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Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
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Folge jener Erzbischöflichen Invasionen ins Land Kehdin-gen eingewandert, nicht aber, durch selbige getragen, dorteingedrungen sein.

Diese schlössen sich, wie natürlich, hiernächst allmähligallen Verhältnissen und Gewohnheiten des daselbst vorgefun-denen zahlreichen Adels mit dem sie auch zum Theileschon von früher her bekannt und verwandt sein mochtenan und führten fortan ein Dasein, wie letzterer, laut desvorigen Paragraphen.

Ich zähle min zu solchen damals eingewanderten Fa-milien namentlich die nnsrige, und zwar deshalb, weil siefrüher im Amte Neuhaus als im Lande Kehdingen ange-troffen wird (vicl. H 1). Auch dürfte diese Einwanderungbereits im Anfange des 14. Jahrhunderts Statt gehabt haben,weil Alles darauf hindeutet, daß die v. d. Decken schon sehrfrüh in Kehdingen ansässig gewesen seien (vergl. H 1 inkins).

Ucbrigens bleibt es bei alledcm aber auch sehr gutmöglich, daß dieselben ursprünglich dort heimisch waren unddaß sich nur einige von ihnen, durch Lehne und dergleichenverlockt, zeitweilig ins Amt Nenhans vielleicht auch inandere Gegenden, vergl. Abschn. II. so zu sagen verirrthatten, Z

1) Es möchte hier wohl die geeignete Stelle sein, noch einiger abwei-chenden Meinungen über die Herkunst unserer Familie zu erwähnen. Manhat dieselbe herleiten wollen'

1> Ans Baiern. Der Gen.-Fcldzeugmcistcr läßt sich in dieser Bezie-hung in seinem Buche über die Decken, und noch näher in seinen hand-schriftlichen Zusähen dazu, folgender Maaßen aus'

»Nach einer Tradition, die sich in der Familie erhalten hat, soll sich einSächsischer Ritter, Namens Heinrich, auf dem Touruicr, welches der ErzbischofGieselbcrt vor der Eroberung des Landes Kehdingen (1300) in Stade ver-anstaltete, aus Sachsen kommend, von der Dcckcnburg abstammend, ange-geben und in der Folge, mit Wcglassung der Sylbe »bürg", den Namenvon der Decket! geführt haben. Man hat sich um so eher berechtigt gehalten,diese Dcckcnburg bei der jetzigen Stadt Deckendorf an der Donau unweitPassau zu suche», weil sich aus der Baiernschen Geschichte ergiebt, daß im13. Jahrhunderte ein Ritter, Namens Heinrich, der die noch in Ruinen vor-handene Burg bei Deckendorf bewohnte, in einer Fehde mit seinem Landcs-sürsicn gezwungen ward, sich nach Sachsen zu flüchten."

Ich muß bekennen, nicht so speciell in die Baicrnschc Geschichte einge-drungen zu sein, um jene Angabc darin gefunden zu haben. Judessen sagtdoch selbst der berühmte v. Hormayr (Valcrl. Archiv, Jahrg. 1838, puss. 188):

»Die von der Decken läßt die altbaicrsche Sage aus dem heutigenNicdcrbairrn mit Heinrich dem Stolzen nach Niedcrsachsen kommen undDcckendorf und Deckcnbrrg als redende Denkmale in der alten Heimathzurücklassen." Heinrich der Stolze starb aber schon 1139.

2) Aus Wcstphalrn. Hierbei wird sich lediglich auf das Vorkommendes tlermnnnns clietus Oekstr in der Westphälischcn Urkunde cle 1297berufen. Es dürfte jedoch daneben nicht unbeachtet zu lassen sein, daß nichtlange nachher bei einer Einnahme von Kehdingen ausdrücklich Westphalcnals Thcilnchmer bezeichnet werden und daß der Vorname Hermann späterhäufig in der Decken'schen Familie erscheint.

3) Aus Dänemark. Auch nur deshalb, weil die Ritter Henning undJohann Drken 1388 auf der Insel Laaland lebten (viel. Abschn. II.).

