ihren jahrzehntelangen Wanderungenden Ackerbau, den sie in ihrer norddeutschen Heimat eifrig ausübten, fastverlernt und lagen hauptsächlich der Viehzucht und Jagd ob. Agriculturaenon Student; maiorque pars victus eorum lacte, caseo et carne consistit,sagt Cäsar (bell. gall. VI, 22), wo er auch ihre sippenweise betriebene,primitive Feldgraswirtschaft schildert. Sie waren gute Reiter, die freienSueben, wie auch die ganz romanisierten Suebi Nicretes.

Über die viel umstrittene Frage des Privateigentums gegen-über dem Gemeinschaftsbesitz der Geschlechter und Sippen(Cäsar, bell. gall. VI, 22: neque quisquam agri modum certum aut fineshabet proprios, sed magistratus ac principes in annos singulos gentibuscognationibusque hominum . . . attribuunt, und Tacitus, Germania 26: agripro numero cultorum ab universis in vice occupantur, quos mox inter sesecundum dignationem partiuntur) geben die Ausgrabungen leider nurwenige Anhaltspunkte. Doch stimme ich darin A. Dopschs Ausführungenzu, daß schon in römischer Zeit neben'dem Gesamteigentum der Sippedas Privateigentum am Marklande eine größere Rolle spielte, als ge-wöhnlich angenommen wird. Dies bestätigen auch die zahlreichen ger-manischen Einzelsiedelungen dieser Zeit, die den späteren Bifängen ent-sprechen. Das Privateigentum ist offenbar dadurch aufgekommen, daßmanche fleißige und umsichtige Siedler das bisherige Öd- oder Waldlandzu Ackerland umwandelten, wie bei den Bifängen des Mittelalters.

Von den größeren Dorfschafte n der Sugambrer, Tenkterer usw./ in der Ebene ist noch keine einzige mit dem Spaten untersucht. Diekleineren, zerstreuten Siedelungen im Hügelland und Gebirge, wie dieauf dem Fliegenberg bei Troisdorf, dürften sich kaum viel von denen derMattiaker an der Lahn unterschieden haben. Auch diese liegen auf denunteren Flußterrassen, wo den Siedlern zwar ausgedehntes Wiesen- undWeideland, aber nur knappes Ackerfeld zur Verfügung stand. Die Totenfanden die letzte Ruhestätte auf der nächsten Anhöhe, die, meist öde, steinigoder sandig, den raren Ackerboden nicht noch mehr beschränkte, wieganz ähnliches in der germanischen Spät-La-Tene-Zeit dieser Gegend zu