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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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den Baron veranlaßte, das Land zu verlassen und sich nachMassi, wo ebenfalls ein 19jähriger Häuptling regierte, zubegeben. Der Baron hatte nämlich erfahren, daß sich beidiesem zur Zeit 70 Elepfantenjäger von der Küste aufhiel-ten, die im Nothfalle dem Baroue von Nutzen sein konnten.

Es ging ihm hier ganz ähnlich, wie in Uru. Kimandara,der Sultan, war bald auf der Seite des Hrn. v. d. Decken;dagegen thaten sein Onkel und seine Mutter alles, um ihmzu schaden. Aber theils durch Versprechungen, theils durchDrohungen erreichte er endlich seinen Zweck. Kimandaraschloß Blutsbruderschaft mit dem Baron und wäre es nachder dort einheimischen Sitte für eine Schande angesehenworden, wenn er ihm etwas abgeschlagen hätte. Am Donners-tage, den 27. November 1862 wurde endlich die Besteigungdes Berges gestattet und bei einbrechender Dunkelheit, umAufsehen zu vermeiden, trat der Baron in Begleitung vonDr. Kersten, zwei Führern, drei Negern und drei Elepfanten-jägern die Besteigung des schneegekrönten Berges an.

Diesmal wurde die Höhe von 13,000 Fuß erreichtund würde Hr. v. d. Decken noch höher gekommen sein,wenn seine Begleitung nicht durch die zu dünne Luft gehin-dert worden wäre, sich auch nur in der langsamsten Weisefortzubewegen. Nachts schneite es tüchtig und am andernMorgen sahen die Reisenden dcu Schnee zur Rechten undLinken unterhalb ihres Lagerplatzes liegen. Somit war dieSchneenatnr dieses Berges bewiesen.

Nicht ohne alle Gefahren wurde Massi wieder erreicht.Ein längerer, dem Baron wohl erwünschter Aufenthalt wurde

unmöglich durch die fortwährenden belästigenden Wünschedes Sultans Kimandara wegen Bekriegung der Nachbaren,zu welcher unser Reisender weder Lust noch Veranlassunghatte, und so verließ er am 4. Decbr. 1862 diesen Ortund begab sich, mit Umgehung Duffeta's, nach der Ostseitcdes See's Jiche, erreichte am 16. die Buraberge, am 19.Eudara und am 26. Decbr. Mombas. Den Sylvestcrabendkonnten die braven Reisenden schon wieder auf Zanzibar imgastlichen Hause der Herren O'Swald verleben.

Im Laufe des Jahres 1863 kehrte der Baron nachEuropa zurück, um sich zu einer neuen Forschungsreise aus-zurüsten, die er anzutreten im Begriffe ist. Er hat, wiewir schon früher mitgetheilt, die umfassendsten Vorkehrungenund vielseitigsten Vorbereitungen zu seiner neuen Reise ge-troffen. Sein Ausgangspunkt wird abermals Zanzibarsein. Seine europäische Begleitung wird diesmal aus fol-genden Personen bestehen: 1) Dr. Kersten; 2) einem K. K.Oesterr. Secosficier, der die Führung des Dampfbootes,das der Baron für die Erforschung der Flüsse in Hamburghat bauen lassen, übernehmen wird; 3) einem Medicinerund Zoologen; 4) einem Landschaftsmaler, Fr. Ed. Trennaus Breslau; 5) einem K. Hannov. Oberfeuerwerker;6) zwei Ingenieuren; 7) einem Jäger und Privatsekretairund den erforderlichen Matrosen und Zimmerteuten.

Wünschen wir dem hochherzigen braven Chef der Expe-dition einen günstigen Erfolg und das Glück, mit allen sei-nen Begleitern gesund heimkehren zu können.

Nota 27

Oberst Carl Christian v. d. Decken. 17101769.

(Siehe Seite 78.)

Er trat früh in Hannoversche Militairdienfte und machtemit großer Auszeichnung verschiedene Feldzüge im Oesterr.Erbfolgetriege, sowie im 7jährigen Kriege mit, nachdem er1755 Major und 1757 Oberstlieutenant geworden war.Als solcher im Behr'schen Cavallerie-Regimente stehend,ward er in der Schlacht bei Minden (1759) so schwer ver-wundet, daß er als Oberst seinen Abschied nehmenmußte.

Er war ein schöner, ansehnlicher Mann, von höchstbiederm Charakter. Er liebte gute Menschen um sich zusehen, wie er denn auch überhaupt außerordentlich gastfreiwar. Er ward von seinen Cameraden und allen, die ihnkannten, geliebt und geachtet".

Seine erste Gemahlin, mit welcher er eine äußerstglückliche Ehe führte, war in jeder Hinsicht ein liebenswür-diges Wesen und stand zugleich im Rufe einer ausgezeich-neten Hausfrau. Sie starb zu Schwinge, als sie daselbstmit ihrem Manne bei dessen Bruder zum Besuche sichbefand.

Auch seine zweite Gemahlin wird als eine einsichts-volle, kluge und rechtschaffene Frau geschildert, vorzüglichaber auch als eine gütige Stiefmutter. Sie genoß indeßnur einer schwachen Gesundheit, welche durch den Tod diesesihres geliebten zweiten Ehemannes noch mehr und zwar sosehr erschüttert wurde, daß sie denselben nur wenige Jahreüberlebte.