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Deutsche Speisekarte : Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter
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versteht man in Sachsen Huhn mit Mischgemüse oder -Allerlei-,wie man es in Leipzig nennt. Im Französischen heißt aberpotags nur Suppe. Jeder, der des Französischen mächtig ist,wird sich unter Dntrsss Vorspeisen, Eingangsgerichte vorstellen,in der Kochkunst sind es aber Mittelgerichte. Als ein guterDeutscher sich einmal in einer Pariser Konditorei von der hübschenVerkäuferin einige Baisers ausbat, das bekannte süße Schaum-gebäck, da rief diese, entrüstet über die Frechheit des Deutschen,den Besitzer des Geschäfts zum Schutz ihrer Unschuld herbei. Siehatte verstanden, daß der Herr einige »Küsse« von ihr habenwollte; denn bsissr heißt Kuß, und das, was wir fälschlich Laissrnennen, heißt im Französischen msi'ingus oder rnerioAnv ä lg, orsms.

So sehen wir, wie das Verlangen nach Klarheit und Deut-lichkeit der Speisebenennungen uns zu der deutschen Speisekarteführen muß. Es kommt aber noch ein anderer Grund hinzu.

4.

Kamps gegen Eitelkeit und Vornehmtuerei.

Viele welsche Speisebenennungen verdanken ihr Dasein nurder Eitelkeit und Vornehmtuerei der Köche, die damitden Eindruck besonderer Kunstfertigkeit erregen wollen. Es istviel Flunkerei dabei. Die Tischgäste, die natürlich von der höherenKochkunst nichts verstehen, sollen sich einbilden, etwas Besondereszu essen, wenn sie irgend welche volltönende französische Bezeich-nung auf der Tafelkarte lesen. Das gibt die »InternationaleFachzeitschrift für die Gastwirts-Industrie, der Gastronom« (1886Nr. 23) in einem Aussatze ihres Herausgebers offeu zu: »Esgibt in der französischen Küchensprache eine Menge Ausdrücke,welche nichts als Phantasienamen sind, womit nicht einmalder Fachmann, am allerwenigsten also der Laie, der Gast ver-traut sein kann. Welchem Kollegen ist es nicht schon Passiert,daß er Speisen serviert hat, von denen er nicht wußte, was eswar; die Bezeichnung war ein französischer Phantasiename;sich vorher zu informieren war keine Zeit; und wenn dann derGast frug, so stand man da, ebenfalls nicht klüger als der Gast.Eine solche Situation ist nicht angenehm, ist aber, solange die