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9. Gutenberg in Strassburg.
Urkunden sind eine hochschätzbare Quelle für die Geschichts-forschung, vorausgesetzt, dass sie echt sind. Wie aber im Lebenoft die Lüge die Maske der Wahrheit vornimmt, um desto sichererzu täuschen, so sind auch Urkunden gefälscht worden. Wohl prüftder Kenner die Echtheit der Urkunden sorgfältig am Papier oderPergament, an den Siegeln, an der Schrift und Orthographie, abergeschickte Fälscher haben sich auch darauf vorbereitet. Wir habenoben (S. 33) gesehen, dass im XIX. Jahrhundert Ablassbriefe gefälschtworden sind, indem man sie mittels des zu Ende des vorigen Jahr-hunderts erfundenen Steindrucks auf Pergament und auf echtes Papierdes XV. Jahrhunderts druckte; die Buchdrucker Balthasar Beckund Walther Reyff in Strassburg machten sich in der ersten Hälfte des
XVI. Jahrhunderts selbst ein kaiserliches Patent, indem sie ein altesPrivilegium auf neues Pergament abschrieben und mit einem Joachims-thaler siegelten, und in der Handschrift aus dem Anfange des
XVII. Jahrhunderts, welche von dem Ueberfalle der Mainzer 1462berichtet, sowie in der Bodmannschen Abschrift eines angeblichenBriefes Gutenbergs (siehe S. 92) ist auch die Orthographie des XV. Jahr-hunderts täuschend nachgeahmt; Dr. Schaab rühmt von Bodmann,dass er auch die Schrift jener Zeit wunderbar nachahmen konnte.Welche Bürgschaft bleibt somit für die Echtheit einer Urkunde?
Auch die Achtbarkeit der Personen, welche derlei gefälschteUrkunden ans Licht brachten, kann den Zweifel nicht beirren. Eshat sich herausgestellt, dass Prof. Bodmann in Mainz gefälschteSchriftstücke veröffentlichen liess, und dass Prof. Joh. Dan. Schöpflin