Druckschrift 
Deutsche Speisekarte : Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

31

französische Sprache in der deutschen Küche die Herrschaft behauptet,unvermeidlich.«

Dies wird bestätigt durch die Äußerungen eines KaiserlichenHoskochs in Berlin gegenüber einem mir bekannten Herrn, Erwar mit der am Kaiserlichen Hofe eingeführten deutschen Speise-karte nicht recht einverstanden. Denn mit den deutschen Bezeich-nungen werde nur eine Einsörmigkeit der Tafelkarte geschaffen.Mit Leichtigkeit entwerfe man wohlklingende, verschiedenartigefranzösische Küchenzettel, während schon bei einer geringen Zahldeutscher Zettel die Gleichförmigkeit des sprachlichen Ausdrucksunangenehm auffalle. Das heißt: dieselbe Speise bringt manbald unter diesem, bald unter jenem französischen Namen aufden Tisch, in der berechtigten Erwartung, daß die Tischgäste esdoch nicht verstehen. So entsteht scheinbar eine große Abwechselungvon Speisen. Es ist aber nur Schein; der Nichtsachmann, dersich auf das Küchenwelsch nicht versteht, wird getäuscht. Dazuist freilich der ehrliche deutsche Ausdruck nicht zu gebrauchen, erist zu deutsch, zu deutlich. Aber die Zeit ist vorbei, wo der guteDeutsche alles Fremde, bloß weil es »weit her» war, voll Demutanstaunte. Wir wollen keinen blauen Dunst vorgemacht haben,selbst wenn er aus der französischen Küche stammt.

Sehr hübsch spricht sich auch über diesen Punkt der erwähnteAussah im »Daheim« aus: »Wissen Sie, was ein ZiZot äs prs-»als ist? Man versteht darunter nicht etwa eine gepökelteHammelkeule, fondern ursprünglich die Keule eines Hammels,der auf den salzhaltigen Meerwiesen der Normandie seit gemachtwurde.*) Wir speisen nun wöchentlich einmal solch ein ZiMt äsprs-sals; die Hammel sind ohne Zweifel vortrefflich, salzigeMeerwiesen haben sie aber sicher so wenig zu sehen bekommen,wie die Normandie. Die schöne Phrase jedoch vererbt sich trotz-dem von Küchenchef zu Küchenchef von den Gästen freilich weis;der Hunderiste, nein, der Tausendste! nicht, was eigentlichein ZiA-ot cls prs-sals sein soll. Wahrscheinlich weiß es mancherKüchenchef und mancher Hotel-Direktor auch nicht, er schreibt's

?rs-sals heißt wörtlich: gesalzene Wiese (prsturn salatum).