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Am 19. Febr. 1714 wurde der Legatiousvath Ernst Friedrich v. Eberstein wegen„seiner guten Qualitäten und Dienste willen, so er bei bisherigen Verschickungen er-wiesen", von König August zu dessen Kammerherrn ernannt (s. S.-R. Fr. Aug. I.Bd. XXXVII. Nr. 3650).
Hierauf übertrug ihm König August das für die damaligen besonderen Verhält-nisse (besonders mit Rücksicht auf den bevorstehenden nordischen Friedensschluß) wichtigeAmt eines außerordentlichen Gesandten und Ministers an den kurfürstl. Höfenvon Mainz, Trier, Köln und am kurpfälz. Hofe, sowie bei den Bischöfen von Pader-born, Münster und Osnabrück. Als Domizil wurde ihm Mainz angewiesen; da jedochder Mainzer Kurfürst und Erzbischof, bei dem er vorzugsweise accreditirt war, außerzu Mainz auch häufig als zugleich Bischof von Bamberg zu Bamberg und andernOrten seiner Diöcese zeitweise residirte, so war E. F. v. E., abgesehen von der stün-digen Beibehaltung einer standesgemäßen doppelten Wohnung zu Mainz und Bam-berg auch noch genöthigt, dem Mainzer Hofe bald hierhin bald dorthin zu folgen.Die mit seinem beschwerlichen Amte verbundenen vielseitigen Beziehungen zu den ver-schiedenen Höfen machten sonach nicht nur sehr häufige Reisen, sondern auch vielfachenWohnungswechsel nothwendig. Das bedingte aber auch wiederum einen außergewöhn-lichen Aufwand, so daß er „mit 15 bis 16 Pferden und 14 Personen an auswärtigenOrten vor baar Geld und in mcistentheils doppelter illkiMAS allhier (zu Mainz) undzu Bamberg zu leben ohnmöglich mit den von Königl. M. habenden m/3 Thlrn. aus-zureichen vermocht". Die Finanzzustände in Sachsen waren aber durch die neuerworbeneKönigswürde derart, daß häufig die Gehälter au die auswärtigen Minister nicht baar,sondern nur durch Steuerscheine bezahlt werden konnten, welche erst in 9 Jahren fälligwurden. Der Kredit des Königs hatte dadurch so gelitten, daß ein Jude in derMainzer Gegend die leichtfertige Devise auszubringen sich nicht scheute: „Beim Königin Polen ist nichts mehr zu holen." Bei so bewandtcn Umständen mußte E. F. v. E.sogar die Post- und Reisekosten aus seiner eigenen Tasche bezahlen. Da er auch Dom-herr in Merseburg war und daselbst eine Domkurie eingeräumt erhalten hatte, inwelcher er statutengemäß zeitweise seinen Aufenthalt zu nehmeu gehabt hätte, so stander überdies durch seine anhaltende Abwesenheit in Gefahr, diese Pfründe zu verlieren*).Zur Abwendung dieser Gefahr begab er sich nach erhaltenem Urlaube Mitte Dez. 1716von Bamberg aus nach Merseburg, von wo er 9. Januar 1717 seine Rückreise nachMainz antrat. Der König August selbst in seiner Eigenschaft als Stiftsschutzherr ver-wandte sich 26. April 1717 bei dem Domkapitel zu Gunsten seines Gesandten undwahrscheinlich mit gutem Erfolge.
Ztr. 248. Instruktion für Ernst Kriedrich von Eberstein bei dessen Werschickungan den Kurtrier.-, cökn.-, pfäkz.-, ingt. an den Paderborn- und münsterischenund osnabrückischen Kos wegen Geltendmachung der Garantie wider alleSchäden gegen die Schweden.
Von GOTTES Gnaden Friedrich August König in Polen, Herzog zuSachsen zc., Kurfürst. Bester Rath, lieber getreuer, Was Wir und Unsere getreueUnterthanen des Churfürsteuthums Sachsen, incorporirter und übriger Lande, nicht nurdurch den ungerechten Einfall derer Schweden in dieselbe in denen Jahren 1706und 1707**) vor unsäglichen, auf viele Millionen sich belaufenden Schaden erlitten,
*) Vgl. Akten de uo. 1716/17 des Kammerherrn v. E. Streitigkeiten mit dem Domkapitel zuMerseburg, welches ihm propter udsentiain seine daselbst habende enrinm hat entziehen wollen, be-treffend, im Staatsarchive zu Magdeburg (8. kep. I,IX. k. 7S X. 734 u. k. 95 X. 896).
^ 5*) Kurfürst Friedrich August I., der 2. Juni 1697 die kathol. Religion angenommen und5. Sept. os. n. die Krone Polens erhalten, bekriegte die Schweden, weil sie Livland, Polen ge-hörig, gcmißhandelt hatten. General FIcmming fiel 1700 in Livland ein, aber Karl XII. trieb dieSachsen aus ihren Postirungcn nnd spielte den Krieg nach Polen. König August brach sogleich dorthinauf und suchte seine Armee, die bei Guben stand, an sich zu ziehen. Der schwed. General Rhenschildgriff diese an, siegte und rückte in Sachsen ein, wo nun Roth und Elend die armen Unterthanen