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Deutsche Speisekarte : Verdeutschung der in der Küche und im Gasthofswesen gebräuchlichen entbehrlichen Fremdwörter
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einem größeren Essen zur Tischkarte, so schwirrt einem ein fran-zösischer Ausdruck nach dem anderen vor den Augen, »man istso klug als wie zuvor«. Man wende nicht ein, daß jeder gebil-dete Deutsche Französisch verstehen müsse. Denn es gibt erstensrecht viele unserer Landsleute, die dieser Sprache nicht mächtigsind, und zweitens bietet selbst eine gründliche Kenntnis derfranzösischen Sprache noch keineswegs deu Schlüssel zum Ver-ständnis des Küchenwelsch. Selbst unsere besten Wörterbücherlassen uus vielfach dabei im Stiche. Der Kochverständige wirdnatürlich wissen, was ein ?otgZs ?srmsntisr oder a Is orso^ist, was man sich unter ?ilst äs bosuk ä la (Zonti, unter Lsllsäs montan a la ZZrswrms oder Orsins », la Lbantill^ zu denkenhat. Der Nicht-Fachmann wird aber trotz aller französischen Gelehr-samkeit solchen Ausdrücken gegenüber ratlos dastehen. Warumschreibt man nicht klar und deutlich d.h. deutsch: Kartoffel- oderMöhrenfuppe, Nindsleude mit Schotenkernen, Hammelrücken mitbraunen Bohnen, Rahmschnee?

Daß auch das Wörterbuch den Uneingeweihten recht irreführen kann, zeigt ein Vorfall, den der Berliner Börsen-Courier(23. Febr. 1910) berichtet. Bei dem Essen einer Gesellschaft vonSprachgelehrten hatte der Koch ein Gericht als ris äs vsau Z.la M'äinisrs (Kalbsmilch mit Gemüse) bezeichnet. Das mußteverdeutscht werden! Ein Wörterbuch wurde herbeigeholt und nachlängerem Bemühen kam man zu der Übersetzung »das Lächelndes Kalbes an die Gärtnerin«!

Auch die Angestellten des Gastwirtsgewerbes verstehen häufigdie fremdländischen Ausdrücke nicht. Davon erzählt Hans Wolfsin unserer Zeitschrift (1SO9, 168) ein bezeichnendes Geschichtchen.In einer Berliner Weinstube fragte er zum Scherz deu Kellner,was das auf der Speisekarte steheude IZaissr su rasoss bedeute.Der Kellner erwiderte, es sei eine Tasse Mokka. Beauftragt dieszu bestellen, kam er sehr verlegen zurück und brachte dasbekannte Schaumgebäck, aber kein Getränk.

Treffend schildert diesen Notstand der oben erwähnte Aufsatzder Zeitschrift Daheim über »Unsere Speise-Karten«: »Ichwünschte, verehrte Herren, Sie könnten einmal hier bei Tische