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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
Entstehung
Seite
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123Nota S4.

Minister Clans v. d. Decken eirca 1742182«.

(Siehe Seite 74.)

Dieser große, weise und tugendhafte Staatsmannward zu Rittershauscn im Lande Kehdingen ans einer Fa-milie geboren, die zu den ältesten, ansgebrcitesten und ver-dientesten adelichen Familien der Hannoverschen Lande ge-hört". So beginnt etwas sehr pomphaft eine kurzeBiographie des Ministers (von Rotermnnd) imNeuenNccrologe der Deutschen".

Sorgsam, aber einfach im väterlichen Hause erzogen,wuchs er kräftig an Körper wie an Geiste auf. Die ratio-nale Erziehung, welche er erhielt, reifte frühzeitig in ihm einlebhaftes Gefühl für Recht und Billigkeit, welches ihn seinganzes Leben hindurch geleitete. Wahre Menschenfreundlich-keit war der herrschende, der Grund-Zug seines Charakters.Diese, wie der richtige Blick, der ihm eigen war, sein aus-dauernder Geschäftsfleiß und die umfassende Kenntniß desLandes, welche er sich allmählig erwarb, bewirkten, daß er,siegend über manche Hindernisse und Neider, schnell voneiner Ehrenstufe zur andern emporstieg und der Liebling desVolks ward.

Dasjenige, was er in einem langen Zeitraume undzum Theile in den schwierigsten Lagen für das wahre Bestedes Landes gewirkt hat, ist freilich weil er seine Hand-lungen nie zur Schau stellte und seiner großen Seele dasredliche Streben an sich allein genügte bis jetzt wenigerallgemein bekannt geworden, als es so sehr verdient hätte.Eine gerechte Würdigung und Anerkennung dessen bleibtnoch einer spätern Darstellung der Geschichte unsers Vater-landes vorbehalten.') Alle die aber, welche ihm näher standenund daher sein Fühlen und Denken, sein Thun und Lassengenauer zu beobachten Gelegenheit hatten, fand man erfülltvon der Erhabenheit seines Charakters und von dem vielenGuten, welches er gestiftet, dem Segen, welchen er in denweitesten Kreisen verbreitet hat.

Unser Decken bezog 1760 die Universität zu Göttingen,auf welcher er sich gründlich mit den juristischen und nament-

tz Aber doch auch schon Hcwcmaim, in seiner Geschichte der Lande Braun-schweig und Lüncbnrg (3. Theil, Göttingcn 1857, pnZ'. 127), sagt:Nachdiesen Ereignissen (1803) tauchte in dem bis dahin schriftenarmcir Lande (Han-nover) eine Unzahl von Flugschriften ans, theils in bittern Schmähungen oder

scharfen Anklagen sich ergehend . Mit besonderer Bitterkeit wurde die

bevorzugte Stellung des Adels und der ungcmessene Einfluß der Sekretärin! imMinisterium verfolgt. Keiner der Minister entging den Angriffen, bis auf deninzigen von der Decken, der, ein Mann von richtigem Blicke und flecken-losem Charakter, in der Stunde der Noth und Gefahr muthig in Hannoverausharrte. Auch die heftigsten Partcischriften wagten es nicht, diesen gewissen-haften Diener seines Herrn anzufechten".

lich auch den kameralistischeu Wissenschaften bekannt machte.Nach rühmlichst bestandenem Examen ward er 1764 alsCanzlei- und Hofgerichts-Auditor in Stade angestellt. Schon1766 avancirte er zum Justizrathe und Hofgerichts-Assessordaselbst.In diesen Aemtern rechtfertigte er durch seinennncrmlldeten Fleiß die Wahl seiner Obern. In allen sei-nen Arbeiten besaß er das schöne Talent, ans den vcrwickclt-stcn Acten den eigentlichen Fragpunct mit sicherm Blickeheraus zu heben und den stärksten Eutscheidungsgruud zu-erst in solcher Klarheit hinzustellen, daß es schwer war, sei-ner Stimme den Beifall zu versagen". (Necrolog).

Er ward 1772 als Kammerrath nach Hannover ver-setzt, kehrte aber schon 1779 als Regicrungsrath nach Stadezurück. Bei dieser Veranlassung wurde er (in Beziehungauf den Umstand, daß er in kurzer Zeit der dritteRegicrungsrath in Stade aus der Familie v. d. Decken war)mit folgenden Strophen begrüßt:

Osolcsnia a, Oöcllcenia, a nollis cksstirps, sull oininslauste»,

üonittn/ tsrtius sxoipsris.LrA0 ter lslix esto Tua oura lullorgusNollis, tsr lvlix vita sslusgruz M1>i!

Solcher Wunsch und solche Erwartung gingen dennauch in voller Maaße in Erfüllung. Am 19. Januar 1796erhielt Decken den Titel Geheimer Rath, trat aber schonam 26. Juni desselben Jahres als wirklicher Staats- undCabinets-Minister in die Regierung zu Hannover ein, wäh-rend er zugleich zum zweiten Curator, 1802 aber zum er-sten Curator der Universität Göttingcn bestellt wurde, welcherer fortwährend eine große Fürsorge widmete.

Das Unglücksjahr 1803 brachte einen Weudepunct in dasLeben des Ministers. Die Haunoversche Regierung mußteeiner Französischen weichen. Indessen blieb er, trotz seinerStellung als Minister, in Hannover selbst, um wenigstens soviel irgend möglich durch seinen Einfluß zu Gunsten desLandes zu wirken. Bei der hohen Achtung, welche ihm selbstdie Franzosen zollen mußten, fand er in der That vielfältigGelegenheit, seinem geliebten Vaterlande zu nützen und man-ches Unheil von ihm abzuwenden.

Als nun aber im Jahre 1813 dem Minister Deckenim tiefsten Vertrauen mitgetheilt wurde, daß die Fremd-uud Gewaltherrschaft ihn als Geißel wegzuführen beabsich-tige, erst da verließ er heimlich Hannover, begab sich beiAnnäherung der alliirten Armeen zunächst nach Hamburg! und dann nach Rostock. Bald nach seiner Entfernung aus^ Hannover ward Beschlag auf sein Vermögen gelegt, sowie

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