II. Teil
Zusammenfassende Darstellung
5. Kapitel
A. Landschaftsbild und Siedelungsweise.
Wie hat die rheinische Landschaft beim Einmarsch der Römer zurZeit Cäsars und Augustus ausgesehen? Wie ist sie durch die römischeBesitzergreifung und Kolonisation umgewandelt worden? Biese nächst-liegenden Fragen finden teils durch Schriftstellernachrichten, teils durchBodenfunde ihre Beantwortung. Die letzteren sind zwar bei Besprechungder Spät-La-Tene-Periode großenteils im ersten Bande behandelt worden,sie bedürfen aber einer Ergänzung, insoweit sie auf die Gestaltung derrömischen Verhältnisse von besonderem Einfluß waren.
Zunächst einiges über die Literatur.
Cäsar bietet im bell. Gail, manchen Anhaltspunkt. Seine Zahlen-angaben, daß die im Jahre 58 ausrückenden Helvetier und die mit ihnenwandernden gallischen Stämme 368 000 Köpfe, darunter 92 000 Waffen-fähige, Waren, daß die Helvetier bei einer Kopfzahl von 263 000 12 Städte,gegen 400 Dörfer besaßen, daß die linksrheinischen Germanen Condrusi,Eburones, Caeroesi, Paemani im Jahre 57 den Beigen 40 000 Bewaffnetein Aussicht stellten, daß nach dem Falle von Aduatuca 53 000 Menschenin die Sklaverei verkauft wurden, daß die Usipetes und Teucteri 430 000Köpfe gezählt hätten, ferner die Schätzung der Ariovistscharen auf 120000Mann und manche andere Angaben werden zwar zum Teil nicht mitUnrecht von vielen Forschern als starke Übertreibungen angezweifelt,sie enthalten aber manchen gesunden Kern, wie auch die Nachrichtenüber die Ausdehnung der silva Arduenna vom Remergebiet bis zumRhein, über die am Nemeter- und Rauriker-Gebiet beginnende Hercyniasilva und die anwohnenden Volcae Tectosages, die silva Bacenis, überdie Ubier, Sueben usw. neben manchem Irrtümlichen schätzenswerte Auf-