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Folge 5 (1885)
Entstehung
Seite
397
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sprachwissenschaftlichen Schriften gaben chin fünf Jahre darauf Veranlassung, sicheine Zeit lang bei dessen zweitem Sohne Hermann in Friedrichseckaufzuhalten.

Im Jahre 1847 hatte ans Ende September Immanuel Hermann Fichteeine Versammlung deutscher Philosophen nach Gotha ausgeschrieben. Auf diesererschien Moriz mit einer Abhandlung: „Aufforderung zu Gründung eines freienVereines für das gesellige Schaffen des Wissens". Die Theilnehmer der Ver-sammlung, unter welchen sich auch der bekannte ehemalige württcmbergischcBnndestagsgesandte Minister Frchr. v. Wangcnheim befand, wurden oon demMinister Frhrn. v. Stein zu einer Abendgesellschaft, oon dem Herzog Ernst vonKoburg zur Tafel gezogen. Im folgenden Jahre Ende August nahm MorizTheil an dem „Kongresse zur Gründung einer freien deutschen Akademie" zuFrankfurt a. M.; auf dieser Versammlung machte er nicht nur die persönlicheBekanntschaft von dem Mathematiker Adolf Peters, Gottfried Kinkel, LudwigFeuerbach, F> Bischer, H. Hettner, K. Grün, dem alten Gymnasial-Direktor Fr. Kapp (Moriz Lurrwro kannte er schon von Gotha her), und warso oft es anging in der Paulskirche, sondern er ließ die Gelegenheit auch nichtunbenutzt, Arthur Schopenhauer aufzusuchen, mit welchem er dann bis andessen Ende in freundlichem Konnex blieb.

Schon 1844 hatte Moriz begonnen, seine am 28. Aug. 1842 koncipirteWcltauffassung systematisch zu begründen, und alle von da an betriebenenStudien waren ihm Mittel zu diesem Zwecke. Im Winterguartale Januar bisMärz 1847 war der erste Entwurf zum Abschlüsse gediehen, so daß er denselbenunter dem Titel: „Das Wissen und die Wissen-Schaft" dem Professor HermannUlrici in Halle persönlich für dessen und Mchtc's Zeitschrift überbrachte; die-selbe lag aber damals fast in den letzten Zügen, lllrici war sehr entmuthigt undglaubte kaum ein neues Heft erscheinen lassen zu können. Als dann das Jahrdarauf in Frankfurt die Herausgabe der „Jahrbücher der freien deutschenAkademie" beschlossen worden war, ging die Abhandlung an Prof. Noack inGießen, der die Redaktion usurpirte, um zunächst seine alten Neste aus der ein-gegangenen philosophischen Zeitschrift zu verwcrthen; da nun mit dem 2. Heftedas Erscheinen wieder ein Ende hatte, vermittelte dann mehrere Jahre daraufMoriz vnrrwrs (der im April 1851 Moriz in Berlin besucht und ihm daselbstdie interessante Bekanntschaft des ebenfalls gerade in Berlin anwesenden Tra-gödiendichters Friedrich Hebbel vermittelt hatte) die Rücksendung des Mann-skripts unter Beischluß eines Briefes c>. cl. Gießen, 21. Juni 1851, in welchemes heißt:

„Es ist mir ein erfreulicher Gedanke, daß Sie so eifrig Naturstudien treiben,die Brücke zwischen der idealistischen Philosophie und der Empirie muß doch jetztgeschlagen werden, und das geht nur, wenn von den zwei Pfeilern ans die Bauleutedie Gewölbe einander zuneigen".

Ein zweites Exemplar von Morizcns erstem Entwürfe seines Systems hatte1850 der Professor Steinhart von Berlin mit nach Pforta genommen. Ineinem ausführlichen Briefe schrieb ihm Steinhart n. a. Folgendes:

„Ihr Werk hat mich in einem hohen Grade gefesselt und erfreut; ich erkenne indemselben jenes von Parmenides dem jungen Sokrates so dringend empfohlene Strebennach der reinen, unverfälschten Wahrheit, das sich nicht mit Phrasen und hohlen Mei-nungen abfindet, sondern in das wesentliche Sein der Sache einzudringen sucht. Nurans den reinen Höhen einer solchen Spekulation entspringen die Quellen, die dereinstdas dürre Land bewässern und zu grünen Auen nmschaffen können; und unser politisch,religiös und philosophisch ausgedörrtes, vergeblich nach frischen: Wasser lechzendesdeutsches Vaterland bedarf dringend solcher Ergnicknng ans dem Borne des sich selbstwissenden und erkennenden Geistes. Ihre Erörterung geht den festen und lückenlosenGang des platonischen Parmenides, an den sie mich vielfach erinnerte, der FichteschcnWisscnschaftlchrc und der Hegclschen Logik, und schwerlich dürfte ihr in dem sich freilichimmer mehr verengenden Kreise der Jünger ächter Wissenschaft freudiger Anklang undBeistimmung versagt bleiben; sie wird sich ihre Bahn brechen und für Viele eine An-regung zu nochmaliger tieferer Erwägung uralter Probleme werden. Ich glaube, daß