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2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
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6. Kapitel

Die römischen Straßen und die einheimischen Wege

(Taf. 19) 5S )

Die Bedeutung des römischen Straßennetzes sowohl für die militä-rische Besitzergreifung wie für die bürgerliche Kolonisation ist erst durchdie Limesuntersuchung zumi allgemeineren Bewußtsein gelangt. Militär-Straßen verraten häufig die Absichten der obersten Heeresleitung deut-licher als die Kastelle, und für die private Besiedelung des Landes, dasvon ihnen aus vermessen wurde, sind sie geradezu das Rückgrat ge-worden. Deshalb sind sie vor allem in ihrer allmählichen Ent-stell u n g zu betrachten, wodurch mancher Wechsel in Bauart undTrassierung verständlich wird.

Cäsar war noch ausschließlich auf die einheimischen Wege der Spät-La-Tene-Zeit angewiesen, die er bei seinem Zug gegen Ariovist von Ve-sontio in das obere Elsaß schildert, wenn er auch manche Verbesserungvorgenommen haben wird. Agrippa (39/38 v. dir. Statthalter von Gal-lien) erbaute nach Strabo eine Militärstraße von der gallischen ZentraleLugdunum an den Rhein, wohl über Andemantunnum (Langres), Divo-durum (Metz), Augusta Treverorum (Trier) einerseits nach Köln bzw.Neuß-Xanten, andererseits über Bingen nach Mainz. Brusus schuf eineneue Operationsbasis gegen die Germanen zwischen den Zweilegions-kastellen Xanten und Mainz und weiterhin längs des ganzen linken Rhein-ufers von der Schweiz bis zur Nordsee. Claudius baute die alte gallischewie die neue germanische Operationslinie sorgfältig aus, wie Meilen-steine von Sacquenay bei Tilena (vom Jahre 43) und von Capellen beiCoblenz (vom Jahre 44) sowie manche Inschriften lehren, desgleichenverbesserte er die Querverbindungen zwischen beiden Linien, so nachKembs, Straßburg, Mainz usw.

Mit der Besitzergreifung des rechtsrheinischen Vorgeländes durchCaligula, Claudius, Vespasian und Domitian war eine weitere Parahel-basis nötig, die zunächst noch näher dem Rhein die Kastelle Mainz—Groß-Gerau — Gernsheim — Ladenburg — Heidelberg — Hockenheim? — Hoch-stetten?—[Ettlingen]—Baden-Oos—Straßburg—Offenburg — Dinglingen?—Riegel? verband, während rheinabwärts bei der Enge des Tales dielinksrheinische Heerstraße genügte. Trajan schob sie dann nach demMeilenstein von Bühl im Jahre 100 bis an den Gebirgsfuß vor, wo sie imganzen der jetzigen Bergstraße entspricht (allerdings mit vielen gerad-linigeren Strecken). Die Entfernung von Mainz ist auf dem Bühler Mei-