Druckschrift 
Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

95

sein Bataillon zusammen zu halten suchte, vom Pferde warfund hiermit der letzte Halt schwand. Fast das ganze Ba-taillon lag an der Erde, da die Leute theils niedergehauen,theils niedergeritten waren, theils sich auch selbst niederge-worfen hatten, um den Hieben der wüthenden Dragoner zuentgehen.

Der Rittmeister v. Reitzenstein, Commandant der 2.Schwadron, hatte schnell die Absicht seines Cameraden be-griffen und führte seine Schwadron, der 3. fast in gleicherRichtung folgend, dicht an dem Platze, wo diese so glänzendeErfolge errang, vorbei, auf die Höhe, wo beide Bataillonedes französischen leichten Regimentes ein einziges Quarreegebildet hatten. Dasselbe hatte das Schicksal seiner Came-raden vor Augen und begann vor den, ungeachtet des, aller-dings nicht steilen, Abhanges in voller Carriere heranjagendenReitern zu wanken, welche auch ein zwischenliegender Gra-ben in ihrem Siegeslaufe nicht zu hemmen vermochte.Nichtsdestoweniger war das in großer Nähe abgegebeneFeuer der Franzosen mörderisch genug; Lieutenant Tappefiel schwer verwundet und eine Menge Leute und Pferdestürzten. Allein die brave Schwadron, durch die rühmlicheThat der 3. angefeuert, brach trotzdem in das Quarree,welches das Schicksal des 1. theilte und sich gänzlich anflö-sete. Vorzugsweise war das Kartätschcufeuer für dieseSchwadron verderblich und es stürtzten beim Nachsetzen derFliehenden eine Menge Leute und Pferde; namentlich auchden Lieutenant v. Heugel tödtete ein Kartätschenschuß zu-sammt mit seinem Pferde.

Es war unmöglich, mit der durch den Einbruch aufge-löseten und durch den Verlust so sehr geschwächten Schwadrondie ganze Masse des Regiments zu Gefangenen zu machen.Trotz der größten Anstrengung von Seiten der Officiere undUnterofficiere der Schwadron gelang es einem kleinen Theileder Feinde, sich den Schwerdtstreichen der Deutschen zu ent-ziehen und auf der Höhe eine Art von Quarree zu bilden,um so, geschlossen, ihre Cameraden zu erreichen.

Auch war etwas Cavallerie zur Unterstützung heran-gekommen.

Nun war aber auch das 2. deutsche Dragoner-Regi-ment aufmarschirt. Die 3. Schwadron desselben, unter demRittmeister Carl v. Marschalk, welche dem Schauplatzeberegten Ereignisses am Nächsten war, ging rasch an den,im Znsammentreiben der Gefangenen und Ralliren begrif-fenen beiden Schwadronen des 1. Regiments vorüber; ihrfolgte unmittelbar die linke Compagnie der 2. Schwadrondes 2. Dragoner-Regimentes unter Lieutenant v. Fumetty.Die feindliche Cavallerie ward von diesen beiden Abtheilun-gen rasch geworfen und ein energischer Angriff auf die er-wähnte Infanterie führte zu derem völligen Zersprengen.

Es hatte nun inzwischen die ganze übrige französischeArriergarde Halt gemacht und die Infanterie hatte Quar-ree's formirt. Dieser eines, das 69. Linien-Regiment,

unterstützt durch einige Cavallerie griffen gedachte Offi-ciere an; allein ein heftiges Feuer, wodurch der Rittmeisterv. Uslar-Gleichen getödtet, der Lieutenant v. Fumetty ver-wundet und eine Menge Leute und Pferde hingestreckt wur-den, setzte den Anstrengungen der Dragoner eine blutigeSchranke entgegen.

Die erlittenen Verluste, die Erschöpfung von Mann-schaft und Pferden, sowie die Haltung der Division Foy,ließen es nicht rathsam erscheinen, zu neuen Angriffen zuschreiten, denen außerdem noch der oben erwähnte BefehlWellington's, keine Infanterie anzugreifen, entgegenstand.Es mußte sich deshalb die Brigade mit den glorreichen Er-folgen, die sie errungen, begnügen.

Glorreich waren diese Erfolge gewiß zu nennen: 1500Mann Gefangene, der Oberst Molard an der Spitze. Außer-dem wurden viele Pferde und Maulthiere, 100 Schweine,3000 Schaafe nebst 1 Pulverwagen erbeutet.

Aber auch herbe Verluste hatte die Brigade zu bekla-gen. Es waren getödtet, verwundet und vermißt (von letz-teren nur 5 Mann und 4 Pferde, sämmtlich verwundet) imGanzen 6 Officiere, 121 Unterofficiere und Dragoner,sowie 140 Pferde.

Ein großer Theil der verwundeten Unterofficiere undSoldaten starb im Hospitale zu Salamanca an den erhal-tenen Wunden.

Dem Rittmeister Decken, welcher zuvörderst in ein Hausnach Garzia Hernandez getragen war, wurde Nachmittagesdurch den Dr. Großkopf an der Seite des Kniees die Ku-gel herausgeschnitten und er sodann Tages darauf nach Sa-lamanca gebracht, nebst dem damaligen Cornet Fischer,welcher von einem heftigen Fieber befallen war. Nach eini-gen Wochen fand sich Fischer so weit hergestellt, daß erseinen Rittmeister Decken besuchen konnte; er traf ihn aberschon sehr verändert; eine übermäßige Eiterung rieb dieKräfte des Verwundeten auf; auch kam dazu noch einClima-Fieber und die Ruhr, so daß der junge Held am 16.September entschlief. Er wurde in einem Hofe bei einerCapelle in Salamanca beerdigt. Der nachherige GeneralGraf Georg v. d. Decken und mehrgedachter Cornet Fischerwaren die einzigen Officiere, welche der Leiche folgten;durch einen katholischen Priester wurde das Grab eingesegnet.

Groß war die Anerkennung, welche das so höchst aus-gezeichnete Benehmen der Bockschen Brigade in diesem hei-ßen sieggekrönten Kampfe selbst in den weitesten Kreisenfand.

Wellington, der sonst mit seinem Lobe so karge eiserneHerzog, unter dessen Augen das Gefecht Statt gefundenhatte, drückte nicht nur seine Zufriedenheit dadurch aus, daßer eine Ehrenwache von 1 Rittmeister, 1 Lieutenant und40 Mann aus der Brigade um seine Person erwählte undderselben eine 2tägige Rast auf dem Kampfplatze gewährte,sondern er sagte auch in seinem officiellen Berichte: