drosten v. Wcrsebe, bestätigt gefunden, daß schwerlich (d. h.selten) Urkunden aus der Zeit vor dem 15. Jahrhundertenachzuweisen sein möchten, welche Bezug ans den Kehding-schen Adel hätten.
Und dennoch slorirte dieser schon in viel älterer Zeit;bereits im 13. Jahrhunderte erscheinen nicht wenige Mit-glieder desselben (vick. ein Näheres hierüber im Abschnitt I.der ersten Abtheilung).
Auch war Kehdiugen schon sehr früh cnltivirt, wenn esauch noch lange der schützenden Deiche entbehrtes und dieEinwohner auf Worthcn leben mußten (Hamelwürden,Odcrichsworth — Oederqnart). Bereits vor 1124 findetman die vilinllas (Weiler, Gütchen) Bützflcth, Abbensleth ^),Assel, Nindvrf und Hollorich (Holenwisch?), sowie dort be-legene Ackerstücke, inansi, erwähnt (Hamb. Urk.-B. exoiiron. inonast. Uosenlslck.). 1132 stand in Bützfleth eineCapellc (Hamb. Urk.-B. Nr. 155). Einen inansus irr villulla^4sa^a (Assel?) besaß schon um 1555 das Kloster Harsefelde(Vogt, Mon. 1, 122).
Indessen läßt sich der bei alledcm hervortretende Mangelan Urkunden und historischen Ueberlieferungen ziemlich ge-nügend erklären, und zwar:
1) Im Allgemeinen schon aus dem Umstände, daßeinerseits Kehdiugen — wie ans dem folgenden Abschnitt I.der ersten Abtheilung sich ergeben wird — früher stets feind-selig oder doch abgeschlossen der Außenwelt gegenüber stand,daß daher letztere keine Gelegenheit und keine Veranlassungfand, von diesem Lande nähere Notiz zu nehmen, speciellereNachrichten über dasselbe uns zu hinterlassen, uud daß an-dererseits Kehdiugen, zum Theile eben deshalb, sehr lange,wohl am längsten in Deutschland, seine uralten Sitten,staatliche und rechtliche Institutionen beibehielt. Diesen ge-mäß war von Schrift fast keine Rede; Alles wurde mündlichverhandelt, öffentliche Angelegenheiten, Gerichtssachen wiePrivatverträge. Treue und Glauben, gutes Gedächtniß, zu-verlässige Zeugen machten schriftliche Depositionen nnnöthig.Noch weniger konnte es den Kehdingern einfallen oder für
!> Wann Kehdiugen zuerst eingedeicht worden ist — was jedenfalls nursehr allmahlig hat geschehen können — laßt sich auch nicht einmal annäherungs-weise bestimmen. Es ist Grund vorhanden, anzunehmen, daß solches wenigstensnicht später als im Alten Lande Statt gesunden hat, welches seine Deiche imLaufe der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten haben wird (v. Werscbe,Niedcrländ. Colouiecn, I. 180). Herr v. Zesterfleth (in seinem Buche „DasAlte Land" Hamb. 1847, png. 9) irrt gewiß, wenn cr Kehdingcns Eindeichungerst iu's 14 Jahrhundert verlegt. — 1314 trifft man Außcndeichsland bei Götz-dorf an (viä. Krause „Beiträge zur Geschichte Stade's" im Stader Schul-programmc cle 1856, pn»-. 18).
2> Flethe (Fließe) waren damals natürliche kleine Wasscrläufe (wie sienoch heutigen Tages im Außcndcichc sich zeigen), welche sich durch den Morastin die Elbe schlängcllen. Künstliche Canälc, die jetzigen Flethe, cristirten nochnicht, da diese bei der ohne Zweifel dünnen Bevölkerung zu große Arbeitskräftein Anspruch genommen hätte» und auch, so lange das Land den »cbcrströmungcnder Elbe offen lag, ziemlich unnütz gewesen sein würden.
sie ein Interesse haben, dasjenige, was sich ereignete undwas sie erlebten, durch Annotation der Nachwelt zu über-liefern ; denn nur die Gegenwart beschäftigte sie. Der ewigeKampf mit den Elementen, die Schwierigkeit der Bestellungdes so mühsam dem Meere entrissenen Bodens, die Ver-theidigung desselben gegen die immer von Neuem wieder an-und einbrechenden Wogen, alles dieses nahm ihre Kräftevollständig und ausschließlich in Anspruch, soweit diese uichtauf die stets beharrlich verfolgte Behauptung ihrer so oftbedroheten territorialen Freiheit uud Unabhängigkeit zu ver-wenden waren.
Nur die Fluß- und See-Schiffahrt mußte daneben, beider hierzu so günstigen Lage und da die Communication zuLande wegen der grundlosen Wege den größten Theil desJahres hindurch ganz wegfiel, namentlich behnf Absatzesder Prodncte nothwendig lebhaft betrieben werden. Diesem,fast noch aufreibenderen Geschäfte, konnte aber kaum irgendeine wissenschaftliche Förderung entsprießen, zumal selbigeshäufig in Seeräuberei ausartete. (Im Jahre 1275 wurden11 Räuber aus Kehdiugen, welche die Kauffahrer auf derElbe geplündert hatten, von den Hamburgern gefangen undverurtheilt. Vick. Hamb. Urk.-B. 474.)
Es kam aber auch noch insbesondere hinzu:
2) Das gänzliche Fehlen von Klöstern im Lande Kchdin-gen. Diese würden nicht nur im Allgemeinen schon mehr iutel-lectuelle Anregung gebracht haben, sondern auch vorzugsweiseciepositoria von Urkunden geworden sein. In ihnen slorirtestets und von jeher die Schreibkunst; die Mönche ergriffen schonans Langerweile, noch mehr aber aus Politik und irdischerVortheile wegen die Feder. Aus den Klöstern — nächst denLehnsarchiven — haben insbesondere die adclichen Familienmeist die ältesten sie betreffenden Nachrichten gewonnen, daes bei dem niedern Adel selten war, eigene ordentliche Archiveanzulegen und zu conserviren. Vorzüglich die vielen Schen-kungen, welche früher der Adel den geistlichen Stiftungenmachte, gaben Veranlassung, in den darüber ausgefertigtenDokumenten Namen und andere Verhältnisse adelichcr Per-sonen zu fixireu.
Dieses alles siel nun im Kehdingschen weg.
Vielleicht wäre noch in der Registratur des benachbartenKlosters Himmelpforten eine für Kehdingen interessante Aus-beute zu machen gewesen, wenn dieselbe nicht verbrannt wäre.Ein Aehnliches hätten nicht weniger wohl die Stader Klösterzu bieten vermocht. Ich habe indessen die betreffenden Archivenicht benutzen können, weiß selbst nicht einmal, ob sie über-haupt noch existiren. Freilich sind verschiedene Urkundendaraus gedruckt; sie enthalten jedoch fast nichts Sachdien-liches für Kehdingen und den dortigen Adel.
3) Das Schicksal hat es gefügt, daß überdem auch allediejenigen älteren Schriftsammlungen, welche vorzugsweisefür Kehdingen von dem allerbedeuteudsten Werthe hätten seinmüssen, größten Theiles verschwunden sind. Die Registratur