Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Familie von Kameke
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178

der Befestigung des ganzen Bvrterrains gicbt dem Bnrgwall Cratzig eine erhöhtes Interesse; sieschließt ein Gebiet van mindestens 2—300 Margen in sich. Die Sicherung deS Bnrgsees berechtigtzu der Annahme, daß der See selbst besondere Bedeutung gehabt haben muß und fordert uns Wohlauf, an eine wendische oder vorwcndische Gottheit und die, ihr auch an den Ufern des schönenschilfnmkränzten Cratzigcr Burgsees dargebrachten Opfer zu denken.

Grabungen ans dem Bnrgwallc selbst an verschiedenen Stellen, besonders aber auf dem er-höhten Umfassnngswalle (Grenze Cratzig-Bitziker), haben ergeben, daß der ganze Wall unmittelbarunter der Grasnarbe mit einer Branderdcschicht überdeckt ist, welche sich mit Kohlen von Eichen- nndBuchenholz untermischt zeigt nnd stellenweise einen Meter hoch liegt. Unter dieser Schicht, welchezum Theil jedenfalls die Reste ehemaliger Berpallisadirnng nnd hölzerner Baulichkeiten in sich birgt,aber auch von den Hcrdfenern herrührt, findet sich derselbe lehmige Kies, ans welchem der ganzeBnrgwall nnd der „gewachsene Boden" desselben besteht. Hierunter liegt noch einmal eine 10—30 ommächtige Branderdeschicht, welche mit Scherben vom sogenannten Bnrgwallthpns mit eingestochenenOrnamenten neben Wellenlinienverziernngcn nnd anderen Mundstücken, wie z. B. einem v ein langeneisernen Dolchmesserchcn, Knvchenpfriemen nebst gespaltenen nnd durchsägten Hirschhornstücken, ziemlichreich durchsetzt ist, den wendischen Ursprung des WalleS außer Zweifel stellt nnd somit sein Alterans etwa 1000 Jahre festzustellen vorschreibt." — ^-N. X ^

So erzählt uns vom Bnrgwall nnd seinen Bewohnern der Bericht ans alter Vergangenheit.Die Mhthe ist der Glanz solcher Stätten. Noch mahnt uns an sie das „Todtengrab;" scheu wirftder Leseholzsnchende dort einen trockenen Ast hin, nicht wissend, ob in der Heidenzeit nicht schones Brauch war, seinen Verstorbenen hiermit ein Gedächtniß zu halten, oder ob aus neuererZeit, ans de» Rnssenkriegen, etwa dort ein stilles Svldatengrab sich erhalten hat! Aber unweit da-von in einem Quell webt sich die deutsche Poesie ihren Zauber, indem sie hier im „Gretenborn"der harrenden Jungfrau am Ostermorgen das Bild des Ersehnten erscheinen läßt. —

Auch heute vereinigen sich am Bnrgwall die alten Kamckelehnc, wie seit langen Jahrhundertender Wald Gemeingut der Familie war. Der See sieht jetzt oft Gäste der Umgegend. Wie mandort ehedem bei den Feuern der Berge um die Sonnenwende zu Freude und Lust in Aussicht dernahen Ernte sich schaartc, so erscheinen noch heute unter den schattigen Buchen frohe Gespielen, undgern erinnert man sich hier seiner Jugendzeit und der Abendstunden am Burgwall zu Cratzig.

Wir schließen hiermit die „Beiträge zur Geschichte der Familie." Altes und Neues reiht sichaneinander in diesen Blättern, welche dem Gedächtniß unserer Vorfahren gewidmet sind. In dankbarerErinnerung blicken wir zu ihnen hinauf, in ihnen die Kamcke, ihr Leben nnd Streben im Dienstedes Fürstenhauses nnd zum Wohle des Vaterlandes, ehrend.

Gott mit uns! —