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samen und opferbereiten Christengemeinden schlummerte die Hoffnungauf eine bessere Zukunft. Und auch in der Kunst ein Ringen der altenund neuen Elemente, das zunächst zu teilweiser Verrohung, späterhinaber zu einem einheitlichen Stil führte, der fast ganz Europa beherrschensollte, dem germanischen Flächen- und Flechtwerkstil.
Hatten wir in den vorausgehenden Kapiteln auch öfters Gelegenheit,auf das Germanische inner- und außerhalb des Limes Bezug zu nehmen,so müssen wir nun doch die germanischen Siedelungs- und Kulturverhält-nisse zur Römerzeit im Zusammenhang behandeln, vor allem nach demGesichtspunkte, wie sie sich im freien Germanien gestaltet haben undwie weit sie mit dem römischen Gebiet in Wechselbeziehung standen.
4. Kapitel
Das freie Germanien
(1. IV. jahrhundert)
Soweit die Germania libera für die Rheinlande in Betracht kommt,können zwei große Abschnitte unterschieden werden: der südliche, derin seiner ganzen Ausdehnung dem Limes vorgelagert ist, und der nörd-liche zwischen Sieg und Meer. Der erstere tritt wegen seiner Nähe undengeren Beziehung zur römischen Zone in der antiken Literatur wie inden Bodenfunden weit deutlicher in die Erscheinung als letzterer, welcherzwar im 1. Jahrh. noch durch die Kämpfe mit den Römern bei den Schrift-stellern gelegentlich erwähnt wird, späterhin aber nur in schwaches ge-schichtliches Dämmerlicht gehüllt ist. Dadurch erscheint eine weit aus-führlichere Behandlung jenes ersteren Abschnittes geboten, zumal auchdas archäologische Material für diesen im ganzen zeitlich und völkischwenigstens einigermaßen geordnet vorliegt, während für den nördlichenTeil jegliche Gliederung im Rückstand ist. Wir beginnen mit der Be-sprechung des südlichen Abschnitts.
L Die germanische Besiedelung längs des obergermanischen Limes.
Dem germanischen Siedelungswesen längs des obergermanisch-räti-schen Limes ist bis jetzt im Zusammenhang wenig Rechnung getragenworden. Die Streckenkommissare des Reichs-Limes-Unternehmens, dieZug und Art des „Pfahls“ genau untersuchten oder Kastelle, Wachtürme