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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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jedoch verschuldeten und zerstreut liegenden Grundbesitz. Erstarb im Jahre 1794, zu jener Zeit, in welcher die furcht-baren Einwirkungen der ersten französischen Revolution ausDeutschland begonnen hatten und alles Bestehende zu ver-nichten drohetcu. Dennoch übernahm unsere Dame ganzallein die Vormundschaft und damit die Erziehung von 3Söhnen und 4 Töchtern, sowie die schwierige Verwaltungvon 7 Gütern.

Die älteste Tochter, Charlotte, starb indessen bereits1797 in dem blühenden Lebensalter von 18 Jahren.

Die Söhne ließ die Hauptmannin für den Dienst desKönigs ausbilden und zwar den ältesten und jüngsten fürden Krieg, dessen lange Dauer damals vorauszusehen war,den mittleren, Clans, dagegen für den Civildienst. Diebeiden Militairs traten hiernächst in die Englisch-DeutscheLegion. Von diesen starb Friedrich Claus Bcnedict alsLieutenant 1811, während Friedrich Wilhelm als Lieutenantund Rittmeister im 1. Hnsarcnregimente an den hervorra-genden kriegerischen Thaten dieses Regimentes, welches mitgeringer Unterbrechung 19 Jahre vor dem Feinde stand,sich bethciligte. Als im Jahre 1819 der Kaiser Napoleonim spanischen Kriege, in dem das 1. Husarenregiment mit-zukämpfen hatte, bekannt machen ließ, daß die Güter der-jenigen aus dem in der Gewalt des Kaisers befindlichenChurfürstenthume Hannover gebürtigen Officiere, welche inder Englisch-Deutschen Legion dienten und nicht sofort inihr Vaterland zurückkehren würden, confiscirt werden sollten,glaubte, nebst vielen Andern, auch unser Friedrich Wilhelm,diesem Befehle seines thatsächlichen Landesherrn folgen,zugleich seiner Mutter beistehen zu müssen. Er hatte dem-nach in der That das Regiment bereits verlassen, um sichnach Schwinge zu begeben. Aber die Mutter schrieb ihm,daß für die Erhaltung der Güter sie schon sorgen, ihrenSohn vor Beendigung des Krieges aber nicht wiedersehenwolle. Er kehrte zu seinem Regimente zurück und theiltedessen fernere Mühen und Gefahren bis zur Auslösungder Legion.

Die heilsamen Einwirkungen einer einfachen und kräf-tigen Erziehung traten besonders bei dem Sohne Claushervor. Derselbe studirte die Rechtswissenschaft, wurdedemnächst Drost und später Oberhauptmann. Im Jahre1813 rief der Befreiungskrieg aber auch ihn zu den Waffen.Er trat Anfangs in das Corps der Kielmansegge'schenJäger, errichtete aber bald auf eigene und der Mutter Kostenzwei Compagnien Harzer Schützen, die er als selbstständigeAbtheilung commandirte. Er war ein biederer, wohlthuen-der und thatkräftiger Mann, von festem Charakter und echtconservativer Gesinnung, der in weiten Kreisen in hoherAchtung stand.

Die Verwaltung der Güter besorgte die Mutter mitseltenem Geschicke. Trotz der Ungunst der Zeit, des Krieges,der feindlichen Oceupation und der erheblichen Kosten, welche

sie auf die Erziehung der Kinder verwandte, befreite sie dieGüter nicht nur von den darauf haftenden Schulden, son-dern kaufte auch noch das Gut Schölisch au.

Sie legte großen Werth auf die Erhaltung und Ver-mehrung des Grundbesitzes und äußerte oft, daß nur mittelstdesselben der Adel erhalten werden könne.

Auch die Güter ihres Schwiegersohnes, des nachherigenGenerallieutenants August v. d. Bussche, welcher gleichfallsin der Englisch-Deutschen Legion diente, während dessen Frauund Tochter bei der Mutter resp. Großmutter in Schwingelebten, verwaltete sie unter schwierigen Verhältnissen mitgutem Erfolge.

Zur Zeit der Oceupation unseres Landes durch dieFranzosen (1893) traten fast alle jüngeren Söhne des Bre-mischen Adels in die Englisch-Deutsche Legion (vergl. Nota2 96 irr llns), um in Spanien den Feind zu bekämpfen,dem im Vaterlande vorerst nichts anzuhaben war. Alsgleichwohl noch einige junge Edelleute zurück gebliebenwaren, ließ unsere Hanptmannin dieselben auffordern, ihrerPflicht gemäß dahin zugehen, wohin sie gehörten. Ans dieErwiederung, daß sie nur durch den Mangel der erforder-lichen Geldmittel zur Reise und zur Equipirung von demEintritt in den gedachten Militärdienst zurück gehaltenwürden, übersandte sie denselben sofort das Fehlende undhatte die Freude, ihre Schützlinge später als ausgezeichneteOfficiere der Legion anerkannt zu wissen. Dieselben kehrtennach dem Frieden auch heim, wiewohl thcilweise schwer ver-wundet, und zahlten dankbar die Schuld zurück, die ihnenohne Aussicht auf Erstattung behändigt worden war.

Die Hanptmannin war eine eifrige Patriotin und haßtemit der ganzen Kraft ihres starken Geistes die aufgedrungenefranzösische Regierung und deren Einrichtungen, welche siemit dem Lande 19 Jahre hindurch widerwillig ertragenmußte. Ihr offener und entschiedener Charakter vermochtediese Gesinnung auch nicht zu verbergen. Wie die Franzö-sisch gesinnten oder politisch schwankenden Personen sie daherfürchteten und nicht wagten, sich ihr zu nahen, so entgingsie den Verfolgungen der französischen Regierung, welche sieals Geißel nach Paris zu führen und somit ihren bedeutendenEinfluß zu beseitigen beabsichtigte, nur durch den schleunigstgefaßten und zur Nachtzeit vollführten Entschluß der Fluchtnach Glückstadt, Pinneberg und Altona, wo sie mit ihrenTöchtern längere Zeit versteckt lebte.

Die im Jahre 1813 anhebende Befreiung und dieRückführung des Landes zu seinem angestammten Könige,dem sie ausrichtig anhing, regte sie mächtig an und veran-laßte sie zu den aufopferndsten Handlungen warmer Vater-landsliebe.

Als damals im Herzogthum Bremen zur Beseitigungder französischen Herrschaft freiwillige Truppencorps errichtetwurden, zuerst im Hanuoverschen Lande und zu einer Zeit,wo der übrige Theil des Churfttrstenthums mit dessen Haupt-