Gleichwie in diesem Puncte, so bin ich auch in Betreffverschiedener anderer alten und zum Theile sehr angesehenenadelichen Familien des Landes Kehdingen zweifelhaft, obdieselben zu den dort eingeborenen oder zu den dahin über-gesiedelten zu rechnen sind. Zu solchen gehören:

1) Die v. Reimershausen.

Der Ritter Friedrich v. Reimershausen ist der erste,der mir von ihnen vorgekommen ist, und zwar 1255 in einerUrkunde des Grafen Johann von Holstein (Zevener Urk.-Bnch). Er befand sich also vermuthlich im Gefolge diesesGrafen. Im Jahre 1265 erscheint Friedrich in Dithmar-schen als Vogt. Die desfallsige Urkunde (Hamburg. Urk.-Bnch) beginnt:Duivsrsis Eüristi kcislilms, ack csuss lit-tsre prsssutss psrveir «wirrt, «cövcwttt»«, MtVitss, osrrsrrlssst tötn, sorrrirrrrrritas terrs Dirstrnarsisund ist unter-schrieben von Uricisi'iLNS cls Rsimsrslrrrserr, Vslscsuiirrrscks VVIntlzsrA', Usimarns cls Ilsssir sto. militss, auch vonllalilrs IdiiAsr. (Demnach waren damals militss, Adel, inDithmarschen, vicl. auch weiter unten.) In jener Zeit be-deutet aclvuoatus, Vogt, gewöhnlich eine Person, welche vomLandesfürsten über einen District, eine Stadt :c. gesetzt war,um dort Namens desselben die höchste Justiz auszuüben.

1) Aus Holland. Daher läßt die Familie hauptsächlich Schädtlerstammen. Er scheint dazu indessen nur durch den allerdings wenn mannach alter Weise plattdeutsch »van der Decken» sagt ziemlich Holländischklingenden Namen veranlaßt worden zu sein. Es heißt freilich, daß nochgegenwärtig eine Familie gleichen oder ähnlichen Namens in der Gegend vonTilburg und Hoogstratcn crisiire. Leider bin ich aber nicht in der Lage ge-wesen, dort über diese Sache nähere Nachforschungen anstellen, evsnt. dieWappen vergleichen zu können.

Es kamen übrigens in der That im 12. Jahrhundertc und noch späterviele, durch die Erzbischöfe herbeigezogene Niederländer in die hiesigen Gegendenund begründeten die s. g. Niederländischen oder Holländischen (Moor- undSumpf-) Coloniecn (auch im Kehdingschen, namentlich am Hollerdciche, Asch-horn w.). Jedoch sind mir keine Spuren aufgesioßen, daß bei der Gelegen-heit auch irgend eine adeliche Familie mit (sicher verschlagen sei.

5) Schweden. Wenn man in diesem Lande die Familie auch nichtentspringen läßt, so weiß ich doch nirgend besser als hier die Notiz zu regi-striern, daß von dorther »vor nicht langer Zeit" wie der Gcn.-Fcldzeug-mcister 1836 sagt die unbekannten Erben eines daselbst verstorbenenv. d. Decken in öffentlichen Blättern (z. B. im Hamb. Correspondenten) auf-gefordert wurden, sich als solche zu lcgitimireu. Es scheint dieses aber keinenErfolg gehabt zu haben. Zu meinem Bedauern habe ich jene Ladungworin u. a. doch wenigstens die Vornamen des Verstorbenen angegeben seinwerden nicht einsehen können.

6) Ein Russischer Vice-Admiral, Namens Deken, soll in dem Schwe-disch-Russischen Kriege von 1789-1799 auf der Russischen Flotte gedienthaben. Bereits 1741 erscheint neben dem Oberhofmarschalle v. Brummerein »Decken" im Gefolge des Großfürsten, nachherigen Kaisers Peter III.von Rußland. (Vicl. Memoiren der Kaiserin Catharina II., von ihr selbstgeschrieben. Iläicl. A. Herzen. Hannover 1859.

Endlich erwähne ich noch einiger, aber scheinbar ganz vager Gerüchte.Danach sollte eines Theiles gewiß sein, daß die v. d. Decken Vasallen derBurggrasen von Nürnberg gewesen wären, und anderen Theiles, daß dasv. d. Decken'sche Wappen noch jetzt an den Trümmern der Deckenburg (odereiner andern Burg) in Baicrn zu schauen sei.