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2 (1764) Des oekonomischen Lexici zweyter Theil
Entstehung
Seite
2447-2448
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-447 Roßmarin

mit vielen Ringen an, und bestreichen sol-ches zuvormit Honig, Wvhlgemurh und Saltz,damit es daran arbeite, und mir Gewalt ei-nen Schaum mache. Besser noch zu hslffenbrauchen sie ein eisernes Nasen-Band/ somit».eder überzogen, und aussehen soll, als obes blosses Leder wäre. Damit auch das Pferdmehr als durch alle Ge'mß und Kinn-Reiffegehalten werde, so nehmen sie cinKettlein,machens oben in d e Stangen, da man dieKinn-Haackcii einmacht, uiid Ziehens »nkenZwilchen denen untern Leffzen und Zahnenherun!. Dieses müssen die Puckeln so sekr be-decken, daß man wohl Achtung haben muß/wenn man diesen Haudgriffmerckenwill; wennaber der, weicher es gekauffc hat, sein neuesRoß mit einem andern Mundstück reitet, ssgehet es ohne Aufhalten Mit dem Mann durch.Und was dergleichen betrüglicher Kunst-Griffemehr lind.

Roß - Rummel, siehe Rummel.Roßmarin, ist ein Strauch, vereine rauheRinde, lange, schmale, dicke Blatter/ undblaue Glünilein hat. Die Blatter de-^gemei-nen Roßmarins sind oben dunckel-grnn undunten weiß; des sogenannten verizoldcrcnRoßmarins aber gelb - gestreiffi oder ge-fieckr. Der niit n?eißgesieckren oder ver-silberten Blattern, welcher aus EngeUandkommt, ist sehr rar, und will bey uns uichtwohl daure». Die ersten zwey Arren sindbey uns gemein, und wird insonderheit die>erste in Spanien/ Italien, Langvedoe undandern warmen Landern wild wachsend ge-sunden. Seine Vermehrung betreffend, sowird selbiger zuweilen von Saamen erzielet,welcher aber nicht gar dauerhaffr, und daher»am besten zum Verbrauch dienet. Etliche neh-men Zweige ohngefehr eines Schuhes lang,spalten sie unten auf, stecken in den Spaltdrey Haber-Körner, und machen mit einemSetz-Holy Locher eines Schuhes weil voneinander in die Erde, welche mit ein wenigTauben - Mist vermenget seyn muß, steckendie Roßmarin- Zweige über die Helffre hin-ein/ füllen sie mit guter Erde zu, und ma-chen einen Schirm darüber wider die Son-ne, bis sie angefangen zu treiben; nach die-sem begiesset man sie Abends und Morgens,wenn es nicht regnet, so wachsen sie im Som-mer ziemlich über sich; um Michaelis »er-fetzetman sie in Geschirre, und behalt sie solange im Garten, bis es zn gefrieren anhebt,darnach bringet man sie in luffrige Gema-cher. Die beste Art/ sie zn vermehren, istfol-gende; Man richtet etliche Kasten oder Bee-te mit guter schwartzer Erde, die mit Kuh-Mist wohl gedünaet ist, zu/ schneidet daraufim Arril bey wachsendem Monden, so vielZweigiein als man bedarff ab, man schneidetglich die Gipffel ab, und zerknirschet untendas dicke Theil etwas, setzet sie also Span-nen weit von einander, und verfahret damitauf vorgemeldteWaasse. Der Roßmarin lie-bet guten Grund und eine ichatrichte Stelle.Wenn man spüret, daß er verderben will, se-

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ke man ein Gefaßgeu nvt Wein darzuT^mwelches man ein roth-wollen Ende hencket,daß er davon benetzet wird. Sonst wennman ihn begiesset, kan solches mit Wasser, somit Wein gemischet, oder auch mit Fleisch-Wasser geschehen- Die Stöcke kan man imFrühling ans ihren Gelassen nehmen, und stein gutes Land 'setzen: Mit Endigung desHerbstes aber muß man sie wieder in Gefässeverpflantzen, in welchen man sie den Winterüber beysenen kan. Wo man der Roßma-rin-Stöcke eine grosse Menge hat, kan manderselben wohl zwantzig in einen Kasten se-tzen, ehe aber solches geschiehet/ muß manden Wursteln die übrigen Zasern beschneiden.Mit ihrer Beysetzung ist eben nicht allzn sehrzu eilen, weil sie wohl einige Kalte, >a auchgar einen kleinen Schnee vertragen kön-nen. Wenn man sie gar zu zeiri^ eingese-tzet, so darff man sie alsdenn im Frühlingnicht gar bald wieder heraus bringen/ da mandenn gegentheils, wenn sie etwas spät ein-gesetzet werden, dieselben alsdenn desto eherheraus seüen mag. Wenn man sie in dieWinter - Quartiere einsetzen will, soll die Er-de trocken gehalten werden, so leiden sie de-sto weniger vom Froste. So soll man anchdie obersten.kleinen Aestlein davon abschnei-den, sonst würden sie im Winter durch wach-sen, und also die Krafft verlieren, daß sieim folgenden Sommer verderben müssen.Wenn man sie wieder aussetzt,' soll man sievor der Meryen - Sonne wohl bewahren.Die Blüh-Knospen müssen '.eilig abgenom-men werde!!/ damit der Stock dadurch nichtgeschwächet werde. Wenn ein Roßmarin-Zweig auf einen Wachhoider-Stamm gepfro-pfet worden / soll er den Winter ausstehenkönnen. Der Roßmarin dienet in der Kü-che als eine Würtze an allerley Fleisch, undausser dem wird er zu Kräntzen bey Lebendi-gen und Todten gebraucht. Er hat einenjcharffen Würtz-Geschmack, wärmet/ trock-net, zertheilet nnd ziehet zusammen; Blät-ter und Blumen stärcken das Hanrt undHertz, sind qul wider kalte Haupt- Flüsse undGlieder-Kranckheiten, Schlag, Schwinde«/Schlafsucht/ Krampf, Lähmungen und Zit-tern der Glieder. In Pest-Zeiten mit Roß-marin geräuchert, reiniget die böse Lufft.Roßmarin aepülvert, in die Wunden ge-streuet/ hält sie rein. Frisch M stossen und auf-gelegt, tilget die blauenMähler, zertheilet dasgeronnene Geblüte, und zeitiget die kalten Ge-schwüre. Roßmarin- Wein stärcket die inner-lichen Theile, wehret der Fckulniß und demGisst, hilssl der Dauung »nd bekömml denMilksüchrigen wohl. Auch macht nmn ei-nen guten Brantwein davon, wf" folget:Nehmet drey Kannen gemeinen Brantwein,thut ein halb Pfund Rvßmurin hinein, unddestilliret es bis auf dritlehalb Kanne, dar-unter kochet man anderthalb Pfund Zucker ineinem halben Qvartier Wasser, und gießet oasendlich darunter, so wird eS recht anaeneym-Die Asche dienet wider die Mund -Fäule, rei-niget