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Der Grund, auf welchem die Namcu v. d. Licth,v. Zcsterfleth, v. Schulte w. stehen, ist dunkelroth; die Buch-staben sind schwarz und vertieft. Die Wappen erscheinen er-haben und mit Farben und Vergoldungen versehen.
o. Die Köpfe an der untern Votivtafcl sind vergoldet.Die ans selbiger befindliche Schrift ist vertieft und so guterhalten, wie wenn sie ganz neu wäre.
Uebrigens sagt der Gen.-Fcldzeugmeister in Bezug aufdieses Monument: „In der Mitte desselben ist eine bild-liche Darstellung eines Kampfes zwischen Kreuzrittern undSarazenen; die Stadt Jerusalem zeigt sich im Hintergrundeund in der Luft schwebt der Heiland".
Das Mouument wurde, als der Dom zu Verdeu um1830 eine gänzliche innere Restauration und eine Säube-rung von allen Zierrathen erlitt (eine förmliche Bilder-stürmerei), von dem daselbst wohnenden OberstlieutenantChristoph v. d. Decken requirirt und so vor dem Schicksalebewahrt, gleich den meisten andern werthvollen Reliquienähnlicher Art zerschlagen und als Baumaterial benutzt zuwerden. Es befindet sich noch jetzt in Vcrdcn, ich weiß abernicht, in welchem Hanse.
Gerade unter diesem Epitaphe, welches erhaben an einerMauer des Doms befestigt war, befand sich ein ausge-mauertes Gewölbe, das durch einen den Namen und dasWappen des Diedrich v. d. Decken führenden Leichensteinverschlossen war. Der darin stehende Sarg (ob mehreSärge darin gewesen, wird nicht berichtet) enthielt nochaußer verschiedenen andern Knochen den wohlconservirtenSchädel des Diedrich ^n. Das Monument besteht ausSandstein.
Dasselbe hat nun zu verschiedenen Bedenken und Kopf-brechen Veranlassung gegeben:
1) Die mysteriöse Zahl 15X7. Was soll dieses Xbedeuten? Man darf darin nicht die lateinische Zahl zehnfinden, sondern 8. Abgesehen davon, daß es dem Meister umso weniger eingefallen sein wird, eine lateinische zehn mittenzwischen deutsche Zahlen zu setzen, als er Wohl noch einschwächerer Lateiner als Deutscher gewesen sein dürfte, ab-gesehen ferner davon, daß es ganz abnorm ist und war, dieZahl 17 durch eine 7 und eine 10 auszudrücken, so kann auchallen sonstigen Umständen nach Diedrich nicht 1517, sonderner muß frühestens 1587 gestorben sein (aber auch nichtspäter, wenn man die ans dem Steine gleichfalls deutlichstehende Jahrszahl 1588 in Betracht zieht). Denn er warzweifellos ein Enkel des Bürgermeister Claus, welcher erst1541 starb; Diedrichs Vater kaun sogar nicht vor 1520 ge-hcirathet haben und Diedrichs Sohn Hermann wurde erst1586 geboren.
Die Sache ist nur folgender Gestalt zu erklären:Der Steinmetz oder — um ihn nach Verdienst zu wür-digen — Bildhauer, welcher das Denkmal anfertigte, scheintein eben so schlechter oder nachlässiger Schriftsteller gewesen zu
sein, wie er ausgezeichnet als Künstler war. Wie unzähligeMale er die Buchstaben und Wörter entstellt und verfälschthat, ergiebt der flüchtigste Anblick seines Werks. So muß erdenn nun auch vergessen haben, über und unter das X einenStrich zu ziehen. Wenn dieses geschehen wäre, so würdesich X und somit eine freilich etwas eckig gerathene 8 zeigen.Man braucht auch nur anzunehmen, daß er bloß den Quer-strich unten weggelassen hat; denn in älterer Zeit — freilichnicht gewöhnlich mehr im 16. Jahrhundert — wurde we-nigstens die 8 so dargestellt: sowie die 4: ^ .
Auch die am obern Theile des Denkmals befindlicheJahrszahl 1588 begründet die größte Wahrscheinlichkeit,daß die untere Zahl 1587 heißen soll. Wenn Diedrich1517 gestorben wäre, wie sollte dann noch die Jahrszahl1588 auf den Stein kommen? Es ist schwer zu glauben,daß seine Nachkommen sich noch 71 Jahre nach seinem Todehätten gedrungen fühlen sollen, ihm ein prächtiges Epi-taph errichten zu lassen. Alle Skrupel dürften schwinden,wenn man erwägt, daß der Künstler gewiß ein volles Jahrlang an dem bedeutenden Werke zu arbeiten hatte, daß eres also nicht vor 1588 vollenden konnte und daß daher dieseZahl das Jahr der Aufstellung des Denkmals anzeigensollte.
Am Schlüsse der Votiv-Tafel steht: „den 23. Novem-ber". Ob dieses den Tag der Aufstellung, oder den Tag,an welchen der Meister das Werk vollendet hatte, oder wasetwa sonst für einen Tag andeuten sollte, ist schwer zu be-stimmen.
2) Die Familien-Namen sind auf dem Denkmale fastdurchgängig unrichtig geschrieben, oder es sind doch ausNachlässigkeit einzelne ganz ungehörige Buchstaben gebraucht.So steht statt Zestersleth — Sesseterfledt, statt Weuse —Wnuse, statt Karlhaken — Korliaken, statt Zahrenhusen —Sartenhusen. Den schlimmsten Streich hat mir aber derSteinhauer mit seinem Namen „Bargcwaren" gespielt.Ehe ich eine Abzeichnung des Denkmals besaß und mir nurdie bloßen Namen mitgetheilt waren, wußte ich durchausnicht zu enträthseln, welche Familie unter Bargewaren zuverstehen sei, da mir ein auch nur ähnlicher Familien-Namenie vorgekommen war. Jetzt ist es klar, daß der Künstlerstatt eines p ein r genommen hat und daß demnach „dervan Bargewaren" heißen soll „der van Bärge Wapen".(v. Bärge plattdeutsch für v. Berg). Denn eben so findetsich da geschrieben: „der Schulten Wapen" „der van BukenWapen". Bei letzterm zeigt sich eben so wenig ein sxatinmzwischen Buken und Wapen wie bei Bargcwaren. Warumdieser Zusatz „Wapen" nur einigen Namen hinzugefügt ist,weiß ich nicht. Wahrscheinlich hat dabcider mchr oder wenigergroße disponible Raum entschieden. Denn daß es die eigent-liche Absicht gewesen, allen Namen das „Wapen" anzuhän-gen, erhellt daraus daß sie alle mit dem Genitiv „der"beginnen.