Druckschrift 
Der Stifter der noch bluehenden Neuhaeuser Linie Christian Ludwig von Eberstein und seine Nachkommen
Entstehung
Seite
722
Einzelbild herunterladen
 

Deinem Wohlsein sogleich nicht beantwortet sehen kann. Besonders wünschte, daßDu beständig recht gesnnd und vergnügt gewesen. Daß unser bester Bater krankgewesen, wird Dir vermuthlich bekannt sein und Du kannst leicht denken, daß wirunterdessen die Harfen an die Weiden gehangen haben, jetzo hat das wöchentlicheKonzert wieder seinen Anfang genommen, wo ich dieses ohne Dich schwermüthigzu machen, erwähnen darf. Auf unserer Retour hätten wir bald das Vergnügengehabt, die vortreffliche Violinistin Ns-äli Bayren in Frankfurt zu hören w. w.Der kleine Aar! wird Dir schriftlich seine Liebeserklärung überschicken. Dubinskyslassen Dich insgesamt vielmal grüßen, und ich verbleibe in einer unendlichen Pro-gression meines zärtlich geliebten Bruders gehorsame Dienerin und getreue Schwester

Clunlottc v. Oberstem.

Tilse, 13. Jan. 1774. Allerliebster Bruder, heute fordert mich alles zurFreude auf, ich selbst bin ganz davon durchdrungen :c., von ohngefähr blättre ichin meinem Journal und finde bei dem vorjährigen heutigen Dato eine Anmerkungund werde gewahr, daß mich mein herz an Gedächtnis übertrifft, es feiert dasjährliche Jubelfest unserer Kvrivos in Leipzig :c. w. Ich will Dir etliche Neuig-keiten, nicht aus dem deutschen lVIsreur, sondern aus dem Tilseschen Register schreiben.Der Tod der Gnl. Persoden hat unsere Gesellschaft vermehrt, nämlich ihre Frl.Tochter, welches eine Gelegenheit ist, Deine Liste von dem unvcrhciratheten Frauen-zimmer zu embsiliron, wenn Du sie noch halten solltest, woran ich doch zweifle,die Leipziger Dämons werden sie ganz verlöscht haben. Der Kaufmann Blau-rock ist mit Tode abgegangen, der Lieut. Roello^v hat seinen Abschied genommen w.Der vonuzon, welcher erst Buchhalter bei Ressers war, hat bei dem ProfessorVeicliell um sein Lottchen angehalten, ist aber in Gnade abgewiesen worden :c. w.

Mlse. 8. Inlt 1774. Auf Befehl unseres besten Vaters soll ich Dich be-nachrichtigen, daß er Deinen Brief vom RIonat Rlai ohne Datum in dein Lager beiNoollrav richtig erhalten hätte, seine kränklichen Umstände ihm aber gänzlich ver-böten, Dir zu antworten und noch weniger eine richtige vsoission seines Willensin Ansehung ein und andre darin enthaltene Dinge zu geben. Gr befiehlst allediese Anordnungen und besonders die Leinung'sche und Rodesche AngelegenheitenDeinen besten Tinsichten, Fleiß und bisher gezeigten Tifer, diese Affaire inOrdnung zu bringen, bis seine Genesung ihm zulassen wird, über dergleichenGeschäfte nachzudenken. Der Papa überschickt Dir beiligendes pro memoria,Reparaturen betreffend, welches er von dem Verwalter erhalten, und geglaubthat, daß da in letztere Rechnung so viele Verbesserungen an den Gebäuden undDächern aufgcführet, alles in gutein Stande sein würde; da er indessen von derNecessität der Sache nicht urthcilen könnte, so möchtest Du, wann es nothwcndig,dem Verwalter nur aufgeben, daß es verfertigt würde. Ferner habe der Verwalterseine Entlassung auf Iohanni verlangt; da nun weder ein andrer noch ein Pachtervon Tuch besorgt wäre, so würde kein anderes Ruttel zu ergreifen sein, als daß Duihn bis zu einer anderen Veränderung persuadirest, im Amte zu bleiben, er könne jetzoohnmöglich ihm antworten. Der Papa vermuthet, daß da der pr. Rtajor v. Krachtauf seiner Reise nach Frankfurt über Leipzig habe gehen wollen, Du ihn ohneZweifel gesprochen haben wirst und er dem Hrn. Zlartüni das nothwendige Geldzur Fortsetzung Deiner Studia abgegeben, wovon der Papa hofft, daß Du den bestenGebrauch zu machen wissen wirst. Das dabei erhaltene Päckchen Thineser Theesollst Du baldigst der Frau Ober-Aufseherin in des Papas Namen übersenden mitder Versicherung, daß er es so zu überschicken sich die Freiheit nehme, wie es roetaaus Petersburg gekommen wäre. Dem Hrn. Ober-Aufseher wird er, sobald seineUmstände es erlauben, die Feder zu führen, eiligst schreiben, unterdessen mögestDu ihn beiderseits seiner Komplimente versichern, vor allen Dingen erinnertunser lieber Vater an Sparsamkeit und gute Wirthschaft, besonders da ihn die ver-worrene Keysersche Sache in viele Verlegenheit gesetzt. Du kannst glauben, wiedergleichen Verdrießlichkeiten ihn bei der jetzigen Schwäche des Leibes noch mehr mit-