2. Kapitel
Periode friedlicher Kolonisation
(lOO bis 260 n. Chr.)
Während in anderen Teilen der Welt, wie an der Donau und in Eng-land, Rom in dieser Periode schwere Kriege zu bestehen hatte, herrschtein den Rheinlanden vollständiger Frieden, wenn auch gegen Schluß der-selben die Gennaneneinfälle von Norden und Osten begannen. Sie solltenspäterhin nach vorübergehenden Einzelerfolgen der Römer um das Jahr260 zum Verlust des Limes und fast des ganzen rechtsrheinischen Ge-bietes führen, das in diesem 1 1 / 2 Jahrhundert eine hohe Blüte erreichthatte, wie vorher nicht in Jahrtausenden. Wenn jetzt auch die bürger-lichen Verwaltungsstellen mehr in Vordergrund traten, bewegte sich dieganze Entwicklung doch stark im militärischen Rahmen, was in einemGrenzland natürlich ist. Sie hing in letzter Linie von dem Wollen undKönnen der betreffenden Kaiser ab, deren Stellung zu unserem Grenz-gebiet wir kurz ins Auge fassen müssen.
Kaiser Trajan (98—117), der letzte große Vertreter altrömischenWesens, der seit etwa 84 in Ober- und Untergermanien als Legat undStatthalter weilte und in Köln die Nachricht von seiner Thronfolgerschafterhielt, hat sowohl durch energische militärische Maßregeln wie durchOrganisation der Stadtgemeinden längs des Rheins die Grundlagen bür-gerlichen Gedeihens geschaffen. Sein Neffe und Nachfolger 14 a d r i a n(117—138), der im Jahre 121—122 die Rheinlande bereiste, huldigte mehrdem griechischen Weltwesen, wie es A. v. Domaszewski so treffend inseiner Geschichte der römischen Kaiserzeit geschildert hat, und erstrebteauf seinen weiten Reisen die Vereinheitlichung des ausgedehnten Reiches.Er schloß dessen Grenzen allenthalben durch Verpalisadierung hermetischab (Spartian in der Lebensbeschreibung des Kaisers: in plurimis locis, inquibus barbari non fluminibus, sed limitibus dividuntur, stipitibus magnisin modum muralis saepis funditus iactis atque conexis barbaros separavit),wie sie die deutsche Limesforschung auf der ganzen Linie nachgewieseuhat. Dann ließ er die zurückliegenden Kohortenkastelle bis unmittelbaran den Limes heranschieben, wo bisher nur kleinere Vorpostenkastelleaus Erde der Überwachung gedient hatten. Dadurch wurde im Hinter-land die Bahn für eine raschere Entfaltung des bürgerlichen Lebens frei.Außerdem schuf er für die vermehrten kleineren Limeskastelle besondereleichtbewegliche Truppenteile, die numeri, die häufig nach der Gegendihren Namen führten, wie auch die späteren Späherabteilungen (explora-