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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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nicht wohl abzusehen, wie er dazu gekommen sein sollte,gerade diese Behörde mit welcher sonst, so viel bekannt,die Decken'sche Familie nie etwas zu thun hatte dazu zu ad-hibiren, wenn er nicht schon vorher mit selbiger in nähererVerbindung gestanden hätte, und zwar dadurch, daß er Be-derkeser Droft derselben gewesen war.

4) In der Mindenschen Geschichte (von Culcmann)wird gemeldet, daß im Jahre 1600 ein reicher BremischerEdelmann, Vollrad v. d. Decken welches unbezweifeltderjenige Vollrad war, dem gegenwärtige Abhandlung ge-widmet ist, im Bisthnme Minden, wo dessen Familiesonst nicht bekannt gewesen, erschienen sei und dort dasHaus Himmelreich käuflich an sich gebracht habe. EinWeiteres über dessen Herkunft und Anteccdenzien wird beidieser Gelegenheit nicht mitgetheilt.

Es liegt nun die Vermuthung ziemlich nahe, daß jenerAnkömmling der frühere Drost zu Bederkesa gewesen sei.Dieser hatte wenn, worauf nichts hindeutet, seine 10-jährige Kapitulation nicht verlängert worden nicht langevorher, 1596, die Verwaltung der Bederkeser Schlösser ver-loren. Bei selbiger hatte er sich gewiß ein Bedeutendeserübrigt (daher das obige «zpitststonreich", wenn er sol-ches, wie wahrscheinlich, nicht schon von Haus aus war).Er war als Inhaber jener wichtigen Schlösser gewohnt, aufeinem großen Fuße zu leben. Eine ähnliche Stellung, wiedie gehabte, wußte er für's Erste in der Heimath nicht wie-der zu gewinnen. Diese wurde ihm, bei seinem angeborncnUnternehmungsgeiste, zu eng. Er warf daher seine Augenin's Ausland und ergriff die ihm nach kurzer Zeit geboteneGelegenheit, abermals ein festes Schloß, Himmelreich, undzwar jetzt eigenthümlich zu erwerben, welches ebenfalls,gleich Bederkesa, mit Kanonen u. dergl. ausgerüstet warund auf welchem er also in jeder Hinsicht ganz in gleicherWeise Hausen und sich bewegen konnte, wie dort.

Freilich besaß er schon das von seinem Vater ererbte,ebenmäßig befestigte und schwer armirte Schloß Borstcl(vick. die Beschreibung desselben unter den Gütern). Diesesmochte ihm indessen doch nicht bedeutend genug sein, oderwenigstens zu einsam und langweilig liegen.

Ehe übrigens solchergestalt unser Vollrad Himmelreichacqnirirte, hatte er sich, um doch Etwas um die Hand zuhaben, zum Gräfen des Landes Kehdingen, BützflethschcnTheiles in welchem er begütert, und namentlich Schö-lischer Erbrichter war ernennen lassen. Als solcher er-scheint er bestimmt 15971599. 1600 versah aberschon Melchior von Brummer a. Drochtersen diesen Posten.

Man hätte glauben sollen, daß Vollrad schon als In-haber von Bederkesa, bei der großen dortigen Haushaltungund Wirthschaft, einer Hausfrau bedurft hätte. Indessen,erst in ziemlich vorgerückten Jahren, 1599, begab er sich inden Ehestand, und zwar mit Anna, der Tochter des Tönniesv. Alten, Miteigenthümers von Himmelreich, und der Doro-

thea v. Holle. Mit dieser Familie und in dortiger Gegendwird er wahrscheinlich durch seinen Oheim, den OberstHinrich v. d. Decken, bekannt geworden sein, da dessen Ge-mahlin, Magdalena v. Klencke, vom Schlosse Schlüsselbnrgstammte, welches gleichfalls im Mindenschen, nicht weit vonHimmelreich, lag; oder auch durch seinen Schwager, Staatsv. Münnich, der ebendort das Gut Lübbecke besaß.

Wie Vollraddas Haus Himmelreich" nebst Zubehörallmälig stückweise erwarb, so wie die frühere undspätere Geschichte des letzteren werde ich unten, bei denGüter-Beschreibungen, darlegen. Es wurde ihm übrigensdiese Besitzung nicht ohne viele nicht näher bezeichneteSchwierigkeiten eingeräumt,die jedoch endlich ans die vielevon hohen Häuptern, besonders König Christian II. (IV.?)von Dänemark, Erzbischof Johann Friedrich zu Bremen,Bischof Johann Adolph v. Lübeck, Herzog Ernst zu Br.-Lüncburg und Landgraf Moritz zu Hessen-Cassel beigebrachteJntercessional-Schreiben gehoben wurden". (Mind. Gesch.)Auf welche Weise Vollrad zu so vielen hohen Gönnern ge-langt, ist schwer zu sagen. Vermuthlich hatte er früher einvielbcwegtcs militärisches Leben geführt und wenigstenszum Theile in der Obigen Herren Diensten mit Auszeich-nung gestanden. Dagegen beruht es, wie ich bei dieserGelegenheit bemerken muß, jedenfalls auf einem Irrthume,wenn der Generalfeldzeugmeister in seinen Supplemen-ten behauptet, Vollrad habe zuerst in WolfenbüttelschenDiensten bei dem Herzoge Friedrich Ulrich gestanden, welcheer wegen Intriguen der Strcithorst'schen Partei habe ver-lassen müssen. Denn dieser Herzog kam erst 1613 zur Re-gierung, wo Vollrad schon sehr bequem im Schooße desBischofs Christian von Minden saß und die Strcithorst'schePartei bildete sich hauptsächlich auch erst nach Vollrad'sTode (1619).

Wie eben angedeutet, stand Vollrad bei seinem neuenLandesherrn, dem gedachten Bischöfe Christian einemHerzoge von Br.-Lüncburgin sonderlichen Gnaden".Derselbe wandte ihm nicht nur viele Grundstücke und Lehenzu, sondern ernannte ihn auch 1604 zum Drosten desHauses Petershagen und zu seinem Hosmarschalle.Alssolchem lag ihm ob, auf die Bischöfliche Hofhaltung, Küche,Keller und sonften Alles was dem anhängig, genau Acht zugeben, wogegen ihm 100 ^ an Gelde, auf 5 Pferde 13Fuder Hafer, nöthiges Rauchfutter und Hufschlag, auf 5Personen Kleidung, ein Fuder Roggen und ein Fuder Ger-sten, auch 3 Bäume zur Feuerung verschrieben wurde".

1606 acquirirte er von seinem Schwager, Eberhardv. Alten, den adelichen Hof zu Lübbecke, sowie auch dessenAntheil am Gute Nammergut. (Viä. über beide die Güter-beschreibungen.)

Vollrad ward vom Bischöfe zugleichin verschiedenenund besonders denen pustligresu Landcs-Angelegenhcitenhäufig gebraucht und öfters auswärts verschickt, da er dann