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nicht nur seinem Herrn und Fürsten, sondern auch demganzen Lande erspricß- und nützliche Dienste that". Alsz. B. 1610 bei Gelegenheit der Ravensbergischen (Jülich-Cleveschen) Erbstreitigkeiten die fremden Truppen, welche dasRavensbergsche besetzt hatten, unter dem Lieutenant (Statt-halter?) Rabe v. Wrede auch in's Mindensche einfielen unddort brandschatzten, ward unser Vollrad an den FürstenChristian von Anhalt und den Markgrafen Ernst v. Bran-denburg gesandt, von welchen er auch die bündigsten Ver-sicherungen erwirkte, daß mit dergleichen „Zunöthignngen"das Stift Minden künftig verschont bleiben sollte.
Im Jahre 1611 gerieth Vollrad mit seinem Herrn„in einigen Unfrieden", weil er seine Leute ans der Dorf-schaft Friedewalde nicht zur Leistung der „Burgvesten" beidem neuen Baue des Schlosses Petershagen stellen wollte.
Indessen muß doch der Bischof ihm noch fortwährendgnädig geblieben sein, indem derselbe, welcher inzwischenauch die Regierung des Herzogthnms Celle angetreten hatte,ihn noch am 23. April 1617 (al. schon 1616) zum kelti-schen Großvogte ernannte. (Aus welchem Grunde aberVollrad schon in einem Documente cis 1615 sagt: „er seiBremischer, Mindenscher und nun auch LüneburgscherLandsassc" ist mir nicht recht klar.)
Da trat aber bald eine bedeutendere Differenz zwischenihnen ein. Ich finde darüber Folgendes bemerkt:
,,^,rmc> 1618 gerieth Vollrad v. d. Decken bei demBischöfe (Herzoge) Christian in Verdacht, daß er dem Stiftegefährliche Anschläge mit dem Hause Himmelreich — sodero Zeit für eine förmliche Vestnng gehalten worden —intendire und solches den Grafen von Rietberg einräumenwolle. Vollrad wollte freilich solches nicht an sich kommenlassen und betheuerte hoch, daß ihm dergleichen Anschlägenie eingefallen seien. Indessen machte Bischof ChristianAnstalt, daß ans Vollrad genau Acht gegeben werden mußte.Weilen aber die Stadt Minden am meisten dabei interessirtwar und von einer solchen Veränderung den größten Scha-den besorgte, mithin einen Aufruhr zu erregen und die Ve-stnng zu demoliren drohte, so ließen die Räthe solche mitSoldaten besetzen und darauf fleißige Wacht halten. Vollradv. d. Decken fand sich darüber um so mehr höchstens beschwert,weil man seiner Frauen sogar die Schlüssel abgenommenund seine Untersassen vom Schlosse vertrieben hatte. Umsich indeß allen Verdacht zu entledigen, bot Vollrad dasHaus Himmelreich zum Kaufe an. Ob zwaren hierüberverschiedene Handlungen vorgingen, so ward doch darausnichts, weilen er für das Gut 40000 H und vor dasgrobe Geschütz besonders 5000 prätendirte undsolches darunter nicht abstehen wollte".
Diese MißHelligkeiten scheinen schließlich die gänzlicheUngnade unsers Vollrad bei dem Bischofe-Herzog herbei-geführt zu haben. Er wurde schon Anfangs des Jahres1618 plötzlich seiner Stelle als Großvogt entsetzt und solche
dem Johann v. Bchr übertragen. (Bereits unterm 26. Ja-nuar o. a. schrieb Letzterer an den Herzog: er wolle sichzwar gern den mit der ihm übertragenen Großvogtschaftverbundenen Geschäften unterziehen; aber der itzige Groß-vogt Vollrad v. d. Decken habe die großvogtliche Dienst-wohnung noch nicht geräumt. Vick. Vogcll's Geschlcchts-geschichte der Herren v. Behr. Urkunde Nr. 178.)
Vielleicht aus Kummer — er war aber auch freilichschon etwa 70 Jahre alt — über diese Ungnade starb Voll-rad schon im folgenden Jahre, 1619, zu Bevern im Bre-mischen. Auf sein nahe bei Bevern belegenes Gut Borstclhatte er sich wahrscheinlich zuletzt zurückgezogen. —
Noch darf ich des nachstehenden, ans Vollrad Bezughabenden Ereignisses gedenken:
Unter dem oben erwähnten Herzoge Friedrich Ulrichvon Wolfenbüttel (geb. 1591, st 1636) wurde von dessenMinistern oder ersten Räthen eine heillose Wirthschaft ge-führt. Die Ausdrücke „die Streithorstsche Partei", oder„das Landdrosten-Rcgiment" erinnern daran.
Der Wolsenbiittelsche s. g. Statthalter Anton v. Streit-horst hatte nämlich prinoipnliter alle Gewalt an sich ge-rissen und regierte fast unumschränkt. Des Scheines wegenund um nicht äußerlich ganz allein verantwortlich zu sein,hatte er sich 4 Gehülfen oder College» unter der Benen-nung von Landdrosten beigesellt. Diese waren: sein BruderJoachim v. Strcithorst, Bartold v. Rntenberg, Henningv. Reden (al. v. Rheden) und Arend v. Wobersnow.
Als das Unwesen, welches diese Leute vereint trieben,endlich gar zu schlimm wurde, Willkür und Habgier aus-schließlich herrschten und das Land dadurch gänzlich ruinirt zuwerden drohte, richtete der Oheim des Herzogs <gu., der KönigChristian v. Dänemark, ein eindringliches, vermahnendesund die Verhältnisse grell aber wahr beleuchtendes Send-schreiben an denselben, welches unter dem Namen „der Kö-nigliche Wecker" bekannt und öfter gedruckt ist. Darin fin-det sich auch folgende Stelle:
„Von ihm (Henning v. Reden) wird glaubwürdig be-richtet, daß er einen Anverwandten, Vollrad v. d. Decken,durch seiner Schwester Gemahl, Ebert v. Alten, mit glattenWorten aus fremden Landen in's Fiirstenthum lockte, daselbstden guten alten Mann auf einen Bauerwagen werfen, durchSoldaten nach Poppenburg in Haft bringen ließ und hiernicht eher erledigte, als bis er eidlich auf eine Forderung voneinigen Tausend Thalern Verzicht geleistet hatte". (Vergl.Havemann, H. G. II. 585).
Dieses Schreiben datirt vom 23. December 1620.Darin beregtes Verwandtschafts-Verhältniß bestand darin,daß Henning v. Reden's (Sohnes des Otto v. R. a. Wich-tringhausen und der Anna v. Adelepsen) Schwester Gertrudden Eberhard v. Alten, des Letztern Schwester Anna aberunsern Vollrad v. d. Decken zum Gemahle hatte.
Ilebrigens scheint Vollrad nur schlechte Vermögens-