Druckschrift 
Die Familie von der Decken : in ihren verschiedenen Verhältnissen dargestellt
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

den Urkunden, Stammbanmen, Ahnentafeln des letzterenwürden Kehdingsche Ritter nebst deren Damen häufigerscheinen. Aber hiervon zeigt stich in fraglicher Zeit fastkeine Spur und kein Beispiel. Erst in viel spätern solchenUrkunden treten Kehdingsche Adeliche nachgerade auf.

4) Es ist durchaus nicht abzusehen, warum die Keh-dinger Ritter ihren behaupteten Ursprung angenommennicht, gleich den Rittern ans der Geest, mit denen sie dochin jeder Hinsicht gleichstehend gewesen wären, schon in derfrühesten Periode ebenfalls als Bremische Stände-Mitglieder,als persönliche Theilnehmer an landschaftlichen Berathungenund Beschlicßnngen, kurz als integrirendcr Theil des Stifts-Adels, welcher doch bereits im 14. Jahrhunderte eineCorporation bildete hätten gefunden und als solche be-zeichnet werden sollen? was doch nicht der Fall.

5) Endlich, es existirte wie aus dem folgenden K 3erhellen wird in der That schon vor 1300 ein Kehding-scher Adel.

Durch alles Vorstehende vermeine ich es so ziemlichzur Evidenz gebracht zu haben, daß der Grund des zahl-reichen Adels im Lande Kehdingen unmöglich wesentlich inden verschiedenen Eroberungen desselben durch die Erzbischöfebefunden werden könne.

. Z3-

Warum aber soll denn auch der fragliche Adel nichtein eingeborener, antochthonischer, ursprünglich in Kehdingenansässiger gewesen sein? Was steht einer solchen Annahmeentgegen. Ich glaube, Nichts. Vielmehr dürfte Alles dafürsprechen. Ich erlaube mir, in dieser Hinsicht Folgendes her-vorzuhebein

1) Es gab in den ältesten Zeiten gewiß, mit wenigenAusnahmen, in allen norddeutschen Marschen Adel, wie esdenn in dem Wesen der menschlichen Gesellschaft und Thätig-keit liegt und durch die Geschichte consequcnt bezeugt wird,daß in den Gemeinheiten allmählig einzelne Individuen ge-wisse materielle oder intellectnelle Vorzüge gewinnen, welcheihnen und dann gewöhnlich auch ihren Nachkommeneine hervorragende Stellung vor den übrigen verschaffen,wenn nicht und bis staatliche Gesetze dem entgegen stehenund entgegen treten.

Dieser Adel wurde aber meistens, bei dem großen Gleich-stellst Freiheits- und Unabhängigkeits-Sinne der Marsch-bcwohner, später ansgetrieben (wegen Dithmarschcn vergl.den folgenden tz 4), oder er verschmolz so gänzlich mit denübrigen freien Eingesessenen, daß von einem besondern Adels-stande fast keine Spur mehr blieb (wie mau das heutigenTages in Osterstade, Ost-Stedingen, findet), oder er vegetirtenur in wenigen, daher ziemlich einflußlosen Familien fort(wie im Lande Hadeln).

2) Insbesondere Kehdingen hatte in jenen ältesten Zei-

ten und schon lange vor der Eroberung cka 1300 seinen Adel,wenn darüber sprechende Urkunden uns auch nur sparsam auf-bewahrt sind. So erscheinen 1235 Erich von Schölisch (Ericnsde Scolcsich, vergl. das Gut Schölisch), 1253 Richard vonAllwörden (Richardus de Allenworthen, vergl. das Gut All-wörden), um 1260 Dancmarus de Vriborg (Hoyaer Urk.-B.,I. IV. xnK. 13), 1284Henricus de Nindorpe (Vogt, Monnm.1. 148). (Auch die v. Brobergen, v. d. Knhla, v. Stade:c.hatten, ganz abgesehen von dem hohen Adel vergl. S. 8die Note, schon vor 1300 Lehne im Kehdingschen).

Und hier vermochte sich der Adel als solcher, wenn auchin ziemlich eigenthümlicher Weise, ausnahmsweise zu erhalten,wie das weiter unten näher besprochen werden wird.

3) Wenn die adelichen Familien erst nach 1300 insLand Kehdingen gekommen wären, so würden deren Namen da die Geschlechtsnamen damals schon längst ihre Ent-stehung erhalten hatten doch vorher nothwendig in andernDistricten gefunden werden müssen. Das ist aber nur beiwenigen der später in Kehdingen kündbar werdenden adclichenFamilien der Fall. Bei weitem die meisten zeigen sich, meinesWissens, von jeher nur in Kehdingen, und zähle ich dieselbendaher zum dortigen Ur-Adel. Zu diesen würden n. a. fol-gende gehören:

I) v. Blank (?); 2) v. Brummer; 3) v. Drochtersen;4) v. Gehren; 5) v. Gerdes; 6) v. Goeben; 7) v. Lake-mann ; 8) v. Lütcken (den Namen parvns findet man freilichans natürlichen Gründen auch in verschiedenen andern Ge-genden) ; 9) v. Drewcs; 10) v. d. Wisch (diese führten wenig-stens ein ganz anderes Wappen, wie die Holsteiner).

II) v. Edenbüttel. Mushard zählt letztere zu der altenKehdingschen Noblesse und benennt Mitglieder derselben schonaus den Jahren 1297 und 1299, ohne Beleg freilich undohne anzugeben, wo diese sich aufgehalten haben. Die Familiebesaß die Lehn-Fähre zu Jtzwörden (1575 an die v. d. Deckenverkauft). Als Johann v. Edenbüttel 1566 und 1573 mitselbiger belehnt wurde, sagte er, daß schon sein Vater, Groß-vater und Ur-Großvater in deren Besitze gewesen wären.Dieser Johann scheint indessen nach Maaßgabe der Rit-terrolle äo 1638 sein Gut in dem Jtzwörden gegenüberliegenden Geversdorf, also nicht im Kehdingschen gehabt zuhaben (dasBüttel" in Edenbüttel will mir auch gar nichtKehdingisch klingen). Er wird übrigens in jener Ritterrollenoch wie man das öfter findet von Alters her stehengeblieben sein. Denn er dürfte schon viel früher gestorbensein, da er, wie oben bemerkt, bereits 1566 sclbstständigauftrat. 1570 wurde Bartold v. Edenbüttel vermuthlichJohanns Sohn mit der Fähre belehnt. Derselbe ist aberWohl bald nachher mit Tod abgegangen, weil 1573 wiederJohann die Belehnnng erhielt/ mit welchem die Familieerlosch.

In einer Urkunde cke 1438 erscheintErik van Ede-büttel" nebst Bartold und Basilius v. Reimershausen unter