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Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
Entstehung
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Geschichtliche Unvereinbarkeit der Urkunde. ' 131

der Buchstabenherstellung unternehmen wollte, von Fust Geld an-nahm, um die 42zeilige Bibel herzustellen, wofür sich Fust jedochnicht blos das Werkzeug, sondern auch die gedruckten Bogenverpfänden Hess. Gutenberg mochte auf diesen Handel eingegangensein, in der sicheren Erwartung, aus dem Erlöse der 3Özeiligen Bibelsein Eigenthum bald pfandfrei zu machen, aber Fust wartete nicht solange, klagte und gewann den Process. Nurmuss dies viel frühererfolgt sein als im Jahre 1455 und nicht in der Weise derHelmaspergerschen Urkunde. 1 )

Das sind allerdings nur Vermuthungen, aber mehr als Ver-muthung ist es auch nicht, wenn behauptet wird, Fust habedem Gutenberg die Druckerei weggenommen und dieser habemit fremdem Gelde eine neue Druckwerkstätte einrichtenmüssen. Dieser Vermuthung steht die Thatsache entgegen, dass1454 neben der Fustschen eine zweite Druckerei bestand, welche dieTypen der 3Özeiligen Bibel besass und deren Ablasstypen sehr wohlmit dem Gelde erzeugt werden konnten, welches für den Druck dieserAblassbriefe bezahlt wurde. Hiefür brauchten keine Schulden gemachtzu werden und der Gewinn war ein sicherer.

War aber Gutenberg der Besitzer dieser Druckerei? Wir wissenes nicht und es ist sogar Grund, daran zu zweifeln, weil Lignaminebei dem Jahre 1457 Jakob Gutenberg als Mainzer Buchdrucker nebenJohann Fust nennt (siehe S. 62, Nr. X). Nach Faust von Aschaffen-burg soll Gutenberg sich nach dem Streite mit Fust zornig nachStrassburg begeben haben und es wäre nicht unmöglich, dass Guten-berg seine Druckerei seinem Verwandten Jakob von Sorgen-loch über Hess und in Strassburg den Mentel in die Buchdrucker-kunst einweihte, dessen um 1460 vollendete lateinische Bibel derFustischen 42zeiligen Concurrenz bereitete. Hieraus würde sich auchdie Strassburger Sage erklären, wonach Mentel sehr betrübt darüber

') Der k. k. Archivar im k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Wien, HerrDr. G. Winter, welcher die Correcturbogen dieses Werkes zu lesen so freundlichwar, schrieb dem Verfasser nach Prüfung der Photographie dieser Urkunde: »Nachseinen äusseren Formen wird jedermann das Document für echt halten. Freilich,das Schwergewicht der von Ihnen dagegen zur Geltung gebrachten innerenGründe lässt sich keineswegs verkennen.«