Druckschrift 
Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Unvereinbarkeit der Urkunde.

überein, dass sich in dem einen Ablassbriefe als Auszeichnungsschriftdie Typen der 3Özeiligen Bibel, in dem anderen zu gleichem Zweckedie der 42zeiligen Bibel befinden. (Herr Dziatzko hat nicht beachtet,dass von einer etwaigen Ablieferung nur die Texttypen betroffenwerden konnten, nicht die Auszeichnungsschrift, welche zum Bibeldruckegebraucht wurde, und dass bei dem Vorgange, welchen er im Augehat, wenigstens dieselbe Auszeichnungsschrift verwendet worden wäre.)

Es kann hienach kein Zweifel sein, dass schon ein Jahrvor der Helmaspergerschen Urkunde zwei Druckereien zuMainz bestanden, von denen die eine zu gleicher Zeit »Eine Mahnungder Christenheit wider die Türken« mit den Typen der 3ÖzeiligenBibel, die andere die 1456 beendete 42zeilige Bibel druckte. Es istferner zweifellos, dass die Druckerei, in welcher die 42zeilige Bibelgedruckt wurde, dem Fust gehörte (siehe S. 34); es entsteht nun dieFrage: Wie gelangte Fust in den Besitz dieser Typen undüberhaupt in den Besitz einer Druckerei? Denn dass Fust aufGrundlage des Helmaspergerschen Instruments im November 1455in den Besitz dieser Typen kam, welche er schon ein Jahr früherbesass, ist unmöglich.

Fust konnte in den Besitz einer Buckdruckerei gelangen, ent-w eder indem er sich, wie Caxton zu Cöln, gegen Entgelt in das Ge-heimnis der Erfindung einweihen liess und dann eine eigene Buch-druckerei errichtete, oder dass er Gutenberg Geld lieh, sich dafürLettern und Werkzeuge verpfänden liess und dann Gutenberg nöthigte,wegen Zahlungsunfähigkeit ihm das gepfändete Gut eigenthümlich zuüberlassen. Die erstehe Annahme ist unwahrscheinlich, die zweite istdenkbar. Aber in diesem Falle waren es nicht die Typen der gözeili-gen Bibel, welche in Fusts Eigenthum übergingen, denn mit diesenwurde noch 1456 in Mainz gedruckt und später gelangten sie, wiees scheint, abgenützt und fast wertlos, in den Besitz Pfisters in Bam-berg (siehe S. 34). Es ist somit nur anzunehmen, dass Gutenberg,nachdem er sein Vermögen in das Unternehmen der 36zeiligen Bibelgesteckt hatte und bei dem langsamen Verkauf dieses theuren Werkeserst langsam wieder zum Ersatz des darin angelegten Vermögens ge-langen konnte, aber vom Erfindungsfieber getrieben, eine neue Art