6
3. Die in der Urkunde vom 13. April 1248 bekundete Tat-sache, daß die Familie Holbein bei Ravensburg neue Grundbesitzeerhielt, also dort auch anscheinend neu zugezogen war.
4. Auch ein guter wirtschaftlicher Grund, der uns zwingt, dieganzen damaligen Zeitverhältnisse näher zu beleuchten.
Um 1236 wird zum erstenmale der Übergang über den Gott-hard als gewöhnlicher Übergangspunkt von Italien nach Deutschland,seitens des norddeutschen Abtes Albert von Stade erwähnt, obwohlselbst damals noch die Zentralschweizer nicht dieses Passes, sondernder Graubündner Pässe sich bedienten und die erste urkundlicheNachricht über den Gotthardhandelsverkehr erst von 1293 datiert.Vergl.: »Uri, Land und Leute«, Altdorf 1902, S. IOO.
Um 1236 war also der Verkehr von Italien über den Gotthardnoch etwas Neues (ebenso: Zeller S. 117 Abs. 2) und kurz vorherum 1190 war auch die angeblich erste Papierfabrik in Italien zuBologna gegründet worden. Die andern italienischen erst im 14. Jahr-hundert lt. Serapeum 1845 S. 101. Dieser neue Handelsartikel aufder neuen Gotthardstraße konnte der Aufmerksamkeit der vierMeier von Uri (der vierte saß in Silinen an der Gotthardstraße)nicht entgehen, insbesondere nicht demjenigen von Bürglen, wo dasSchächental östlich nach dem Sitze des mächtigsten Urier Herren:der Grafen von Rapperswyl (S. 18) am Züricher See, darüber hinausnach Rorschach, dem alten Durchgangspunkte für Italien, wie wirin Scheffels Eckehard, Note 10, lesen, und nach Lindau (S. 26) biszu den großen süddeutschen Handelsstädten abzweigte. In letzteren,Augsburg, Nürnberg und ebenso dem damals schon bedeutendenRavensburg bestand natürlich ein großes Bedürfnis nach Papier undder Meier von Bürglen mochte dieses Bedürfnis erkannt haben, so-wie, daß er damit mehr verdienen konnte, als in der Eigenschafteines landwirtschaftlichen Unterbeamten des Frauenklosters zu Zürich.Wie dessen Abgabenrodel beweisen, herrschte damals in Uri nochmehr der Ackerbau vor, als heute, und in einem solchen Bauern-lande blieb kein Raum für neue Handelsunternehmungen. Sechssolcher urnerischer Meieramtsrödel aus der Zeit von 1321 —1370 lasich im »Geschichtsfreund« Band 22—23 vom Jahre 1867—68.»Mitteilungen der fünf Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und