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Deutsche Speisekarte : Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter
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sonderer Zähigkeit an den alten Gebräuchen festhält, hat, wieschon eiwähnt, die deutsche Speisekarte ihren Einzug gehalten.Unser Kaiser ging damit voran; seinem glänzenden Vorbildefolgten andere nach. Die in dem folgenden Abschnitte ab-gedruckten Tafelkarten fürstlicher Hofhaltungen müssen auch deneingefleischtesten Verteidiger der französischen Küchensprache davonüberzeugen, daß sich selbst die feinsten Erzeugnisse der Kochkunstiu deutscher Sprache ausdrücken lassen.

Aber wenn auch schon viel erreicht ist, so bleibt doch nochweit mehr zu tun übrig. Es gilt, eine alte schlechte Gewohn-heit abzulegen. Das ist leichter gesagt als getan. Da genügtes nicht, jemand zu überzeugen, daß er sich ändern müsse: daheißt es, immer wieder ermähnen und antreiben und auf denalten Fehler aufmerksam machen. Bei den meisten fehlt es janicht an gutem Willen: der Geist ist willig, nnr das Fleisch istschwach.

Daher ergeht an alle Freunde der Sprachreinheit der Ruf,nach dieser Richtung hin unablässig zu wirken, sich die Arbeit imKleinen nicht verdrießen zu lassen. Sehr richtig sagt Karl Brunsin unserer Zeitschrift (1896,204): »Den Haupterfolg iu allen diesenDingen erringt nur die Einzelarbeit. Wie ein Gärtner dasUngeziefer von seinen Pflanzen einzeln absuchen muß, so müssenauch wir Sprachreiniger die Fremdwörter nicht nur durch allgemeiueMahnungen, sondern auch durch persönliche Bearbeitung dereinzelnen bekämpfen. Meist findet man ein geneigtes Ohr, wennman nicht nur Vorhaltungen macht, fondern dem angegangenenVolksgenossen einen Teil oder die ganze Verdeutschungsarbeitabnimmt.« Man folge dem Beispiele jener Offiziere, die nacheinem Zeitungsbericht an der »labls ä'Iivts« eines FrankfurterGasthofs statt der französischen Speisekarte eine deutsche verlangten.Als ihnen achselzuckend von dem »Garyon« bedeutet wurde, daßdas Hotel französische Küche führe, bemerkte der eine der Herrenziemlich laut und mit großem Unmut, daß es eine Rücksichts-losigkeit sei, in einer deutschen Stadt und in einem deutschenGasthof nicht wenigstens neben der französischen eine deutscheMittagskarte zu führen.