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2 (1923) Die römische Periode
Entstehung
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beobachten ist. Die große Ansiedelung bei Gießen war fast nur auf Vieh-zucht angewiesen, da guter Ackerboden in der Nähe fehlt, ein Grund,weshalb auch der daraus entstandene fränkische Ort Ursenheim so früheingegangen sein dürfte. Das Dorf bei Rheindorf-Opladen nahm eineTerrasse unmittelbar über der Wupper (bzw. einem Altwasser derselben)ein und war sowohl von ausgedehntem Weide- als genügendem Acker-land umgeben, woraus sich auch neben den guten Beziehungen zu denRömern ihre große Blüte erklären wird. Ähnlich liegen die Verhältnissebei Siegburg. Die einzelnen Hofstellen waren mit einem Hag oder Bretter-zaun umfriedigt, wie Tacitus (Germania 16: suam quisque domurn spatiocircumdat) berichtet und die Hütten der Neckarsueben bei Ladenburgnoch erkennen ließen. Die Gestalt des Hauses war bald rund, bald vier-eckig, je nach klimatischen und sozialen, gelegentlich auch stammlichenUnterschieden, doch scheinen beide Formen überall nebeneinander be-standen zu haben, die erstere mehr bei ärmeren Leuten und da, wo nochdie Wolmgruben der Kälte wegen üblich waren, die letztere bei denWohlhabenderen und in wärmeren Gegenden. Eine in meiner Gegen-wart von Römheld 1913 bei Niederhone (Eschwege) untersuchte rundeWolmgrube des III./IV. Jahrh. hatte etwa 9m Durchmesser (im Quer-schnitt wiedergegeben bei W. Reeb, Tacitus Germania, Teubner 1920,Taf. 111, 26). Genau so müssen wir uns die Winterhütten vorstellen, vondenen Tacitus, Germania 16, spricht (suffugium hiemis et receptaculumfrugibus, also Hütten und Keller) und in denen die Frauen spannen.Vgl. die weitere Literatur über die germanischen Hüttenformen GermaniaII, 1918, S. 114 f., 111, 1919, S. 52 f. (F. Drexel, F. Behn). Im dritten Band wirdausführlicher die germanische Bau-und Siedelungsweise behandelt werden.

Bei einem kurzen Rückblick wird jedem Leser die geringe An-zahl von germanischen Siedelungstypen im Gegensatz zu den vielen vor-ausgehenden römischen auffallen und die Frage sich erheben, ob diesnur einer sparsamen Auslese oder einem Wirklichen Mangel zuzuschreibenist. Leider ist letzteres tatsächlich der Fall. Interesse und Mittel derdeutschen Forschung sind immer in erster Linie auf den römischen Grenz-wall und die Römerbauten im Binnenland konzentriert gewesen, die Ger-mania libera blieb ein Stiefkind der deutschen Archäologie, so daß bisjetzt nur die wenigen genannten germanischen Siedelungsplätze eine teil-weise Untersuchung erfahren haben, wobei auch meist mehr den Gräbernwegen ihres kostbaren Museumsmaterials als den Hütten- und Dorf-anlagen Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Es ist endlich an der Zeit,daß dieses Mißverhältnis sich ändert und der frühen germanischen Be-siedelung und Kulturgestaltung auch in den Rheinlanden die Beachtungzuteil wird, die sie sowohl als heiliges Erbe unserer Urahnen wie alsausschlaggebender Faktor für das Werden der (noch so unklaren)ältesten fränkischen und alamannischen Kultur verdient. Im III. Bandewird vielfach auf diese Erscheinungen zurückzugreifen sein.