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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
Entstehung
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Trotzdem fiel die Erziehung des Joachim offenbar nur man-gelhaft ans; er konnte weder lesen noch schreiben undseine Sitten ließen vieles zu wünschen übrig. Dagegenscheint das Vermögen, welches ihm sein Vater hinterlassen,durch die vormundschaftliche Verwaltung eben keine Beein-trächtigung erlitten zu haben. Daß dasselbe sehr beträcht-lich war, geht ans den Acten der vielen Processe, in welcheJoachim später verwickelt wurde, mehrfach hervor. Sosagt der Erzbischof als Obervormund bei einer Gelegen-heit selbst:Joachim habe von seinen Aeltern geerbt nichtnur Hans und Hof, stattliche Meyer und Zehnten und andereliegende Gründe qnit und frey, sondern auch daneben über-aus große stattliche Baarschaftcn und ausstehende Gelder,auch viele stattliche Kleinodien und Vorrath, also daß erein vornehmer, wohlhabender und äußerst begüterter vonAdel gewesen; als er indeß geheirathet, so hätten beideEhelente ein solches verschwenderisches Leben geführt, daßsie in wenig Jahren nicht nur die von ihren Aeltern geerbtengroßen Baarschaften dnrchgebracht, sondern auch ihre lie-genden Güter theils verkauft, theils dergestalt verschuldethätten, daß sie sehr bald an den Bettelstab gekommen seinwürden, wenn nicht ein Einsehen geschehen und ans Drin-gen der beiderseitigen Verwandten eine Cnratel oder Admi-nistration angeordnet wäre."

In der That scheint Joachim seine dissolute Lebens-weise hauptsächlich erst begonnen zu haben, als er sich imAlter von 28 Jahren (1585) mit Christine v. Plate verehe-lichte. Ich will hier gleich, des Zusammenhanges wegen,noch einige Beiträge zu deren Charakteristik sx aotis liefern.Ihr eigener Oheim, der Bürgermeister Johann v. Plate,äußert sich svlgendergestalt:Joachim habe, als er dieChristine zum Eheweib genommen, ein stattlich ansehnlichGut, sowohl an liegenden Gründen, Zehnten und Meyer-Höfen, als an Baarschaft gehabt, so jährlich ein Großes ge-tragen. Er sei auch, so lange er die Güter selbst verwaltet,bei gutem Wohlstände geblieben. Als ihn aber seine Frauvon der Administration verdrängt und sich derselben mnth-willig angemaßt habe, sei durch ihre Schuld und Verursa-chung alles den Krebsgang gegangen. Sie habe auf ihreHaushaltung nicht gesehen, viel unnützes Gesinde gehalten,unnütze vergebliche Baue mit großen schweren Kosten ange-fangen, Processe, deren man wohl enthoben sein können, undsonsten ihren Gefallens angestellet, einem hie dem andern

Dwscr Mangel muß freilich selbst in den damaligen Zeiten, sogarunter den höheren Ständen noch sehr verbreitet gewesen sein. Konnte dochsogar der Bürgermeister Dittmcr v. Plate (15991540) weder lesennoch schreiben und sein Sohn, der Kchdinger Grase Sylvester v. Plate0 1589) wenigstens nicht schreiben. Solche Leute müssen nothwendig ihreGehülfen gehabt haben, .welche alle Amtsgcschäftc für sie besorgte».

da mit großen Geschenken und Gaben verehret, öfters ohneNoth und Ursache gcreiset, und endlich also hausgehaltenund also mit dem großen Löffel ausgeschöpfet, daß sie nichtallein ihren Ehemann in Schulden gesetzt, sondern ihn auchnicht länger bei sich leiden wollen und ihm die ehelichePflicht versagt."

Anderer Scits wird bezeugt:Christine habe sich vonihrem Manne eigenmächtig getrennt, ihre eigene Hanshal-tung angestellt, in offenen Wirthshäusern mit großen Un-kosten gelebt und auf den alten Keiser, wie man zu sagenPflege, hinein gezehrt, daneben sich durch alte verdächtigeWeiber bald an diesem bald an einem andern Orte großeSchätze zu finden und zu graben überreden und zu großeraber vergeblicher Geldspildnng verleiten und verführenlassen." Endlich:Christine sei von Haupt und Gemütheetwas wunderseltsam und mehr einen: Manne als einerFrauensperson gleich; schon gleich im ersten Jahre habe sie,so zu sagen, die Hosen ihres Eheherrn angezogen."

Als eine Art virnAo wird Christine in der That auchdurch die facta dargestellt, daß sie nicht nur zur Betreibungihrer Processe mchrfältig ganz allein Reisen nach Speierunternahm (wo sie denn auch endlich zur ewigen Ruhe ge-langte), sondern auch ihre fetten Ochsen zu Markte nachLünebnrg w. ja sogar nach Lübeck begleitete.

Sie war als einziges und daher auch wohl verzo-genes Kind des Stader Rathsherrn Garlcf v. Plateund der Geseke v. d. Decken nicht unbemittelt. Abgesehendavon, daß sie eine bedeutende baare Mitgift erhielt, erbtesie auch von ihrem Vater welcher noch in dein Jahreihrer Vermählung starb ein großes Hans in Stadc, 3Meycrhöfe und eine Käthe zu Walderste oder Wollerste undSehedorf (Wohlerst, A. Harsefeld und Secdorf, A. Zeven),einen, freilich streitigen, Zehnten zu Nindorf und dergl mehr,sowie auch von zweien ihrer Mutter-Brüder Capitalien.

Schon einige Jahre nach ihrer Vcrheirathung, Ostern

1590, brachte sie es wie bereits angedeutet dahin,daß ihr Ehemann ihr die Verwaltung seines Vermögens ans5 Jahre überließ. Dieses dauerte aber nur bis 1. August

1591, wo ihr ans Joachims Antrag er beklagte sich u. A.,daß seine Frau ihm jährlich nur 300 Thlr. Alimente zu-kommen lassen wolle die Administration wieder abgenom-men und dem Verwalter Caspar Schulte übertragen wurde.Später ward eine förmlich-gerichtliche Vermögens-Curatelfür beide Ehelente nöthig. Als Kuratoren wurden der Land-rath Claus v. d. Decken auf Stellenfleth (III. Linie) undHeinrich v. d. Decken ans Gauensiek (IV. Linie) bestellt.Damals fand sich, daß die Ehelente gu. nicht nur bereitsviele Immobilien hatten verkaufen müssen, sondern auchüber dem noch 40000 Mark Schulden contrahirt hatten. Zusolchen Immobilien gehörten u. A.:

1) ein sog. Garteninnerhalb der Ringmauern der