Druckschrift 
2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

145

Nauheim, an der Werra und an der fränkischen Saale, dürften mit derZeit wohl weitere germanische Siedelungsspuren zum Vorschein kommen.

Waren öde Grenzstreifen den Germanen demnach von alters herwillkommen, so konnten sie den Römern nur recht sein als leicht zuüberwachende Glacis des Limes. Hie Römer werden also die Freihaltungdieses Vorgeländes, in dem sich so gut wie keine germanischen Fundefeststellen lassen, bedungen und kontrolliert und nur enger verbündetengermanischen Stämmen (socii) wie den Mattiakern, Neckarsueben undHermunduren Ausnahmen gestattet haben, ln dieser Weise ist wohldie dichtere germanische Besiedelung in der Emser und Gießener Gegendbis nahe an den Limes heran zu erklären als Teil des Gebietes der ver-bündeten Mattiaker. Auch am Niederrhein haben ja namentlich im

I. Jahrh. die Römer den rechtsrheinischen Uferstreifen ziemlich von Ger-manen freigehalten und dem Gebrauch ihrer Soldaten reserviert (Tacitusann. 13, 54: Frisii . . agrosque vacuos et militum usui sepositos insedere).Wenn im II. Jahrh. bei Opladen so nahe dem Rhein und der coloniaAgrippinensium eine große germanische Oorfschaft sich entwickelnkonnte, so geschah es nur mit Erlaubnis der Römer, offenbar, weil dergermanische Stamm ein Bundesverhältnis mit den Römern eingegangenhatte. Wir können dabei auf unsere obigen Ausführungen S. 85 ver-weisen, wonach die Usipeter, Tubanten usw. und andere germanischeStämme nördlich des Limes als zur römischen Herrschaft gehörigbetrachtet wurden. Die Bodenfunde bestätigen also die Notiz des Vero-neser Provinzialverzeichnisses. Auch der numerus (exploratorumGermanicorum) D i v i t i e n s i u m , benannt nach dem Kölner Brücken-kopf Deutz, wird sich aus Germanen aus der Siedelung von Opladen undbenachbarten rekrutiert haben (vgl. die Inschriften, Riese, S. 263, Nr. 2367).

Hie Art der germanischen Besiedelung ist natürlich nachStämmen und Gegenden verschieden, wenn sie auch genug gemeinsameZüge zeigt. Die Sugambrer, Usipeter usw. am unteren Siegtal und inder Rheinebene gegen Köln wohnten in der fruchtbaren Ebene in größerenDörfern als die Mattiaker in dem engeren Lahntal, doch hatte auch dieGießener Siedelung einen recht stattlichen Umfang. Von den Bruktererndes IV. Jahrh. bezeugt Sulpicius Alexander bei Greg. Tur. II, 9 (Schmidt

II, 4, S. 586) große Dörfer (ingentes vici) und Einzelhöfe (casae). Außerdemwerden sich die Ebenenbewohner mehr mit Ackerbau, die in den Tälernmehr mit Viehzucht beschäftigt haben, wie es die Bodengestaltung mitsich bringt. Von den südlichen Nachbarn der Sugambrer, den Ubiern wieden Tenkterern und Usipetern ist durch Plinius und Cäsar die Pflegedes Ackerbaues besonders hervorgehoben, an dem sie durch die Suebenverhindert wurden (agricultura prohibebantur), und zahlreiche Spurendesselben lassen sich selbst in der rauhen Gegend von Haiger im Wester-wald beobachten. Von den Usipetern und Tenkterern sagt außerdemTacitus (Germania c. 32), daß sie, an der engen Rheinstrecke zwischen