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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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tung. Ihr daselbst hängendes Oelbild erinnert an die edleGcberin.

Außer den hohen Arinengeldern, welche von den Keh-dingschen Gütern gezahlt werden müssen, ließ sie durch denVerwalter derselben alljährlich 50 H und viele Naturalienan Hilfsbedürftige vertheilen. Mehre Kinder herunterge-kommener Pächter ließ sie ans ihre Kosten erziehen und armeKranke heilen. Bei Sammlungen für mildthätige Zweckebetheiligte sie sich reichlich und übte Wohlthätigkeit nachallen Seiten, wie sie auch eine milde und fürsorgende Guts-herrin war. Diesen Eigenschaften hatte sie es zu danken,daß ihre Meier von den ihr sehr unangenehmen Ablösungs-gesctzen nur selten Gebrauch machten. Die Zehntpflichtigenzu Schwinge schlössen die diesen Gesetzen entsprechenden Ab-lösnngsverträge zwar ab, verpflichteten sich aber dennochfreiwillig, den Kornzehnten während der Lebenszeit derHanptmannin unverändert zu leisten.

Ihr Wohlthätigkeitssinn hatte sich in noch verstärktemMaße ans ihre nnvcrheirathete Tochter Doris vererbt, welcheder Mutter bis zu deren Tode treu zur Seite stand und esals die Aufgabe ihres Lebens erkannte, die ihr verliehenenMittel zur Unterstützung Hilfsbedürftiger und zu mildenZwecken jeder Art in kaum glaublicher Ausdehnung zu ver-wenden.

Unsers Hanptmannin interessirte sich lebhaft für diePolitik, insbesondere für die desfallsigcn Verhältnisse ihresengeren Vaterlandes. Sie war eine entschiedene Royalistin,aber zugleich Aristokratin im besten Sinne des Wortes. Siehielt die wirksame Theilnahme eines grundbcsitzenden Adelsan den öffentlichen Angelegenheiten für das nothwendige Er-forderlich einer heilsamen Landesverfassung und es war ihrein erhebendes Bewußtsein, einer Familie anzugehören,deren Mitglieder in der Vergangenheit wie in der Gegen-wart durch Rechtschaffenheit und Vaterlandsliebe sich hervor-gethan, mit Treue im Rathe des Landes und seiner Fürstengesessen und zu den tapfersten Kriegern gezählt hatten. DieseEigenschaften auch auf die späteren Generationen zu ver-pflanzen, war ihr eifrigstes Bestreben.

Zur Zeit der Ritter- und Landtage pflegte sie sich inStade aufzuhalten und empfing dann die Besuche der Mehr-zahl der Mitglieder der Bremischen Ritterschaft. Sie theiltedenselben ohne Rückhalt ihre Ansichten über die zur Ver-handlung stehenden Gegenstände mit, welche gewöhnlich alsdie richtigen erkannt und befolgt wurden. Dabei war siefern von jeder Einseitigkeit und treu zugethan ihren Freun-den und denen, die ihr Dienste erwiesen hatten, mochten siedem Adel-, dem Bürger- oder dem Bauernstande angehören.

Sie verachtete den Hochmuth und den Stolz, welcher nurauf äußere Gaben und Vorzüge sich stützt, selbst aber nichtsTüchtiges leistet. Ihre dem öffentlichen Besten stets zuge-wandten Bestrebungen hatten sie, namentlich zur Zeit derFremdherrschaft, mit vielen Bürgern der Stadt Stade, inder seit Jahrhunderten so viele ihrer Vorfahren gelebt undgewirkt hatten, in nähere Beziehungen gebracht, welche siebis an ihr Ende unterhielt.

Ihre Lebensweise war einfach, regelmäßig und ohnejeden unnöthigcn Aufwand. Das ausHausmannskost"bestehende Mittagsmahl wurde nach alter Sitte umhalb 12 eingenommen, das Abendessen, dessen Hanptbestand-theil kalte Milch ausmachte, um halb 7 Uhr. Sie warsparsam und vermehrte ihr und ihrer Kinder Vermögen,aber nicht aus bloßem Wohlgefallen an den irdischen Gü-tern, sondern weil sie in denselben das nothwendige Mittelerkannte, Gutes thun und eine wirksame Lebensstellung ein-nehmen zu können, wozu sie den Adel vorzugsweise berufenerachtete.

Der neueren Auffassung des Christenthums entschiedenabhold, hatte sie einen tief religiösen Sinn und ein festesGottvertranen, welches ihr die Kraft verlieh, auch die schwer-sten Schläge des Schicksals in dcmüthiger Ergebung zu er-tragen.Sturm's Morgen- und Abend-Segen" und späterZschokkc's Stunden der Andacht ließ sie sich täglich vorlesennnd sagte Gellcrt's geistliche Lieder und viele Bibelsprücheoft laut her. Die liebsten Predigten waren ihr die überGottes Allmacht nnd Güte.

Sie war eine liebevolle und sorgsame Mutter und diekundige Leiterin aller Verhältnisse ihrer Familie. Es warihr beschieden, ihren Ehegatten in die frühe Gruft gehen,sowie ihre sämmtlichen 5 Söhne, eine Tochter, ihre 16-jährige Großtochter, Hedwig von dem Bnssche, an der siemit ganzem Herzen hing, und deren Vater, den sie wieihren eigenen Sohn liebte, vor sich dahin sterben zu sehen.Sie erkannte in diesen sie schwer darnieder drückenden Fü-gungen den Finger Gottes und beugte sich demselben inDemuth und Ergebung.

Sie erfreute sich einer kräftigen Gesundheit, war vonmittler Größe und ihr wohlgcbildetes Antlitz mit den klarenklugen Augen ließ die großen Gaben ihres Geistes und Ge-müthes schon äußerlich erkennen.

Ihr gut getroffenes Bild befindet sich in den Händenihrer zahlreichen Verehrer.

Sie starb nach kurzer Krankheit, nachdem sie über 72Jahre in Schwinge gewohnt hatte, daselbst in ihrem 89.Lebensjahre bei fast nngeschwächten Geisteskräften.