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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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stadt noch in der Gewalt der Feinde nnd die rechtmäßigeRegierung noch nicht wieder hergestellt, von dorther alsoauch Geld nicht zu erwarten war, erließ unsere Hauptmanninin Gemeinschaft mit der damaligen Nitterschaftspräsidentinvon Marschalck, gebornen von der Decken, nicht nur öffent-liche Aufforderungen zu patriotischen Beiträgen au Geldund Kleidungsstoffen, sondern schenkte selbst mehre Tausendebaareu Geldes nnd viele Ausrüstnngsgegenstände dazu. ZurHerbeischasfung der Geldmittel, deren Anleihe in jener kriege-rischen und geldarmeu Zeit nicht sofort zu bewerkstelligenwar, verkaufte sie, unter Mitwirkung ihres Sohnes Claus,ihr bedeutendes, seit langen Jahren von den Vorfahren an-gccrbtcs Silberzeug.

Ihre Patriotische Gesinnung bewirkte in ihr eine großeVorliebe für die Russen, weil sie in denselben die Befreierihres Vaterlandes von der Herrschaft der Franzosen erkannte.

Der Russische General Stroganoff versuchte im No-vember 1813 zwei Male vergebens, das feste Stade zuerstürmen. Er hatte in dieser Zeit sein Hauptquartier inSchwinge. Er und die seinigcn wurden dort ausgezeichnetbewirthet; für die Pflege der dahin geschafften Verwundetensorgte die Hauptmannin mit großer Aufopferung nnd per-sönlicher Hülfcleistnng. Nachdem der zweite Sturm, am24. November, abermals abgeschlagen war (wobei die Russen300 Mann verloren'), verließen in der folgenden Nachtdie Franzosen (3000 Mann) ganz unerwartet Stade undschifften sich in Twielenfleth unter Zurücklassung vieler Pferdeund sonstigen Materials nach Hamburg ein.

Am 25. November zogen die Russen unter unendlichemJubel in Stade ein. Zur Feier der damit beschafften Be-freiung der Hauptstadt des Herzogthums von den Franzosenund zur Ehre der Russen gab unsere Hauptmannin vonSchwinge, wie sie allgemein genannt wurde, am 1. Dccbr.1813 einen reich ausgestatteten Ball auf dem großen Saaledes Stader Rathhanses, wozu sämmtliche Russische Officiere,alle gut gesinnten Honorationen und Bürger der Stadt,sowie viele Auswärtige geladen nnd erschienen waren. Einerauschende Musik erschallte von den vereinigten Mnsikbandcnder Russischen Regimenter; es wurde an vielen Tischen ge-speiset; zahlreiche patriotische Gesundheiten wurden sowohlvon der Gastgeberin, wie von den Gästen ausgebracht undes herrschte eine freudig erhobene Stimmung, wie man sieseit langer Zeit nicht gekannt hatte.

Ihre Zuneigung zu den Russen bereitete unserer Haupt-mannin hin nnd wieder auch Verlegenheiten, welche ihreGeistesgegenwart aber bald zu beseitigen wußte. Als siegleich nach dem Einzüge der Russen in Stade in der Freude

0 Hicrbci zeichnete sich besonders der Commandeur des Regiments Sa-ratoff, Graf Rosiigniae, ans, welcher zuerst in den Festnngsgraben sprang, dabeiaber, wenn ich nicht irre, seinen Tod fand. Sein weißer Schimmel lebt nochim Andenken der alten Stader fort.

ihres Herzens unter Begleitung ihrer beiden schönen undkräftigen Töchter, der Frau von dem Bussche nnd der damalsnoch unverhciratheten Cäcilie, eine im Hattensancr'schcnHause am Pferdemarktc feiernde Gesellschaft von Kosackenbesuchte, bekundeten dieselben ein solches Wohlgefallen anden Töchtern, daß ein schnell nnd geschickt bewerkstelligterRückzug den Umständen entsprach. Ein anderes Mal fuhrsie mit ihren Töchtern durch eine Abtheilung im Freienlagernder Russen. Erst in deren Mitte erkannte sie den be-rauschten Zustand derselben. Sie nahm daher dem Einendie Flasche ans der Hand, that, als ob sie daraus tränke,brachte die Gesundheit des Kaiser Alexander aus und fuhrwährend der dadurch hervorgerufenen freudigen Stimmungder russischen Soldaten schleunigst von dannen.

Nach dem Abschlüsse des Friedens übergab sie den bei-den Söhnen die Güter Ritterhof nnd Knkcnbüttel nnd denTöchtern Capitalien. Später trat sie auch die übrigenGüter den Söhnen ab; nur das Gut Schwinge behielt siefür sich bis zu ihrem Tode.

Im October des Jahres 1821 besuchte der KönigGeorg IV. Hannover, welches seit 60 Jahren den Landes-herrn nicht in seiner Mitte gesehen hatte. Dieses freudigeEreigniß veranlaßte einen großen Theil des HannvvcrschcnAdels, dem Könige persönlich seine Huldigungen darzubrin-gen. Die echt Königliche Gesinnung unserer Hauptmannin,welche damals ihr 62. Lebensjahr bereits überschritten hatte,trieb auch sie dazu, in Begleitung ihrer beiden jüngstenTöchter sich nach Hannover zu begeben. (Ihr Bruder warzu der Zeit erster Minister daselbst.) Gleichzeitig hatte sicheine große Anzahl von Mitgliedern der Decken'schen Familiedort eingefunden. Bei der Hauptmannin lebhaftem Interessefür ihre Familie ließ sie, als gerade in jene Zeit der Jahres-tag der Schlacht von Leipzig einfiel, durch ihren Sohn Clausam 18. October zu Herrenhausen ein gemeinsames Mittags-mahl der in Hannover anwesenden Familienglieder veran-stalten, um dadurch zugleich ein patriotisches nnd ein Fa-milienfest zu feiern. Es nahmen 15 weibliche nnd 28männliche Decken's daran Theil.

In der Nacht vom 14./15. Mai 1824 brach im DorfeSchwinge eine Feuersbrunst aus, welche 11 Gebäude inAsche legte, die Abgebrannten eines großen Theiles ihresViehes nnd ihrer sonstigen beweglichen Habe beraubte nnddieselben dadurch in tiefe Bedrängnis setzte. Da half dieHauptmannin nicht nur selbst mit großer Freigebigkeit sofortdurch Geld, Kleidungsstücke nnd Lebensmittel, sondern siebesorgte zu Gunsten der Abgebrannten auch eine Samm-lung bei ihren Verwandten, welche einen reichen Ertraglieferte.

Als in den Jahren 18401842 das städtische Kranken-haus zu Stade erbauet und eingerichtet wurde, schenkte sienicht nur erhebliche Geldsummen dazu, sondern zahlte auchfortdauernd bedeutende Jahresbeiträge zu dessen Unterhal-ts