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Die Erfindung der Buchdruckerkunst nach den neuesten Forschungen
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Die Zeugenaussagen im Strassburger Processe.

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zu Weihnachten die Presse mitsammt der Erfindung der Buchdrucker-kunst gestohlen worden sei. Pressen können nicht gestohlenwerden. Dr. van der Linde hat nun den Schwindel zu vertuschengesucht, indem er, an die Aeusserung Dritzehns, er sei Spiegel-macher, anknüpfend, behauptete, es habe sich nicht um den Buchdruck,sondern um Spiegelmachen gehandelt; aber abgesehen davon,dass Dritzehn seine Aussagen fortwährend ändert und diese Aeusse-rung auch eine Ausrede sein konnte, um den neugierigen Niger irrezu führen, ist im Urtheilsspruch deutlich gesagt, Gutenberg habeseinen Genossen alle seine Künste gelehrt, und schon vor dreiJahren will der Goldschmied Dünne an hundert Gulden bei Guten-berg mit dem, was zum Drucken gehört, verdient haben.

Welchen Zweck diese Urkunden hatten, beweisen SchöpflinsWorte: »Der Erfinder der beweglichen Typen, gleichviel von welcherNatur, ist der wahre Erfinder der Buchdruckerkunst, welche alleanderen Künste erhält und verbreitet. Dass aber diese von Guten-berg zu Strassburg erfunden und mehrere Jahre daselbst mitseinen Genossen von demselben geübt worden, ehe er sienach Mainz überbrachte, ehe Schöffer die Matrizen und Coster denBücherdruck mittels Tafeln erfunden hatten, werde ich aus authen-tischen Documenten erweisen, welche ein langes Nachsehenund der Zufall mir verschafft haben.«

Mit den Strassburger Processurkunden ist nichts erwiesen, alswie leicht die Welt getäuscht werden kann. 1 )

') In jüngster Zeit haben diese Strassburger Urkunden Geistesverwandte inAvignon gefunden. Ein französischer Abbe, Requin, fand in den Archiven daselbsteine Anzahl Notariatsacten, wonach ein Prager Goldschmied, Prokop Waldvogel,14441446 mit dem Juden David von Caderouse einen Vertrag schloss, in welchemer sich verpflichtete, diesem 27 hebräische Buchstaben, genannt Formenbuchstaben,in Eisen zu gravieren, gemäss der Wissenschaft des künstlichen Schreibens,welches Waldvogel vor zwei Jahren ihm gelehrt habe, wozu er ihm auch dasnöthige Werkzeug in Holz, Zinn und Eisen liefern wolle, wogegen der Jude ver-sprach, Waldvogel in der Kunst des Färbens von Stoffen etc. zu unterweisen, undsich verpflichtete, dessen Kunst gegen jedermann und in jeder Weise geheimzu halten. Später (1446) verpfändete Waldvogel an den Juden David seineMobilien, Kleider und Schriften ( quadraginta octo littcris gravitis in ferro, das sind48 in Eisen gegrabene Buchstaben). Ausserdem hatte Waldvogel sich 1444 mit