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2 (1764) Des oekonomischen Lexici zweyter Theil
Entstehung
Seite
2139-2140
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-IZ? Passemenmi Paßions-Blumebis vier Wochen fleißig umher trage», ehe mauihm recht wohl trauen darf. Zu dem hohenWeide-Werck wird er auf junge Reiher oderStörche, Tnirhüner, oder junge zakme graueGänse abgerichtet; auf den Hasen-Fang abererstlich in der Kammer ein grau Caninichenzu fangen angewöhnet, hernach im freyenFelde, ein ausgestopffter Hasen-Bala, an ei-ner langen Schnur, durch einen Mann zuPferde, demselben schnell vorgezogen, damit ereinen Haftn kennen lerne, unv solchergestaltwird man mir ihm bald dergleichen bainen kön-nen. Mit dem Rebhun, Ente und Wachtelbat es gleiche Bewandniß; worzu man ihn vondiesem Feder-Wild gewöhnen will, demselbenmüssen vie starcksten Schwing-Federn ausge-rauffet werben, daß es nicht fliegen könne;wenn nun der Falcke hungerig, wird er von sichselbst gantz begierig darauf fallen, welchenman aber gemach bedecken, den Vogel iknisauberlich abnehme!!, und mit dem Hirn, Her-ben, Eingeweide und einem Schenckel, als sei-ner Gerechtigkeit, vergnügen und befriedigenkan. Passagier nennet man auch einen rei-senden Menschen.

passemcinen, sind mancherley Borten,Canten, Schnüre und dergleichen, entwedervon feinem oder unechten Gold und Silber,gantz oder halb Seiden, Wollen, Leinen oderCameel-Haar, breit oder schmal, glatt oder er-haben, ingleichen durchbrochen Gewebe mitumschlungener, auch mit gekleppelter Arbeit,cingeschobenen Zierathen, derer viele zu Liebe-reyen, und von dergleichen Personen auf son-derbaren hierzu axtirren Stühlen auch nuu-mehro bey uns zugerichtet werden; wie dennüberhaupt die Deutscheu Posementirer ihreWissenschafft und Aufnahme denen in vorigenZeiten sich zu ihnen gewendten und ausKranckreich vertriebenen Reformirten zu dan-ken haben.

Paß-Gänger, Zelter, heiiset ein Pferd^daseinen besonSeli! Gang har, den inan einen paßnennet. Dergleichen Pferde sind für dasFrauenzimmer und alte Leute beqvem, dienenaber besser zu einem Gpazier-Ritt, als auf eineweite Reise, nichi allein, weil sie mir ihremschnellen Mevschlag die andern neben ihnengehende Pferde, die nur im Trab oder halbenGalopp folgen müssen,abmatten; sondern auchweil selbiae, wenn sie anfangen müde zu wer-den, gerne einreichen, anstoßen und straucheln,ja wohl gar aufs Maul fallen.

paßions - Vlume, ist ein Blumen Ge-wächse,welches in verschiedenen Gegenden vonAmerica, so wohl aus dem festen Lande, als indenen dabey lieaenden Inseln wachset,bey unsaber in denen Garten zur Zierde gezogen wird.Es ist nach «Llsholyens Bericht vor unge-fehr hundert und vierzig Jahren zuerst nachRom gebracht, und von dar weiter ausgebrei-tet, auch, weil sie verschiedene ErinnerungsAeichen 'der Mßivn ooer des schmerzlichenLeidens unsers Heilandes vorstellen solle, diepaßions - Sruine genenm i worden, Von5enHolländern wird si^ÄanA'Apffel jenen

Paßions-Blume

net. Diese Blume wächset anlinem gankkurizen Stiel, aus einem schwachen, aber sehrhoch, fast wie ein Wein-^tock ausftucssendenund mit zusammengewundenen Zwlcklein oderGäbclcin versehenen Stengel, welcher an ei-nen Pfahl oder Geländere angebunden werdenmuß, damit das Gewächse daran in bieHö-he laussen, und sich anhängen könne. DieBlätter oder das Laub ist dunckel-grün , demEpheu-oder Gundelreben-Blättern nicht un-gleich. Jede V!ume, ehe sie aufgehet, ist einablanger oben runder Knoxss, welcher sich insunff grunlichte oder Oliven-farbne Blättereröffnet, zwischen jeden derselben stehet wiederein gank weisses Blat; mitten aus derBiumewächser gleichsam eine kleine Säule heraus,und ans dein Grund derselben, über den weissenBlättern, etliche und fünfzig lange weisse undpurpur-rothe Zasern oben auf der SäuleMet ein rundes grünes Knöpflein, aus wel-chem drey mit röthlichen Puncten bezeichneteFajcrii in dic Höhe wachsen, so die Gestalt derNägel haben. Uni die Säule stehen fünfweisseFasern,so gelbe Zünglein traaen, gleichwie un-sere Lilien. In America erwächst der vorge-dachteKnopf, nach abgefallener Blume, zu ei-ner glatten Gold-gelben Frucht, in der Grösseeines Granat-Apffels, mit einer dicken Schale,welche mit einem überaus lieblichen und wohl-geschmackten Safft, nnd vielen schwarken har-ten Kernen angefüllet ist. Dieser Safft sowohl als die eingemachte Schale, stärcket dieLebens-Geister, erwecketden Axpettt, und lin-dert die Hike, daherv sie sonderlich in allerleyFiebern nüßlich zu gebrauchen sind. Die Bra-silianer bauen dieses Gewächse mit Fleiß, midlegen es an ihre Sommer-Lauben und Gar-ten-Häuser, damit sie des angenehmen Schat-tens und Geruchs gemessen; sie zehlen auchdesselben siebenerlei) Gattungen, wovon beyuns nur die weisseu und grünen mit braun ver-mengte Blumen gefunden werden, welche aberbis dahero weder zur Frucht, noch zu Saamengedeihen wollen, wiewohl aus der Fürstlich-Wurtemberaischen Residentz-Stadt Stutt-gart, unterm -December -727 berichtetwor-den, daß sowohl in diesen,, als im vorhergehen-den Jayr, daseibst eine Paßions-Blume flori-ret, welche eine Frucht getragen; ohne aber zumelden, ob die Frucht auch vollkommen reissworden, woran nicht unbillig gezweiffeltwird.Die untersten Blumen eröffnen sich allezeit zu-erst,und wenn diese abgefallen,sodenn immerzudie andern hoher hinauf; diejenigen, so desMorgens früh aufblühen, pflegen sich gegenAbend schon wieder zu schließen, und abzufal-len. Hat das Gewächse völlig verblühet, soschneidet man das Kraut und die Stengelhinweg, damit die Wurkel in der Erde sichvermehren und erstärckcn könne. Den Win-ter über muß man es wohl verpflegen, undwo man mir keinem besondern Gewächs-Hausoder Winterung versehen, dasselbe in eine war-me Stube oder Kammer sei-,en, wo es nicht ge-frieren kan, aber ja nicht besessen, weil es son>smi leiM venaulet. Im Frühling kan man die

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