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Bevölkerung und war zu kurze Zeit Rom untertan, als daß es eine nach-haltigere Rornanisierung hätte durchmachen können.
Sitte, Sprache, Religion und Kunst verraten uns also, daß es die römi-sche Herrschaft zwar verstand, einen allgemeinen glänzenden Firnis überdas alte Kultur- und Völkergemenge der Rheinlande zu breiten, daß siees aber nicht fertig brachte, Gallier, Germanen und Römer zu einem ein-heitlichen Volk zu verschmelzen. Gallier- und Römertum gingen zwarmehr ineinander über, aber das Germanentum blieb innerlich ziemlichunberührt, da es seine Hauptstärke auf dem Lande hatte. So erklärt essich auch, warum nach der Landnahme der Alamannen und Franken, ab-gesehen von den Städten, in den fruchtbareren Teilen des Elsaß, der Pfalzund erst recht am Niederrhein so geringe romanische Überreste zurück-blieben und weitaus die meisten Dörfer germanische ingen- und liehn-Namen erhielten.
9. Kapitel
Kontinuität der Besiedelung und Kultur 1 ’)
1. Das Wort Kontinuität der Besiedelung hat für die römi-sche Zeit nicht mehr dieselbe hervorragende Bedeutung wie für die vor-römische Periode. Jetzt waren innerhalb des von den Römern besetztenGebietes in erster Linie die militärischen Interessen maßgebend, vongroßen Gesichtspunkten geleitet, und aus ihnen heraus entstanden all dieneuen Stadt- und Dorfanlagen. Aber auch diese Neugründungen warenauf gesunde und fruchtbare Lage mit günstigen Wasserverhältnissen undVerkehrsmöglichkeiten angewiesen und trafen so von selbst meist mit denvorausgehenden Siedelungen zusammen, deren Kulturarbeit sie sich zu-nutze machten. Mehr Herauswachsen aus früheren Verhältnissen ist beider ländlichen Besiedelung, wenigstens auf linksrheinischem Boden, zuverspüren, wo die gallischen und germanischen Stämme ihre Scholle nurgezwungen verließen, während östlich des Rheins, abgesehen vom Terri-torium der Suebi Nicretes und der Mattiaci (zum Teil vielleicht auch derTaunenses), durch den Abzug der Helvetier vor den Germanen („Wüsteder Helvetier“) und der Germanen vor den Römern eine große Unter-brechung der Besiedelung entstand, die auch durch die römischen Einzel-höfe nicht völlig ausgeglichen wurde.