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soll die Küchensprache allein an dem alten Kauderwelsch fest-halten?
Wir verkennen nicht, daß die französischen Speisebezeichnungenauf alter Überlieferung beruhen, daß eine Änderung der Schreib-weise anfänglich etwas Mühe macht, daß in den Gasthöfen auchAngehörige anderer Völker verkehren, auf die man Rücksicht zunehmen hat. Und wir finden es ganz richtig, wenn in den Gast-Höfen, wo viele Ausländer verkehren, neben der deutschenSpeisekarte auch eine französische aufgelegt wird. Dies geschiehtja vielfach bereits in den großen Badeorten; und auf den großenSchiffen des Norddeutschen Lloyds und der Hamburg-Amerika-Linie findet man neben den deutschen Tischkarten auch englische.Aber die meisten Gäste sind doch Deutsche, und wir Deutschenbrauchen uns wahrhaftig unseres Deutschtums nicht zu schämen.Ist es unbescheiden, wenn ein Deutscher in einem deutschen Gast-hof eine deutsche Speisekarte verlangt? Tausende ärgern sich,wenn ihnen statt dessen ein französisches »Menü» in dk Handgegeben wird. Dazu kommt, daß viele französische Speise-benennungen selbst eiuem Kenner des Französischen unbekanntsind; auch gibt es ja manchen ehrenwerten Gast, der des Fran-zösischen unkundig ist. Und doch hat jeder den berechtigtenWunsch zu wissen, was ihm vorgesetzt wird; aber danach sich zuerkundigen, scheut sich gar mancher — wer hat Lust, als »un-gebildet« zu erscheinen? Und wer es trotzdem tut, erhält oftauch bei dem Kellner keine genügende Auskunst.
Der oft gehörte Einwand, daß es uns an entsprechendendeutschen Ausdrücken fehle, ist nicht stichhaltig. Auf derTafel des Deutschen Kaisers gibt es seit 1838 nur deutscheTischkarten, und viele andere Fürsten, wie die Könige von Sachsenund Württemberg, Prinz Ludwig von Bahern u. a. sind demBeispiel des Kaisers gefolgt. Bei großen öffentlichen Festlich-keiten werden jetzt fast immer deutsche Speisenfolgen aufgelegt.Geschieht dies einmal nicht, dann erfolgen unfehlbar scharfe An-griffe in der Presse. Was aber auf fürstlichen Tafeln, bei großenGastmählern geschieht, soll das im gewöhnlichen Tagesbetriebenicht möglich sein? Auch die deutschen Gastwirte, die gewiß in