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bezog das gedachte Gut, wo er sich ganz der Landwirthschaftwidmete, auf bessere Zeiten hoffend, die ihm gestatten wur-den, wieder das Schwerdt für die gerechte Sache zu er-greifen.
Und diese Hoffnung täuschte nicht! Als bei uns imMonat März 1813 das erste Morgenroth der Freiheit tagte,als Tcttenboru mit seinen kühnen Reitern Hamburg besetzteund auch die Elbe- und Weser-Ufer eine Zeitlang sessclloswurden, da verließ unser Decken, von Kampfeslust und edlemPatriotismus getrieben, seine friedlichen Pcnaten und eiltenach Stadc. Hier sammelte er aus der Umgegend und be-sonders aus dem Kehdiugschen einen Landsturm, um mitihm die Franzosen, welche Stade verlassen und sich überBuxtehnde nach Harbnrg zurückgezogen hatten, zu verfolgenund zu vernichten. Sein glühender Enthusiasmus ließ ihnbei seiner buntscheckigen, undisciplinirten, mangelhaft bewaff-neten Schaar ein gleiches Gefühl und gleiche Opferfreudig-keck voraussetzen, und darauf vertrauend unternahm er die-sen verwegenen Zug mit echt ritterlichem Geiste. Aber nurzu bald sollte er enttäuscht werden. Denn als beim Vorrückengegen Moisbnrg die Nachricht eintraf, daß die Franzosen(eine Abtheilung derMorand'schen Division) mit allen Waffenüber Hollenstedt in Anmarsch wären, so verlief sich die ganzeSchaar — die schon auf dem Marsche viele Traineurs inden Wirthshäusern zurückgelassen hatte — bis auf wenigeGetreue (v. Plate, Willmans w.); Decken mußte seinenPlan aufgeben, mit solchem undisciplinirten Haufen etwasauszurichten und kehrte nach Stade zurück.
Nicht cntmuthigt durch diesen mißlungenen Versuch,beschloß er jetzt, eine regulaire Truppe zu errichten. Erbegab sich zu dem Ende, um eine höhere Autorisation dafürzu erlangen, nach Hamburg zum Oberst v. Tettenborn, demdortigen Russischen Commandeur, und erhieltzvon selbigemfür sich, sowie für den ihn begleitenden Drost v. Zcsterfleth,einen Wcrbebrief zur Bildung einer Bremen- und Verden-schen Legion, die aus einem Husaren-Negimente unterDecken's Befehl und einem Bataillon Jäger unter v. Zester-fleth bestehen sollte. Dieser Werbebrief lautet wörtlich fol-gender Maaßen:
„Vorzeiger dieses, Hieronymns von der Decken,Baron, und Christian v. Zefterfleth, Baron, werdenhicmit angewiesen, nnd kraft meiner Jnstruction be-auftragt, in den HerzogthümernBremen nnd Verdcn eineLegion aller Truppengattungen zu errichten, die denNamen ihrer Provinz führen, das Hannoversche Feld-zeichen tragen und vom Lande, nach den von denStänden zu bestimmenden Verhältnissen besoldet werdenwird. Diese Legion wird in allen ihren militairischenVerhältnissen unbedingt unter meinem Befehle stehenund in der kurzmöglichsten Zeit in marschfertigen Standzu setzen sein.
Alle Behörden der Herzogthümer Bremen nnd Verden
werden unter strengster Verantwortlichkeit hierdurchdahin angewiesen, der Errichtung dieser Legion allennur möglichen Vorschub an Vorschüssen in Geld- undBckleidüngs-Requisiten zu leisten und alle Forderungender Errichter, die auf Beschleunigung der Ausrüstungabzwecken, ungesäumt zu erfüllen.
Hamburg den 13/25 März 1813.
Der Russische Oberst und Commandant einesCorps der Armee des Generals Grafenv. Wittgenstciu, Baron v. Tettenborn".Nach Empfang dieser Vollmacht kehrte Decken nachStade zurück und widmete sich mit größter Thätigkeit seinemneuen Berufe, auch nicht erfolglos, denn der gute Klang,den sein Name im Lande hatte, der Eindruck, den seine im-posante Persönlichkeit auf alle, die ihm nahe kamen, machte,bewirkten, daß Freiwillige aus allen Ständen ihm zuström-ten, daß, besonders vom Adel, bedeutende Unterstützungen anGeld und Pferden einliefen, so daß er schon Ende März, alser den Befehl von Tettenborn erhielt, sich sofort mit der umihn versammelten Mannschaft nach Hamburg einzuschiffen,dort mit 100 Mann und Pferden erscheinen konnte. WelcheSchwierigkeiten daselbst, wo alle Geldznflüsse aus der Hei-math aufhörten, die fernere Ausrüstung und Complctirungdes Regiments machten, läßt sich denken; aber Decken bliebmuthig und vertrauensvoll ans die gerechte Sache und be-trieb die Organisation mit dem höchsten Eifer. Den bestenBeweis, wie sehr ihm die heilige Sache selbst, für die erkämpfte am Herzen lag und wie wenig er dabei an sichund seine Privatinteressen dachte, gab er, indem er, der dasRegiment errichtete nnd dem das Commando desselben zukam,selbst darauf antrug, daß dieses Commando dem älternMajor August v. d. Bussche, welcher gleichfalls im März1813 den Englischen Dienst qnittirt und sich jetzt in Ham-burg zum Dienste gemeldet hatte, übertragen werden möge,welches Decken selbst am 15. April dem Regimente bekanntmachte. Dieser wurde darauf vom Generalmajor Grafenv. Kielmansegge, welchem die provisorische Anstellung derOfficicre bei den neuerrichteten Truppen vom Prinz-Regen-ten übertragen worden war, am 19. April zum Major er-nannt. Das Regiment war jetzt 2 complete Compagnienstark, die, obgleich noch unvollständig ausgerüstet, doch beiHamburg schon Dienst thun mußten, bis die Alliirten inFolge des überlegenen Angriffes von Davonst nnd der Al-lianz Dänemarks mit Napoleon Hamburg räumen und sichins Lauenburgischc und dann nach Mecklenburg zurückziehenmußten. Der Major Decken, welcher das Commando der1. jetzt complet ausgerüsteten Schwadron erhalten hatte,stieß mit ihr am 31. Mai zum Wallmodenschen Corps, ver-einigte sich während des Waffenstillstandes mit dem Restedes Regiments, marschirte aber am 13. August wiederzum mobilen Corps und bethciligte sich während des Som-mers an den Gefechten bei Cammin, Vcllahn und an dcr Göhrde.
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