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Die Holbeiner : ein Überblick über eine 700-jährige bürgerliche Familiengeschichte mit Stammbäumen
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Philipp Holbeins, Bürgers zu Augsburg, vom 28. September 1611*)ausdrücklich betont, daß seine »Voreltern, die Holbain, ihre Ankunftund Geburt aus dem Scliweizerlandt mehr als vor zwayhundertJahren ... in der Stadt Uri, haben« und ihr dort beschriebenesWappen »schon zuvor hatten, ehe die schweizerischen Kantoneihre Wappen geändert hätten«. Vor dreihundert Jahren lebte alsonoch die Familientradition, daß das Familienwappen das Wappendes Kantons Uri sei, weil die Familie aus diesem Uri stamme, welchesfälschlich Stadt statt Staat genannt wird. Dieses Familienwappenläßt sich rückwärts bis 1301 verfolgen. In dem Papier, welches dieHolbeiner in ihrer Papierfabrik zu Ravensburg herstellten, findet essich als Wasserzeichen, z. B. in einer Urkunde des Jahres 1301 derBibliothek zu Lyon. Vgl. Fr. Gutermann, Geschichte des Linnen-papieres (unten Kap. IV, S. 28—31). Unzweifelhaft ist es aber 1301nicht erst angenommen worden, sondern schon von dem in der An-lage I erwähnten Kuno Holbein zu Ravensburg-Weingarten um 1248geführt worden. Wenn dies zu bezweifeln kein Grund vorliegt, dannliegt auch kein Grund vor, die Richtigkeit jener Familientradition zubezweifeln. Demgemäß ist anzunehmen, daß der 1248 mit dem Wein-gärtner Klostergut bei Ravensburg belehnte, damals offenbar erstdort zugezogene »Kuno Holbein« aus dem Kanton Uri zugezogen ist.Und das kann erst im Winter von 1247 bis 48 oder kurz vorhergeschehen sein, weil ja erst 1243 jenes Wappen als ein staatlichesWappen in Uri auftaucht. Natürlich hat der Staat nicht ein Familien-wappen angenommen, sondern umgekehrt eine Familie, und zwareine Beamtenfamilie, nämlich wie oben dargetan, die vier Meyer vonUri das staatliche Wappen. Damit ist die Abstammung der Ravens-burger Holbeiner von einem Meyer von Uri so gut wie bewiesenund nun zu fragen: von welchem Meyer?

Die Meyer von Silinen und Erstfelden scheiden aus, weilihre Wappen etwas anders sind. (Erstfelden: goldner Stern auf rotemStierkopf in Silber; Silinen: ohne Stern, nach 1300 überhaupt neues,anderes Wappen.) Es bleiben übrig die Meyer von Altdorf undBiirglen. Von diesen beiden scheidet Altdorf aus, weil ein Wegzug

*) Im Besitze Sr. Excellenz des Herrn k. k. Feldmarschallleutnants Franz vonHolbein-Holbeinsberg in Wien, seit 1904 in Meran.